Be­ton­klöt­ze oh­ne Zu­kunft

Rheinische Post Erkelenz - - FUßBALL-WM 2018 - VON THOMAS HÄBERLEIN

Die wei­te­re Nut­zung der rus­si­schen WM-Sta­di­en ist zum Teil un­klar.

MOS­KAU (sid) Auch in Mos­kau ma­chen sie sich jetzt so lang­sam Sor­gen. Das Lu­sch­ni­ki, tra­di­ti­ons­reich und im­po­sant, wur­de für die Welt­meis­ter­schaf­ten auf­wen­dig um­ge­baut. 300 Mil­lio­nen Eu­ro soll es ge­kos­tet ha­ben, das größ­te Sta­di­on in Russ­land in ei­ne Fuß­ball-Are­na oh­ne Lauf­bahn zu ver­wan­deln. An­geb­lich be­lie­fen sich die In­ves­ti­tio­nen so­gar auf bis zu ei­ne Mil­li­ar­de Eu­ro. Al­ler­dings: Was im Lu­sch­ni­ki ab Mon­tag ge­spielt wird, das ist erst mal un­klar.

Das End­spiel der Fuß­ball-WM am Sonn­tag zwi­schen Frank­reich und Kroa­ti­en (17 Uhr/ZDF und Sky) wird wohl für lan­ge Zeit das letz­te sport­li­che Groß­er­eig­nis ge­we­sen sein, das Pu­bli­kum ins Lu­sch­ni­ki ge­lockt hat. Gut, die Na­tio­nal­mann­schaft könn­te dar­in spie­len, aber die vier Haupt­stadt­klubs, al­so ZSKA, Dy­na­mo, der ak­tu­el­le Meis­ter Lo­ko­mo­ti­ve und der Tra­di­ti­ons­ver­ein Spar­tak, be­sit­zen mitt­ler­wei­le al­le ei­ge­ne Sta­di­en, und al­le mit mehr Zu­schau­er­plät­zen, als sie im Nor­mal­fall brau­chen.

Russ­land hat vor der WM ge­wal­ti­ge Sum­men in den Neu­bau und die Re­no­vie­rung von Sta­di­en in­ves­tiert – ge­schätz­te 5,3 Mil­li­ar­den Eu­ro in die elf WM-Are­nen, au­ßer­dem zu­sätz­lich an­geb­lich sie­ben bis neun Mil­li­ar­den Eu­ro in rund 100 wei­te­re, klei­ne Sta­di­en. Ein Groß­teil der Sum­me, ge­schätz­te 930 Mil­lio­nen, ging für das neue Sta­di­on in St. Pe­ters­burg drauf – dort ge­wann Deutsch­land 2017 den Con­fed Cup, am Sams­tag fin­det das Spiel um Platz drei statt.

In al­len Sta­di­en der WM in Russ­land bleibt die Nach­nut­zung ein Pro­blem. In der Are­na von Spar­tak Mos­kau ver­su­chen sie be­reits tap­fer, et­was ge­gen den Leer­stand zu tun, am Frei­tag be­spielt die US-Hard­rock­band Guns n‘ Ro­ses den rot-wei­ßen Bau. Kon­zer­te, Kon­gres­se: Die Kon­zep­te glei­chen sich. Re­gie­rungs­stel­len sol­len er­rech­net ha­ben, dass je­der Sta­di­on­be­trei­ber al­ler Vor­aus­sicht nach ein jähr­li­ches De­fi­zit in Hö­he von 2,8 bis 5,5 Mil­lio­nen Eu­ro aus­glei­chen muss.

Die Sta­di­en mit Fuß­ball am Lau­fen zu hal­ten, dürf­te schwie­rig wer­den – so rich­tig wird der Rus­se mit der po­pu­lärs­ten Sport­art der Welt nicht warm. In der ab­ge­lau­fe­nen Sai­son lag der Schnitt in der rus­si­schen Prem­jer Li­ga bei 13.971 Zu­schau­ern. Spie­le der zwei­ten rus­si­schen Li­ga ver­folg­ten zu­letzt um­ge­rech­net nur 2552 Be­su­cher. Auch in Russ­land, steht zu be­fürch­ten, wer­den bald ein paar so­ge­nann­te Wei­ße Ele­fan­ten her­um­ste­hen wie mitt­ler­wei­le in Süd­afri­ka (WM 2010) oder Bra­si­li­en ( WM 2014).

In Sot­schi, wo sie das 620 Mil­lio­nen Eu­ro teu­re Olym­pia­sta­di­on „Fisht“für 50 Mil­lio­nen WM-taug­lich ge­macht hat­ten, gab es bis vor Kur­zem nicht mal ei­nen Fuß­ball-Klub. Schemtschu­nia Sot­schi ging vor fünf Jah­ren plei­te, jetzt wird ein­fach der Zweit­li­gist Dy­na­mo St. Pe­ters­burg an das 1925 Ki­lo­me­ter ent­fern­te Schwar­ze Meer trans­fe­riert und in FK Sot­schi um­be­nannt. In­ner­halb von zwei Jah­ren soll der Auf­stieg ge­lin­gen. In das „Fisht“pas­sen lo­cker 45.000 Zu­schau­er.

Auch an­dern­orts müs­sen Zweit­li­gis­ten viel zu gro­ße Sta­di­en be­spie­len. Et­wa der FK Bal­ti­ka in Ka­li­nin­grad, wo der Neu­bau der Are­na Bal­ti­ka so um die 350 Mil­lio­nen Eu­ro ge­kos­tet ha­ben soll. Oder der ein we­nig du­bio­se FC Olym­pi­jets in Ni­sch­ni Now­go­rod (frü­her Gor­ki), wo nun ein 250 Mil­lio­nen teu­res Sta­di­on mit 45.000 Plät­zen steht. Ein Sta­di­on, das ge­nau ge­nom­men kei­ner braucht.

Was im Lu­sch­ni­ki ab Mon­tag ge­spielt wird, das ist erst mal un­klar

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