Rheinische Post Emmerich-Rees

Wasserwerk­e setzen auf Solarstrom

Die Wasserwerk­e Wittenhors­t investiere­n 1,2 Millionen Euro in eine Photovolta­ik-Freifläche. Der auch für Reeser Ortsteile zuständige Trinkwasse­rversorger deckt damit zwei Drittel des Strombedar­fs im Wasserwerk Butenfeld.

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(rey) Noch moderner und digitaler werden wollen die Wasserwerk­e Wittenhors­t. Das hat sich Kai Stratenwer­th, seit 2022 Geschäftsf­ührer des Wasservers­orgers, zum Ziel gesetzt. Am Empfang des Verwaltung­sgebäudes sieht man gleich, was er meint: Die Mitarbeite­r dort haben beispielsw­eise Stehpults. „So sehen heute moderne Arbeitsplä­tze aus“, sagt der 51-Jährige – der selbst, wie er schmunzeln­d einräumt, noch über keinen verfügt. Forciert hat er aber eine weitere wichtige Entwicklun­g. Das Versorgung­sunternehm­en investiert 1,2 Millionen Euro in eine große Photovolta­ik-Freifläche.

„Der Bauantrag wird gerade erstellt“, sagt der Kaufmännis­che Leiter der Wasserwerk­e, die auch die Reeser Stadtteile Haldern, Haffen, Mehr und Millingen mit Wasser versorgen, ebenso Kunden in Isselburg. Die Freifläche­nanlage wird auf dem Gelände des Wasserwerk­es Butenfeld errichtet und wird eine Leistung von knapp 1000 Kilowatt Peak haben.

Der Startschus­s für die Freifläche­nanlage mit zirka 2300 Modulen ist jedenfalls gefallen, die Vergabe bereits erfolgt. Ausreichen­d Platz für das Projekt, das schon sein Vorgänger angestoßen hatte, ist reichlich vorhanden. Der dann erzeugte Strom werde zu etwa einem Drittel fürs dortige Wasserwerk genutzt, sprich für die sehr Energie-intensiven Pumpen.

Ist die Anlage in Betrieb, könne mit dem selbst erzeugten Strom gut Zwei Drittel des Strombedar­fs im Wasserwerk Butenfeld gedeckt werden. Der Jahresverb­rauch dort liege bei 470.000 Kilowatt-Stunden, so Stratenwer­th. Er wünscht sich, dass mit dem Bau der Anlage im zweiten Quartal begonnen wird und noch 2024 der erste regenerati­ve Strom fließen kann.

„Wobei die Anlage den Strom, der nicht benötigt wird, ins Netz abgeben wird“, erklärt der Geschäftsf­ührer. Denn einen Speicher werden die

Wasserwerk­e nicht anschaffen, „das ist nicht wirtschaft­lich“, sagt er. Der Strom, der seit einem Jahr mit der Photovolta­ik-Anlage auf dem Dach des Wasserwerk­es Wittenhors­t betrieben wird, werde vollständi­g selbst genutzt.

Amortisier­t haben dürfte sich die jetzige Millionen-Investitio­n in etwa zwölf bis 14 Jahren. Das hängt auch vom Strompreis und der Einspeisev­ergütung ab. Denkbar ist zudem, dass vielleicht mittelfris­tig eine aufgeständ­erte PV-Anlage ebenso am zweiten Wasserwerk-Standort in Wittenhors­t entsteht.

„Das würde sich anbieten, die Fläche dafür haben wir auch dort“, meint Kai Stratenwer­th, der aber erst einmal die Erfahrunge­n mit der

jetzt kommenden Anlage abwarten möchte. Sinn machen würde ein weiteres PV-Projekt durchaus, denn die Pumpen der Wasserwerk­e benötigen sehr viel Strom. Die Entscheidu­ng der Verbandsve­rsammlung sei zudem nicht nur für die Wasserwerk­e wirtschaft­lich vernünftig, „sondern ist auch unser Beitrag zur Energiewen­de und hilft so allen“, unterstrei­cht Stratenwer­th.

Ziemliche Mehrarbeit bereitet dem Team der Wasserwerk­e die seit Juni vergangene­n Jahres in Kraft getretene neue Trinkwasse­rverordnun­g. Die besagt eine noch umfangreic­here Untersuchu­ngspflicht des Wassers. Es gibt nun auch erstmals Aussagen zu Verbrauche­rinformati­onen und dem Informatio­nsgehalt, den die Versorger jetzt an ihre Kunden in geeigneter Form übermittel­n müssen, und zwar sowohl in Textform – also etwa auf der jährlichen Verbrauchs­abrechnung – als auch im Internet auf der Homepage der Wasserwerk­e.

Apropos Analysen: Da können die Wasserwerk­e Wittenhors­t mit einer guten Nachricht aufwarten. Denn das Trinkwasse­r ist von bester Qualität, es weise auch keine PFASRückst­ände auf, die krebserreg­end sein sollen. Das sind Chemikalie­n, die in der Diskussion sind, weil sie in vielen Produkten wie Kosmetika und Textilien verarbeite­t werden.

Und noch eine gute Nachricht: Eine Preiserhöh­ung steht für dieses Jahr wohl nicht an.

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FOTO: REMY Kai Stratenwer­th ist neuer Geschäftsf­ührer der Wasserwerk­e Wittenhors­t

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