Ei­ne Rei­se, die kann teu­er en­den

Es ist schon är­ger­lich, wenn man er­holt aus dem Ur­laub kommt und zu Hau­se plötz­lich ein teu­res Kn­öll­chen aus dem Aus­land liegt. Wir zei­gen, wel­che Stra­fen bei Ver­kehrs­ver­stö­ßen im Ur­laub mit dem Au­to dro­hen.

Rheinische Post Erkelenz - - WIRTSCHAFT - VON ALEXANDER TRIESCH

DÜSSELDORF Man­che Din­ge än­dern sich ein­fach nie. Et­wa die Lie­be der Deut­schen zum Au­to. Da­mit fah­ren sie im­mer noch am liebs­ten in die Fe­ri­en, wie ei­ne For­sa-Um­fra­ge zeigt. Dem­nach wol­len in die­sem Som­mer zwei Drit­tel wie­der mit dem ei­ge­nen Wa­gen das Ur­laubs­ziel er­rei­chen – trotz der güns­ti­gen Prei­se, die Bil­lig-Air­lines bie­ten. Ein Groß­teil (53 Pro­zent) bleibt zwar im ei­ge­nen Land, für die an­de­re Hälf­te geht es ne­ben Kroa­ti­en und Frank­reich vor al­lem nach Ita­li­en (13 Pro­zent). Dort liegt auch der Lieb­lings­ort der deut­schen Au­to-Ur­lau­ber, der Gar­da­see. Ei­ne Fahrt über die Al­pen bis run­ter in die ita­lie­ni­sche Tief­ebe­ne hat oh­ne Zwei­fel Charme.

Aber auch sonst ha­ben Rei­sen auf vier Rä­dern Vor­tei­le: Man ist fle­xi­bel, und kann ge­nau dort­hin fah­ren, wo man hin will, oh­ne sich an den Flug­hä­fen eu­ro­päi­scher Me­tro­po­len zu ori­en­tie­ren. Ganz schnell hat man aber auch die Ori­en­tie­rung in frem­den Stra­ßen­ver­kehrs­ord­nun­gen ver­lo­ren. Zu Hau­se war­tet dann ein def­ti­ges Buß­geld, teil­wei­se we­gen Ver­stö­ßen, die man selbst nicht mal be­merkt hat. Wir zei­gen, was bei Au­to­rei­sen zu be­ach­ten ist – und wo Ver­kehrs­sün­den be­son­ders teu­er wer­den.

An wich­ti­ge Do­ku­men­te den­ken

Auch im eu­ro­päi­schen Aus­land müs­sen Au­to­fah­rer zwei wich­ti­ge Schrift­stü­cke mit sich füh­ren: den Füh­rer­schein und die Zu­las­sungs­be­schei­ni­gung Teil 1, frü­her Fahr­zeug­schein ge­nannt. Ein Füh­rer­schein, der in ei­nem EU-Land aus­ge­stellt wur­de, gilt da­bei auch in al­len an­de­ren Mit­glieds­län­dern. Aber auch in Nicht-EU-Staa­ten wie der Schweiz oder Nor­we­gen kön­nen Ur­lau­ber pro­blem­los mit dem Do­ku­ment fah­ren. An­ders sieht das in vie­len Län­dern Ost­eu­ro­pas aus. Wer bei­spiels­wei­se in die Ukrai­ne rei­sen will, soll­te ei­nen In­ter­na­tio­na­len Füh­rer­schein mit­füh­ren, emp­fiehlt der ADAC. Der kann bei je­dem Stra­ßen­ver­kehrs­amt be­an­tragt wer­den. Zu­sätz­lich ist es rat­sam, Ver­si­che­rungs­un­ter­la­gen mit­zu­füh­ren, falls Buß­gel­der be­tref­fen Ver­stö­ße mit Pkw; Be­trä­ge in Eu­ro (ge­run­det); MV = Net­to­mo­nats­ver­dienst, TS = Ta­ges­satz (Straf­be­rech­nung nach Mo­nats­ver­dienst).

*Für Fahr­an­fän­ger und Be­rufs­kraft­fah­rer gel­ten teil­wei­se nied­ri­ge­re Pro­mil­le­gren­zen. **Min­dest­bu­ßen tags­über, nachts (22-7 Uhr) um ein Drit­tel hö­he­re Buß­gel­der.

Au­ßer­dem Füh­rer­schein­maß­nah­men, in schwe­ren Fäl­len un­ter Um­stän­den auch Frei­heits­stra­fen. QU­EL­LE: ADAC | GRA­FIK: FERL

man im Aus­land ei­nen Un­fall baut. Die in Deutsch­land ab­ge­schlos­se­ne Po­li­ce gilt in der Re­gel auch im EU-Aus­land. Ex­per­ten ra­ten da­von ab, nach ei­nem Un­fall fremd­spra­chi­ge Do­ku­men­te aus­zu­fül­len.

Ra­sen kann ex­trem teu­er wer­den

Wer glaubt, im EU-Aus­land wer­den für Fehl­ver­hal­ten im Stra­ßen­ver­kehr si­cher ähn­li­che Buß­gel­der fäl­lig wie hier­zu­lan­de, der irrt ge­wal­tig. Eu­ro­pa­weit gibt es kei­ne ein­heit­li­che Buß­geld­ver­ord­nung. Ge­ra­de bei Ge­schwin­dig­keits­über­schrei­tun­gen und Falsch­par­ken sind die Stra­fen in Deutsch­land im Ver­gleich zu un­se­ren Nach­barn recht ge­ring. So kön­nen Frank­reich und Ita­li­en Be­schei­de in Hö­he von bis zu 2850 Eu­ro für zu schnel­les Fah­ren er­he­ben. In der Schweiz wird Ra­sen so­gar mit Buß­gel­dern ge­ahn­det, die sich nach

dem Mo­nats­ver­dienst rich­ten. Wer auf der Au­to­bahn mehr als 50 km/h zu schnell un­ter­wegs ist, wird mit 30 Ta­ges­sät­zen be­straft. Falsch­par­ker er­wischt es in Spa­ni­en be­son­ders hart. Dort wer­den bis zu 200 Eu­ro fäl­lig – wer dort al­ler­dings zü­gig zahlt, kann ei­nen Ra­batt von bis zu 50 Pro­zent er­hal­ten. Der ADAC rät da­zu, die Be­le­ge un­be­dingt auf­zu­be­wah­ren. Üb­ri­gens: Fahr­ver­stö­ße im Aus­land wer­den nicht im Re­gis­ter in Flens­burg ein­ge­tra­gen.

An­de­re Län­der, an­de­re Sit­ten

Ob es der Aus­flug in die Ti­ro­ler Tä­ler ist oder ei­ne Spritz­tour durch Zü­rich: Je­des Land hat sei­ne ei­ge­nen Ver­kehrs­re­geln, die un­er­war­tet für ein Buß­geld sor­gen kön­nen. Bei­spiels­wei­se in Ös­ter­reich. Dort kön­nen Po­li­zis­ten Ge­schwin­dig­keits­ver­stö­ße von bis zu 30 km/h

ein­fach per Au­gen­maß mes­sen. Ein Blit­zer muss nicht auf­ge­baut sein, wer zu schnell fährt, kann oh­ne Vor­war­nung Post nach Hau­se be­kom­men. Ei­ne Be­son­der­heit gibt es auch in Ita­li­en. Wer dort be­trun­ken am Steu­er sitzt, kann gleich sein gan­zes Au­to ver­lie­ren. Mes­sen die Be­am­ten mehr als 1,5 Pro­mil­le, dür­fen sie den Wa­gen be­schlag­nah­men und im An­schluss ver­stei­gern. Vor­sicht auch bei der Licht­pflicht. Un­ter an­de­rem in Po­len, Dä­ne­mark und der Schweiz müs­sen Au­to­fah­rer auch zur Ta­ges­zeit die Schein­wer­fer ein­schal­ten, an­dern­falls dro­hen Stra­fen bis zu 60 Eu­ro.

Kn­öll­chen nicht igno­rie­ren

Noch im­mer hält sich hart­nä­ckig das Ge­rücht, dass Buß­gel­der aus dem Aus­land grund­sätz­lich nicht be­zahlt wer­den müs­sen. Da­bei kön­nen

EU-Staa­ten seit 2010 Stra­fen aus al­len an­de­ren Mit­glieds­län­dern voll­stre­cken – auch wenn die Be­hör­den meist un­ter­schied­lich kon­se­quent sind. In Deutsch­land wer­den Aus­lands-Buß­gel­der ab ei­ner Ba­ga­tell­gren­ze von 70 Eu­ro ge­ahn­det. Die Ver­wal­tungs­kos­ten sind dort al­ler­dings schon ein­ge­rech­net, wes­halb auch nied­ri­ge­re Be­trä­ge voll­streckt wer­den kön­nen. Nicht-EU-Staa­ten ver­fol­gen die Buß­gel­der meist nicht, wer aber oh­ne zu zah­len er­neut ein­reist, muss da­mit rech­nen, dass die Zah­lung vor Ort ver­langt wird.

Ein ver­säum­ter Buß­geld­be­scheid kann bei je­der Ver­kehrs­kon­trol­le auffallen. Der ADAC emp­fiehlt, Buß­gel­der sorg­fäl­tig zu prü­fen und an­schlie­ßend erst zu be­zah­len. Wer teu­re Be­schei­de von In­kas­so-Fir­men im Brief­kas­ten hat, soll­te ju­ris­ti­sche Hil­fe in Er­wä­gung zie­hen.

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