Fortu­na und ihr Kampf ge­gen das Herbst­tief

Wenn der Som­mer geht, ver­lie­ren die Düs­sel­dor­fer ih­re Form. In der ver­gan­ge­nen Sai­son fan­den sie sie durch Ru­he und Te­am­geist wie­der.

Rheinische Post – Düsseldorf Mitte/West/Ost/Nord/Süd - - DÜSSELDORF­ER SPORT - VON BERND JOLITZ

Fuß­ball­pro­fis gel­ten ge­mein­hin nicht als wet­ter­füh­lig. Fortu­na könn­te ei­nen je­doch glatt da­zu ver­lei­ten, ans Ge­gen­teil zu glau­ben. Denn das ak­tu­el­le sport­li­che Herbst­tief, das die Ki­cker um Ka­pi­tän Oli­ver Fink bis auf den 15. Ta­bel­len­platz und da­mit in ge­fähr­li­che Re­gio­nen hat stür­zen las­sen, ist nichts Neu­es: Auch in der ver­gan­ge­nen Sai­son trat Fortu­na ih­ren Sturz ans Ta­bel­len­de an, als die Herbst­win­de rausch­ten und die Blät­ter von den Bäu­men fie­len.

Rück­blen­de. Am drit­ten Spiel­tag der Vor­sai­son lan­de­te das Team von Trai­ner Fried­helm Fun­kel mit dem 2:1 ge­gen Hof­fen­heim sei­nen ers­ten Sieg nach dem Wie­der­auf­stieg. Es folg­te noch das 0:0 beim VFB Stutt­gart – und am 26. Sep­tem­ber ge­gen Bay­er Le­ver­ku­sen, ei­ne Heim­nie­der­la­ge. Die­ses 1:2 am fünf­ten Spiel­tag, ein 0:3 in Nürn­berg und ein 0:2 ge­gen den FC Schal­ke führ­ten da­zu, dass Fortu­na nach dem sieb­ten Li­ga-durch­gang und der dann fol­gen­den Län­der­spiel­pau­se auf Platz 17 ab­ge­stürzt war.

Die Par­al­le­len sind of­fen­sicht­lich. Fast auf den Tag ge­nau zwölf Mo­na­te spä­ter sind die Düs­sel­dor­fer wie­der mit ei­ner bit­te­ren Nie­der­la­ge in ei­ne Län­der­spiel­pau­se ge­gan­gen. Dies­mal ste­hen sie zwar zwei Plät­ze bes­ser da als da­mals, doch hat das eher mit der Bi­lanz der Kon­kur­renz zu tun: 2018/19 war Stutt­gart mit fünf Punk­ten Letz­ter, heu­te ge­nü­gen Fortu­na de­ren vier, um hauch­dünn über dem Strich zu blei­ben.

Ei­ne Be­ru­hi­gungs­pil­le ist das nicht, denn na­tür­lich war die Leis­tung beim 1:3 in Ber­lin am ver­gan­ge­nen Frei­tag ein noch grö­ße­res Alarm­si­gnal als der Ta­bel­len­stand, den je­der Rea­list an­ge­sichts des schwe­ren Start­pro­gramms so oder so ähn­lich hät­te er­war­ten müs­sen. „Wir ha­ben ganz schlecht ver­tei­digt, viel zu viel zu­ge­las­sen und vor­ne zu we­nig kre­iert“, fass­te Sport­vor­stand Lutz Pfan­nen­stiel zu­sam­men. „Mit un­ter 40 Pro­zent Zwei­kampf­quo­te kann man nicht ge­win­nen, in Ber­lin nicht und auch nir­gend­wo sonst. Da wer­den al­le For­tu­nen wahn­sin­nig, wenn sie sich die­ses Spiel an­schau­en.“Gleich­wohl wand­te sich Pfan­nen­stiel deut­lich ge­gen Spe­ku­la­tio­nen, die Mann­schaft sei wo­mög­lich nicht gut ge­nug für die Bun­des­li­ga: „Das ist kei­ne Fra­ge der Qua­li­tät, aber die Fra­ge nach dem War­um kann schon auf­kom­men.“

Die­se Fra­ge hat sich auch Trai­ner Fried­helm Fun­kel schon ge­stellt und ist auf ei­ne Ant­wort ge­kom­men: „Wir wol­len im Mo­ment

zu viel Fußball spie­len und wol­len nicht so in die Zwei­kämp­fe, wie­man sich das ei­gent­lich vor­stellt. Aber ich glau­be an mei­ne Mann­schaft.“

Auch in die­sem Zu­sam­men­hang lohnt sich ein Blick zu­rück in die Vor­sai­son. Da er­reich­te Fortu­na so­gar erst nach der Ok­to­ber-län­der­spiel­pau­se ih­ren Tief­punkt, als sie am ach­ten Spiel­tag bei Ein­tracht Frank­furt die le­gen­dä­re 1:7-Klat­sche ein­steck­te. Die Wen­de kam erst an Spiel­tag elf mit dem 4:1 ge­gen Her­tha. Na­tür­lich soll­te sich nie­mand dar­auf ver­las­sen, dass sich die Ge­schich­te der­art ex­akt wie­der­holt. Doch dass die spä­te­ren Stars Do­di Lu­ke­bakio, Be­ni­to Ra­man und Ke­vin Stö­ger zum ver­gleich­ba­ren Zeit­punkt 2018 noch kein Fak­tor wa­ren, darf man sich ge­trost in Er­in­ne­rung ru­fen, be­vor man in zu all­zu lau­te und vor al­lem ver­früh­te Un­ken­ru­fe über die Qua­li­tät des Ka­ders ver­fällt.

FO­TO: CHRIS­TOF WOLFF

Dank an die Fans nach ei­nem schwar­zen Abend in Ber­lin: (v. li.) Erik Thom­my, Al­f­re­do Mo­ra­les, Ni­ko Gie­ßel­mann und Matthias Zim­mer­mann.

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