Das ist die Be­we­gung „Ex­tinc­tion Re­bel­li­on“

Rheinische Post – Düsseldorf Mitte/West/Ost/Nord/Süd - - WIRTSCHAFT - VON PHIL­IPP JA­COBS

BER­LIN Im Re­gie­rungs­vier­tel ha­ben sie ihr La­ger auf­ge­schla­gen, nun schwär­men sie in die gan­ze Stadt aus: Die Ak­ti­vis­ten­grup­pe „Ex­tinc­tion Re­bel­li­on“will den Ver­kehr in Ber­lin ei­ne Wo­che lang stö­ren. Wo­her kommt die­se Be­we­gung, die zu zi­vi­lem Un­ge­hor­sam auf­ruft? Die wich­tigs­ten Fra­gen und Ant­wor­ten.

Was will „Ex­tinc­tion Re­bel­li­on“? Die Ak­ti­vis­ten ma­chen nach ei­ge­nen An­ga­ben mit zi­vi­lem Un­ge­hor­sam auf den dro­hen­den Kli­ma­kol­laps und das mas­si­ve Ar­ten­ster­ben auf­merk­sam. Die Grup­pe for­dert die Re­gie­run­gen welt­weit auf, die Wahr­heit über die öko­lo­gi­sche Kri­se of­fen­zu­le­gen und den Kli­ma­not­stand aus­zu­ru­fen. Ge­walt wol­len sie bei ih­ren De­mons­tra­tio­nen aus­drück­lich nicht an­wen­den.

Wer hat die Be­we­gung ge­grün­det? Ins Le­ben ge­ru­fen wur­de die Ak­ti­vis­ten­grup­pe be­reits im Mai ver­gan­ge­nen Jah­res von rund hun­dert Wis­sen­schaft­lern. Im dar­auf­fol­gen­den Ok­to­ber star­te­te die Grup­pe ihr En­ga­ge­ment auf den Stra­ßen. Für Auf­se­hen sorg­te am 17. No­vem­ber 2018 der ers­te von „Ex­tinc­tion Re­bel­li­on“aus­ge­ru­fe­ne „Re­bel­li­on Day“. Bei der Blo­cka­de der wich­tigs­ten Brü­cken über die Them­se in Lon­don durch rund 6000 De­mons­tran­ten wur­den 85 Ak­ti­vis­ten we­gen Ver­kehrs­be­hin­de­rung fest­ge­nom­men. Bei die­ser Ver­an­stal­tung trat auch die schwe­di­sche Ak­ti­vis­tin Gre­ta Thun­berg auf.

Wer sind die trei­ben­den Kräf­te?

In ers­ter Li­nie sind das Ro­ger Hallam und Gail Brad­brook. Hallam ist ein bri­ti­scher Um­welt­ak­ti­vist. Sei­ne be­ruf­li­che Lauf­bahn be­gann er in der öko­lo­gi­schen Land­wirt­schaft. Die In­sol­venz sei­nes Un­ter­neh­mens führt er auf ei­ne Rei­he von ex­tre­men Wet­te­rer­eig­nis­sen zu­rück. Zwi­schen 2017 und An­fang 2019 schrieb er am King‘s Col­le­ge in Lon­don an sei­ner Dok­tor­ar­beit mit dem The­ma zi­vi­ler Un­ge­hor­sam. Der­zeit sitzt Hallam bis zum 14. Ok­to­ber in Un­ter­su­chungs­haft. Er hat­te mit ei­ni­gen an­de­ren Ak­ti­vis­ten ver­sucht, den Flug­ver­kehr am Flug­ha­fen He­a­throw mit Droh­nen zu stö­ren.

Gail Brad­brook stu­dier­te Mo­le­ku­lar­bio­phy­sik an der Uni­ver­si­ty of Man­ches­ter und pro­mo­vier­te dar­in. For­schungs­rei­sen führ­ten sie nach In­di­en und Frank­reich. Brad­brook en­ga­gier­te sich be­reits früh in di­ver­sen Um­welt- und Tier­schutz­grup­pen. Auch sie glaubt, dass aus­schließ­lich zi­vi­ler Un­ge­hor­sam den not­wen­di­gen Wan­del in der Kli­ma­po­li­tik her­bei­füh­ren kann.

Ist „Ex­tinc­tion Re­bel­li­on“ge­fähr­lich? Nicht per se. Die Grup­pe schreckt aber nicht da­vor zu­rück, dras­ti­sche Mit­tel ein­zu­set­zen, um et­wa Stra­ßen zu blo­ckie­ren oder Flug­hä­fen lahm­zu­le­gen. In Groß­bri­tan­ni­en setz­te sich die Be­we­gung da­für ein, Schä­den zu ver­ur­sa­chen, die straf­recht­lich be­langt wer­den kön­nen, et­wa das Ein­schla­gen von Fens­ter­schei­ben.

Wie fi­nan­ziert sich die Grup­pe? „Ex­tinc­tion Re­bel­li­on“er­hält nach ei­ge­nen An­ga­ben Geld aus Crowd­fun­ding, von Groß­spen­dern, NGOS, Trusts und Stif­tun­gen, wo­bei der Groß­teil aus On­line-crowd­fun­ding stammt. In­for­ma­tio­nen über Fund­rai­sing und Aus­ga­ben gibt die Grup­pie­rung auf ih­rer Web­site.

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