Ak­tiv auch am­le­bens­abend

In ei­ner Ju­bi­lä­ums­fol­ge fragt „ 37°“nach ei­nem al­ter­na­ti­ven Wohn­mo­dell für Se­nio­ren.

Rheinische Post – Düsseldorf Mitte/West/Ost/Nord/Süd - - MEDIEN - 37°: Bau­ern­hof statt Al­ters­heim, 22.15 Uhr, ZDF

DÜS­SEL­DORF (ry) Die Re­por­ta­ge­rei­he „37°“be­fasst sich seit mehr als zwei Jahr­zehn­ten mit den un­ter­schied­lichs­ten mensch­li­chen Schick­sa­len und bringt die­se den Zu­schau­ern in je­weils 30 Mi­nu­ten nä­her. Zum 25-jäh­ri­gen Ju­bi­lä­um der Sen­dung star­tet ab heu­te ei­ne drei­tei­li­ge Rei­he, die un­ter dem­mot­to„#wasuns­be­wegt“läuft. Die ers­te Epi­so­de„bau­ern­hof statt Al­ters­heim“be­schäf­tigt sich mit dem „Alt wer­den zwi­schen Hahn und Esel“, wie der­un­ter­ti­tel ver­rät. Ge­nau­er ge­sagt geht es um den Trend „Gre­en Ca­re“, der schon in vie­len Län­dern An­klang ge­fun­den hat. Se­nio­ren le­ben auf dem Bau­ern­hof statt im Al­ters­heim. Sie be­tei­li­gen sich ak­tiv am­hof­le­ben. Kann das auch ein­mo­dell für Deutsch­land sein? Um die­se Fra­ge be­ant­wor­ten zu kön­nen, fol­gen die­re­por­ter­ag­nes Leusch, die aus ei­ner klei­nen Stadt­woh­nung auf den Hof der Fa­mi­lie Mül­ler zieht. Wie kommt sie zu­recht? Ein hal­bes Jahr be­glei­tet„37°“die­hof­ge­mein­schaft – neun Se­nio­ren und Fa­mi­lie Mül­ler, die Hof­be­sit­zer. Kann man auf ei­nem Bau­ern­hof bes­ser alt wer­den? Ag­nes Leusch ist 84 und lebt al­lein in ei­ner klei­nen Eta­gen­woh­nung in Me­sche­de in Nord­rhein-west­fa­len. Sie ist zwar sehr rüs­tig und fährt noch selbst Au­to, aber sie spürt, dass die Kräf­te täg­lich nach­las­sen, und möch­te für die Zu­kunft vor­sor­gen, wenn sie nicht mehr al­lein zu­recht­kommt. Doch ein­al­ters­heim­kommt für sie nicht in­fra­ge:„den gan­zen­tag nur her­um­sit­zen, das wür­de ich nicht aus­hal­ten, ich muss im­mer et­was zu tun ha­ben“, sagt sie. Des­halb zieht Frau Leusch in ei­ne Se­nio­ren­ge­mein­schaft auf ei­nem Bau­ern­hof. Auf dem Gut der Fa­mi­lie­mül­ler in Bri­lon ist sie nicht al­lein, be­kommt so viel Hil­fe, wie sie braucht, und kann, wenn sie möch­te, im Haus­halt oder auf dem Hof mit­hel­fen. „37°“be­glei­tet Frau Leusch beim Ab­schied von ih­rem Zu­hau­se und lernt mit ihr die an­de­ren Se­nio­ren ken­nen, die auf dem Hof der Fa­mi­lie Mül­ler woh­nen, wie zum Bei­spiel Er­win, der ein­mal in ei­ner­band spiel­te, und die pfle­ge­be­dürf­ti­ge Ja­na. In Zu­kunft wird Ag­nes von ih­rem Kü­chen­fens­ter aus di­rekt auf die „Esel-wie­se“bli­cken und vie­le Mög­lich­kei­ten ha­ben, am Dorf­le­ben teil­zu­neh­men. In den­nie­der­lan­den, Nor­we­gen, der Schweiz un­d­ös­ter­reich gibt es be­reits­meh­re­re­tau­send land­wirt­schaft­li­che Be­trie­be, die Se­nio­ren un­ter dem Be­griff „Gre­en Ca­re“ei­ne sol­che Wohn­mög­lich­keit als Al­ter­na­ti­ve zum Al­ters­heim an­bie­ten. In Deutsch­land exis­tie­ren ge­ra­de mal rund ein Dut­zend be­treu­te Se­nio­ren-wohn­ge­mein­schaf­ten auf Bau­ern­hö­fen. Sie er­mög­li­chen ei­nen Le­bens­abend in fa­mi­li­en­ähn­li­chen Struk­tu­ren mit dem ty­pi­schen All­tags­le­ben auf dem Land. Die Pfle­ge über­nimmt bei­be­darf ein Pfle­ge­dienst. Die­be­trei­ber wol­len den Be­woh­nern im fort­ge­schrit­te­nen Al­ter mehr Ei­gen­stän­dig­keit und Le­bens­qua­li­tät bie­ten, auch­wenn sie ge­brech­lich oder de­ment sind. Da­bei sind die Kos­ten we­sent­lich ge­rin­ger als imal­ters­heim. In Zei­ten des de­mo­gra­fi­schen Wan­dels und Hof-ster­bens ist das Kon­zept „Se­nio­ren-bau­ern­hof“je­den­falls nicht nur ei­ne at­trak­ti­ve und kos­ten­güns­ti­ge Al­ter­na­ti­ve für die Se­nio­ren, son­dern auch Hil­fe für Bau­ern­hö­fe und für die Dör­fer ins­ge­samt. Aber geht die­ses Kon­zept auch auf? Wel­che­vor­tei­le bie­tet die­se­wohn­form für die Be­woh­ner? Was pas­siert, wenn Pfle­ge not­wen­dig­wird, oder bei­de­menz? Ist der Le­bens­abend auf dem­bau­ern­hof wirk­lich ei­ne gu­te Al­ter­na­ti­ve zum Al­ters­heim, ein bes­se­res Mo­dell für die Zu­kunft? Auf­grund des an­ge­spro­che­nen 25-jäh­ri­gen­ju­bi­lä­ums­der Sen­dung wer­den spä­ter zu­dem schon aus­ge­strahl­te Epi­so­den der Sen­de­rei­he er­neut ge­zeigt. Un­ter dem­mot­to „25 Jah­re 37° – die lan­ge Nacht“geht es um 0.20 Uhr mit dem Bei­trag „Schuf­ten bis zum Schluss“los, der sich mit ar­men Rent­nern im rei­chen Deutsch­land be­schäf­tigt. Die lan­ge­nacht dau­ert bis 4.10 Uhr und zeigt ins­ge­samt acht Aus­ga­ben der Re­por­ta­ge­rei­he.

FO­TO: ZDF/THO­MAS HENK HENKEL

Die Se­nio­ren­ge­mein­schaft auf dem­bau­ern­hof ist Ag­nes Leuschs neu­es Zu­hau­se. Sie küm­mert sich­mit Freu­de um die Hüh­ner. Es fal­len al­ler­hand Auf­ga­ben an, so­dass nie­mals Lan­ge­wei­le auf­kommt.

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