10. Ok­to­ber 1957

Die Hall­stein-dok­trin und Ju­go­sla­wi­en

Rheinische Post – Düsseldorf Mitte/West/Ost/Nord/Süd - - UNTERHALTU­NG -

Seit ih­rer Grün­dung be­harr­te die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land auf dem An­spruch, in­ter­na­tio­nal für bei­de deut­schen Län­der spre­chen zu dür­fen. Der so ge­nann­te Al­lein­ver­tre­tungs­an­spruch mün­de­te ab 1955 in der Hall­stein-dok­trin. Die Richt­li­nie schloss di­plo­ma­ti­sche Be­zie­hun­gen mit je­dem Staat aus, der die DDR of­fi­zi­ell an­er­kann­te. Die DDR soll­te da­durch iso­liert wer­den. Dies ge­lang zum Teil: Tat­säch­lich scheu­ten vie­le Dritt­län­der da­vor zu­rück, di­plo­ma­ti­sche Be­zie­hun­gen zur DDR auf­zu­neh­men. Doch die Hall­stein-dok­trin be­schränk­te auch die west­deut­sche Au­ßen­po­li­tik und war oft schwer um­zu­set­zen. Die So­wjet­uni­on war als Sie­ger­macht des Zwei­ten Welt­kriegs oh­ne­hin of­fi­zi­ell da­von aus­ge­nom­men. In der Pra­xis an­ge­wandt wur­de die Dok­trin nur zwei­mal: Am 10. Ok­to­ber 1957 ver­ein­bar­ten Ju­go­sla­wi­en und die DDR di­plo­ma­ti­sche Be­zie­hun­gen. Die Bun­des­re­gie­rung un­ter Kon­rad Ade­nau­er brach dar­auf­hin zum ers­ten Mal die Be­zie­hun­gen zu ei­nem Dritt­land auf Grund­la­ge der Hall­stein-dok­trin ab. Die Bot­schaft in Bel­grad wur­de ge­schlos­sen, ein Ge­ne­ral­kon­su­lat durf­te im Land blei­ben. Ei­ne zwei­te An­wen­dung gab es 1963, als die Be­zie­hun­gen zu Fi­del Castros Ku­ba un­ter­bro­chen wur­den. In den Jah­ren da­nach wur­de die Hall­stein-dok­trin in­kon­se­quent ver­folgt. 1969 wur­de sie of­fi­zi­ell be­en­det: Im Rah­men der neu­en Ost­po­li­tik sprach Bun­des­kanz­ler Wil­ly

Brandt nun von

„zwei Staa­ten, ei­ne Na­ti­on“.

TEXT: JENI / FO­TO: DPA

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