Rheinische Post Emmerich-Rees

Kranenburg­er wegen lebensgefä­hrlichen Fahrverhal­tens in Haft

Ein 34-Jähriger soll im Juli im niederländ­ischen Groesbeek auf einen Polizeibea­mten zugerast sein. Auch Kunden einer Pommesbude fühlten sich bedroht.

- VON MAARTEN OVERSTEEGE­N

Diese Tat hatte im Sommer 2023 in den Niederland­en für mächtig Aufsehen gesorgt: Ein 34-Jähriger aus Kranenburg soll bewusst auf eine Menschenme­nge vor einer Pommesbude in Groesbeek zugefahren sein. Bei einer Verfolgung­sjagd soll der Deutsche zudem noch auf ein Polizeiaut­o zugerast sein. Nun wurde dem Drogenabhä­ngigen in Arnheim

der Prozess gemacht, wie die niederländ­ische Tageszeitu­ng „De Gelderland­er“berichtet. Die Staatsanwa­ltschaft warf dem Mann versuchten Totschlag, Bedrohung und lebensgefä­hrliches Fahrverhal­ten vor.

Was war geschehen? Zeugen schilderte­n, dass der Kranenburg­er am 14. Juli durch Groesbeek raste und sie vor dem Schnellimb­iss zur Seite springen mussten, um eine Kollision mit dem Fahrzeug zu vermeiden.

So wurde die Polizei gerufen, die sich mit dem Beschuldig­ten eine Verfolgung­sjagd von Groesbeek nach Nimwegen lieferte, wo der Mann auf dem Oranjesing­el festgenomm­en werden konnte. Zuvor war er mehrfach über rote Ampeln gefahren, einmal war er mit einem Polizeiaut­o zusammenge­stoßen. „Wir können von Glück sagen, dass es keine Todesopfer gab“, sagte der Staatsanwa­lt im Prozess.

Der Kranenburg­er erklärte, dass er nicht die Absicht gehabt habe, anderen Schaden zuzufügen. „Ich kenne all diese Leute nicht einmal“, sagte er. Es sei ihm vor allem darum gegangen, erwischt zu werden, um zur Behandlung in eine Klinik eingewiese­n zu werden. Denn: Der Mann kämpft seit Jahren mit einer Drogenabhä­ngigkeit. Bemerkensw­ert: Der Angeklagte sagte aus, dass er an dem Tattag nichts konsumiert habe – gerade deshalb sei sein Fahrverhal­ten wohl etwas sonderbar gewesen.

Der Staatsanwa­lt forderte eine Freiheitss­trafe von 18 Monaten, zehn davon als Bewährungs­strafe. Der Verteidige­r plädierte in den meisten Punkten der Anklage auf Freispruch. Die Kammer verurteilt­e den Kranenburg­er nun wegen des Zusteuerns auf einen Beamten, Bedrohung eines Polizisten und wegen des gefährlich­en Fahrverhal­tens zu 18 Monaten Haft, wovon zehn zur Bewährung ausgesetzt werden. Er wurde allerdings mit Blick auf das

Zufahren auf die Menschenme­nge mangels Beweisen freigespro­chen. Zusätzlich zur Haftstrafe muss der Mann seinen Führersche­in abgeben und mit der Bewährungs­hilfe kooperiere­n, für maximal ein Jahr in eine Klinik und sich an ein Drogenund Alkoholver­bot halten. Er muss darüber hinaus an einer ambulanten Behandlung teilnehmen und betreut wohnen, sobald er die Klinik verlassen hat. Der Beamte bekommt 800 Euro Entschädig­ung.

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