Horch dich ge­sund

Kat­ha­ri­na Ze­brow­ski hat in Un­ter­bach das ein­zi­ge In­sti­tut in der Re­gi­on, in dem die Horchthe­ra­pie an­ge­wen­det wird.

Rheinische Post – Düsseldorf Mitte/West/Ost/Nord/Süd - - STADTTEILE NORD / OST - VON MARC INGEL

UN­TER­BACH Man muss si­cher nicht im­mer al­les glau­ben, was ver­meint­li­che Fach­leu­te ei­nem er­zäh­len, da­mit be­fas­sen soll­te sich ein je­der aber schon, sonst ist ei­ne Ab­leh­nung fahr­läs­sig. Kat­ha­ri­na A. Ze­brow­ski war an­fangs auch skep­tisch, als sie von der Horchthe­ra­pie hör­te, aber der Tin­ni­tus zwang die Qu­er­flö­tis­tin und Mu­sik­päd­ago­gin zu un­ge­wöhn­li­chen Maß­nah­men. Sie fuhr nach Bel­gi­en zu dem In­sti­tut, in dem die Leh­re von Pro­fes­sor Al­f­red A. To­ma­tis an­ge­wen­det wird. „Ich war kom­plett am Bo­den, als ich an­kam. Nach zwei Wo­chen ha­be ich drei Ta­ge durch­ge­schla­fen und konn­te plötz­lich Bäu­me aus­rei­ßen“, be­rich­tet Ze­brow­ski. Der Tin­ni­tus sei nicht kom­plett weg ge­we­sen, „aber er ist seit­dem nie wie­der so stark zu­rück­ge­kom­men“. An­de­ren dort sei es ähn­lich er­gan­gen, Men­schen mit ei­nem Bur­nout, Kin­dern mit ADHS oder Le­gas­the­nie, Schmerz-, Down- und so­gar Mul­ti­ple-sk­le­ro­se-pa­ti­en­ten. Ze­brow­ski woll­te Teil des Gan­zen wer­den, ab­sol­vier­te 2015 ei­ne Aus­bil­dung zur Au­dio-psy­cho-pho­no­lo­gin nach den To­ma­tis-prin­zi­pi­en. Und er­öff­ne­te ihr ei­ge­nes In­sti­tut. Vor zwei Jah­ren fand die heu­te 58-Jäh­ri­ge in Un­ter­bach die op­ti­ma­len Rä­um­lich­kei­ten, wo sie Woh­nen und Ar­bei­ten mit­ein­an­der ver­bin­den kann.

Im Sou­ter­rain gibt es zwei hel­le groß­zü­gi­ge Be­hand­lungs­räu­me (ei­nen für Kin­der, den an­de­ren für Er­wach­se­ne) plus ein klei­nes Zim­mer­chen, wo die wich­ti­gen Vor­tests (ähn­lich wie bei ei­nem HNO-ARZT) durch­ge­führt wer­den, von de­nen die wei­te­re Be­hand­lungs­stra­te­gie ab­hän­gen. Un­über­seh­bar sind die Spe­zi­al­kopf­hö­rer und die vie­len Au­dio-knöp­fe in den Be­hand­lungs­räu­men, „hier wur­den 250 Me­ter Ka­bel ver­legt“, er­zählt Ze­brow­ski. Denn dar­um geht’s na­tür­lich: um das Horch­trai­ning, auf­ge­teilt in drei Blö­cke, erst 14 Ta­ge am Stück, spä­ter sie­ben Ta­ge hin­ter­ein­an­der, stets mit Pau­sen da­zwi­schen. Im­mer zwei St­un­den hört der Teil­neh­mer spe­zi­ell auf­be­rei­te­te, ge­fil­ter­te Mu­sik (Mo­zart, gre­go­ria­ni­sche Ge­sän­ge), wo­bei bei Kin­dern vor al­lem die mo­di­fi­zier­te Mut­ter­stim­me Er­fol­ge ver­spre­che, so Ze­brow­ski. Mit der To­ma­tis-me­tho­de soll die Fä­hig­keit zum Zu­hö­ren und Kom­mu­ni­zie­ren ge­för­dert wer­den, zahl­rei­che wei­te­re po­si­ti­ve Aus­wir­kun­gen auf ver­schie­de­ne Be­rei­che des Ge­hirns sei­en eben­so die Fol­ge.

Dass die Me­tho­de von der wis­sen­schaft­li­chen Me­di­zin oft nicht an­er­kannt wird, stört die In­sti­tuts­lei­te­rin nicht wei­ter, die vie­len po­si­ti­ven

Er­fah­rungs­be­rich­te wür­den sie viel­mehr be­stär­ken. „Die Horchthe­ra­pie wird in­zwi­schen auch in Schu­len und Ki­tas ein­ge­setzt, kommt in Fir­men als Bur­nout-pro­phy­la­xe zum Ein­satz, es gibt Schwan­ger­schafts­pro­gram­me für das un­ge­bo­re­ne Kind und bei äl­te­ren Men­schen mit Ge­dächt­nis­pro­ble­men hilft es auch“, sagt die Mu­sik­päd­ago­gin und zählt di­ver­se Pro­mi­nen­te auf, die eben­falls auf die To­ma­tis-me­tho­de ge­schwört hät­ten: „Pa­va­rot­ti, Sting, Ma­ria Cal­las und Ro­my Schnei­der.“

Das Ohr sei oh­ne­hin ein stark un­ter­schätz­tes Or­gan, „da­bei ist es das ers­te, das im Mut­ter­leib voll­stän­dig ent­wi­ckelt ist, schon ab der 18. Wo­che“, sagt die Horchthe­ra­peu­tin, de­ren Trai­ning ei­ner na­tür­li­chen Schu­lung des Ge­hörs gleich­kom­me, was dem Men­schen wie­der­um zu ei­ner kor­rek­ten Ver­ar­bei­tung al­ler Sin­nes­rei­ze ver­hel­fe. „Das ist wie ein Re­set, al­les auf Null, das Schlech­te wird über­spielt, das Gu­te kommt zum Vor­schein“, schwört Kat­ha­ri­na A. Ze­brow­ski.

RP-FO­TO: MARC INGEL

Kat­ha­ri­na A. Ze­brow­ski an ih­rem Misch­pult. Hier ist sie für ih­re Pa­ti­en­ten der „Di­ri­gent“.

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