Bi­b­lio­the­ken dür­fen sonn­tags öff­nen

Der Land­tag hat ein Ge­setz ver­ab­schie­det, da­mit Bü­che­rei­en bes­ser zu­gäng­lich sind.

Rheinische Post – Düsseldorf Mitte/West/Ost/Nord/Süd - - NORDRHEIN-WESTFALEN -

DÜSSELDORF (dpa) Öf­fent­li­che Bi­b­lio­the­ken dür­fen in Nord­rhein-west­fa­len jetzt auch an Son­nund Fei­er­ta­gen öff­nen. Ein ent­spre­chen­des Ge­setz hat der Düs­sel­dor­fer Land­tag am Mitt­woch ein­stim­mig ver­ab­schie­det.

An­ders als Mu­se­en, Thea­ter oder kom­mer­zi­el­le Frei­zeit­ein­rich­tun­gen muss­ten Bi­b­lio­the­ken bis­lang grund­sätz­lich an Sonn- und Fei­er­ta­gen schlie­ßen. Das heißt, Fach­per­so­nal durf­te dort nicht ar­bei­ten. Mit Än­de­run­gen des Kul­tur­för­der­ge­set­zes und ei­ner Ge­wer­be­ver­ord­nung des Lan­des hat das Par­la­ment nun die recht­li­chen Vor­aus­set­zun­gen für ei­ne Kurs­än­de­rung ge­schaf­fen.

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat­te 2014 ge­ur­teilt, die Öff­nung von Bi­b­lio­the­ken an Sonn­ta­gen sei nicht statt­haft, wenn sie nur Frei­zeit­be­dürf­nis­se er­fül­le, die auch werk­tags be­frie­digt wer­den könn­ten. Die Ko­ali­ti­ons­frak­tio­nen ha­ben die­ser Ar­gu­men­ta­ti­on nun an­de­re Rechts­gü­ter ent­ge­gen­ge­stellt und sie lan­des­ge­setz­lich ver­an­kert: „Ge­ra­de für so­zi­al be­nach­tei­lig­te Fa­mi­li­en sind öf­fent­li­che Bi­b­lio­the­ken für die kul­tu­rel­le ge­sell­schaft­li­che Teil­ha­be von ho­her Be­deu­tung“, heißt es im Ge­setz­ent­wurf von CDU und FDP.

Be­rufs­tä­ti­ge El­tern hät­ten oft nur sonn­tags die Mög­lich­keit, mit ih­ren Kin­dern als Fa­mi­lie ei­ne Bi­b­lio­thek auf­zu­su­chen. Das Sonn­tags­öff­nungs­ver­bot sei „ein grund­rechts­er­heb­li­cher Nach­teil“für Be­rufs­tä­ti­ge, die sol­che In­for­ma­ti­ons­an­ge­bo­te un­ter der Wo­che nicht nut­zen könn­ten und in der – eben­falls grund­recht­lich ge­schütz­ten – Me­die­n­und In­for­ma­ti­ons­er­zie­hung ih­rer Kin­der be­ein­träch­tigt wür­den. Die Be­dürf­nis­se, die öf­fent­li­che Bi­b­lio­the­ken be­frie­dig­ten, gin­gen „über rein kon­sum­ti­ve Frei­zeit­be­dürf­nis­se weit hin­aus“.

Der Fdp-ab­ge­ord­ne­te Lo­renz Deutsch sprach von ei­nem „öf­fent­li­chen Wohn­zim­mer, in dem Men­schen nied­rig­schwel­lig und kon­sum­frei zu­sam­men­kom­men kön­nen“. Kul­tur­mi­nis­te­rin Isa­bel Pfeiffer-po­ens­gen (par­tei­los) hob her­vor, dass Bi­b­lio­the­ken, die oh­ne­hin die am meis­ten fre­quen­tier­ten Kul­tur­ein­rich­tun­gen über­haupt sei­en, nun auch ein Sonn­tags­aus­flugs­ziel für die gan­ze Fa­mi­lie wer­den könn­ten.

Nach An­ga­ben des Kul­tur­mi­nis­te­ri­ums gibt es in NRW rund 265 Stadt­bi­blio­the­ken, die meis­ten da­von mit haupt­amt­li­cher Lei­tung und ei­ge­nem Fach­per­so­nal. Für sie er­mög­licht das Ge­setz nun die Öff­nung an Sonn- und Fei­er­ta­gen, er­zwingt sie aber nicht. Au­ßer­dem gibt es rund 1400 eh­ren­amt­lich be­treu­te kirch­li­che Bü­che­rei­en. In kirch­li­cher Trä­ger­schaft sind nur ei­ni­ge we­ni­ge Bi­b­lio­the­ken von dem Ge­setz be­trof­fen, so­weit sie künf­tig mit fest­an­ge­stell­tem Per­so­nal öff­nen wol­len und auf Grund­la­ge ei­ner Ver­ein­ba­rung als Stadt­bü­che­rei fun­gie­ren.

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