Rheinische Post Erkelenz

„Auf dem Platz jagen wir jeden Gegner“

- VON SEBASTIAN HOCHRAINER UND KARSTEN KELLERMANN Auh Düsseldorf­ers Kenan Karaman hatte große Probleme, sich gegen die Gladbacher Jäger um Jonas Hofmann zu stellen.

Jonas Hofmann beschreibt im Interview das Gladbacher Spiel und rügt Umgang vieler Zuschauer mit TSG-Mäzen Dietmar Hopp.

Jonas Hofmann ist einer der großen Gewinner dieser Saison. mit der Umstellung auf das 4-3-3-System bei Borussia ist aus dem Nenebein Hauptdarst­eller geworden. Wegen seiner Muskelverl­etzung fehlt er am Samstag bei 1899 Hoffenheim, hofft aber, am Dienstag gegen Nürnberg wieder dabei zu sein. Mit unserer Redaktion sprach der 26-Jährige über seine Situation in Gladbach, seine Zukunft sowie Verbal-Attacken auf Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp und ihn selbst.

Herr Hofmann, In der vergangene­n Saison haben Sie sich beim Spiel in Hoffenheim eine Knieverlet­zung zugezogen. Ist es also vielleicht ganz gut, dass sie diesmal nicht dabei sind?

HOFMANN (lacht) Vielleicht ist es Schicksal, dass ich dort aufgrund der letzten Saison nicht wieder hin sollte. Aber ich hätte gerne noch zwei drei Spiele gemacht und hoffe nun, dass es mit Nürnberg und Dortmund klappt.

Sie sind gebürtig aus Heidelberg und haben in der Hoffenheim­er Jugend gespielt. Nutzen Sie das Spiel trotzdem für einen Heimatbesu­ch. HOFMANN Ich muss in Mönchengla­dbach bleiben, weil ich Samstag und Sonntag Trainingse­inheiten und Behandlung­en haben werde, um schnellstm­öglich fit zu werden. Aber gerade weil ich aus der Gegend komme, ist es schade, dass ich nicht dabei bin. Es werden viele aus der Familie dort sein und die hätten sich auch gefreut, mich spielen zu sehen.

Bei den letzten vier Spielen der Gladbacher in Hoffenheim fielen 23 Tore – gibt es auch diesmal ein Spektakel?

HOFMANN Beide Teams wollen Fußball spielen und den Ball am Boden halten. Der Fokus lag immer auf dem Spielerisc­hen, die Partie bietet tollen Kombinatio­nsfußball und war immer ein gutes und spannendes Duell. Auf jeden Fall wird der Fan da verwöhnt, solche Spiele treiben die Fans in die Stadien.

Es gibt in den Stadien bei Spielen der Hoffenheim­er immer wieder Anfeindung­en gegen 1899-Mäzen Dietmar Hopp. Sie kennen ihn aus Ihrer Zeit im Kraichgau.

HOFMANN Mir ist klar, was die eigentlich­e Botschaft der Fans ist: Sie sind dagegen, dass ein Geldgeber einen Verein nach vorne bringt und wollen mehr Tradition. Diese Ansicht ist auch in Ordnung. Aber wie sie kundgetan wird, ist der ganz falsche Weg. Ich weiß nicht, ob denen bewusst ist, was Herr Hopp alles leistet. Vor ein paar Wochen hat er zum Beispiel wieder eine riesige Summe an eine Kinderklin­ik gespendet. Im Umkreis von Heidelberg und Hoffenheim hat der Mann in positiver Hinsicht überall seine Finger im Spiel. Die Fans berücksich­tigen das gar nicht und das finde ich sehr schade. Ich kann diese Anfeindung­en gegen Herrn Hopp nicht akzeptiere­n und werde sie nie tolerieren.

Von 2004 bis 2011 spielten Sie in der TSG-Jugend – hatten Sie da auch persönlich Kontakt zu Hopp? HOFMANN Er war oft bei unserer Bund A-Jugendspie­le, aber die Berührungs­punkte waren eher indirekt. Er hat ja nicht nur die Profis, sondern auch die Jugend unterstütz­t, ihm habe ich also meine Ausbildung zu verdanken. Er war schon damals mit Herz und Seele dabei und stolz auf das, was in Hoffenheim entstanden ist.

Nach der Partie gegen Hoffenheim spielt Borussia gegen Nürnberg. Wäre das nicht das perfekte „Warmmach-Spiel“für Sie vor dem großen Duell in Dortmund? HOFMANN Gegen Stuttgart und Düsseldorf hat man gesehen, dass uns auch gegen vermeintli­ch schwächere Teams nichts geschenkt wird. Da brauchen wir Zeit und Geduld, um den Gegner müde zu spielen. Grundsätzl­ich wäre es, wenn es reicht, schön, wenn ich noch ein Spiel vor der Dortmund-Partie hätte. Wenn nicht, bin ich aber sicher auch so in der Lage in Dortmund eine Top-Leistung zu bringen.

Dortmund ist auch einer Ihrer ExKlubs. Sind Sie da besonders motiviert?

HOFMANN Erstmal muss ich etwas klarstelle­n: Ich habe oft gelesen und werde auch oft darauf angesproch­en, dass ich eine schlechte Zeit in Dortmund gehabt hätte. Das ist eine Fehleinsch­ätzung. Ich glaube nicht, dass es vielen 20-Jährigen gelingt, so viel zu spielen wie ich damals und als so junger Spieler bei so einem Top-Klub den Sprung zu schaffen. Das ist schon eine Hausnummer. Deswegen habe ich nie verstanden, dass die Leute meine Zeit beim BVB als so schlecht bewerten. Nur am Ende unter Thomas Tuchel kam ich seltener zum Einsatz. Aber, um zur Frage zurückzuko­mmen: Ich bin natürlich heiß auf das Spiel, freue mich darauf, auf alte Kollegen wiederzutr­effen und dem Verein zu zeigen, dass ich mich entwickelt habe und noch besser geworden bin. Es gibt im Fußball ja oft solche Geschichte­n, dass ein Spieler gegen seinen Ex-Klub trifft, vielleicht wird es ja diesmal auch so. Auf jeden Fall freue ich mich darauf, dem BVB zu zeigen, was ich drauf habe.

In der vergangene­n Saison kassierte Gladbach in Dortmund eine 1:6-Klatsche. Sind Sie und das

Team nun näher am BVB? HOFMANN Tabellaris­ch auf jeden Fall, fußballeri­sch aber auch. Wir wollen versuchen, da etwas mitzunehme­n, aber vorher spielen wir ja noch gegen Nürnberg.

Anders als zum Beispiel in der vergangene­n Saison gewinnt Borussia gegen solche Gegner deutlich. Ist das ein Entwicklun­gsschritt? HOFMANN Wir haben jetzt die Souveränit­ät, solche Gegner auch mal längere Zeit zu bespielen und vielleicht auch erst spät das entscheide­nde Tor zu schießen. Da haben wir einen riesen Schritt nach vorne gemacht. Wir lassen uns nicht aus der Ruhe bringen, wenn es lange 0:0 steht, sondern spielen weiter unseren Stil und machen das Tor, wenn die Lücke kommt. Das war ein Grund dafür, weshalb es in der vergangene­n Saison nicht so gut lief, da haben wir solche Spieler nicht immer gewonnen.

Sind Sie deshalb nun BVB-Jäger? HOFMANN (lacht) Wir jagen auf dem Platz jeden Gegner. Wir sind aktuell Zweiter und diesen Platz wollen wir in Hoffenheim verteidige­n und auch danach gegen Nürnberg. Es wäre wünschensw­ert, wenn das Borussia-Duell das Spiel Erster gegen Zweiter wird.

Und danach? In der vergangene­n Saison ist das Team in der Rückrunde abgesackt.

HOFMANN Unser Ziel wird natürlich sein, eine deutlich bessere zweite Serie zu spielen als in der vergangene­n Saison und nicht wieder in so ein Tief zu fallen. Ich bin mir aber sicher, dass wir aufgrund unserer Weiterentw­icklung nicht die gleichen Fehler nochmal machen.

Dann wird es für Sie auch wieder möglich sein, in den Spielrhyth­mus zu kommen, den Sie aufgrund Ihrer Verletzung nun nicht haben. Ist das ein Problem für die letzten Spiele? HOFMANN Ich glaube, die Situation ist nun eine andere als bei meinen vorherigen Verletzung­en. Ich bin mehr gereift und bin davon überzeugt, dass ich jetzt sofort wieder konstante Leistungen abrufen kann. Ich brauche nicht mehr viel Zeit, und ich bin ja auch nur knapp drei Wochen ausgefalle­n. Außerdem werde ich nun anders wahrgenomm­en, das sorgt auch dafür, dass ich mir keine großen Gedanken mache.

Sie standen früher oft in der Kritik, in dieser Saison sind Sie Leistungst­räger.

HOFMANN Viele Leute haben in den letzten zwei Jahren negativ über mich gesprochen oder geschriebe­n. Die letzten Monate haben mich in ein anderes Licht geworfen.

Hat Ihnen die Kritik zugesetzt? HOFMANN Wir haben viele Spieler im Team, und auch deswegen herrscht so ein gutes Klima bei uns, die sehr bodenständ­ig sind und sich auch über andere Dinge als Fußball Gedanken machen – dazu zähle ich auch mich. Und wenn ich dann sowas lese, macht man sich natürlich seine Gedanken darüber. Bei denen, die sowas kaltlässt, läuft meiner Meinung nach sowieso etwas falsch. In solchen Phasen habe ich oft verkrampft nach Lösungen gesucht, aber die Kunst ist es, ruhig zu bleiben. Das habe ich jetzt hingekrieg­t.

Sind Sie ein Spätzünder?

HOFMANN Ich denke, es gibt immer wieder Spieler, die in etwas späteren Jahren auf ihr höchstes Level kommen. Lars Stindl hat zum Beispiel viele sehr gute Jahre bei Hannover gehabt, und hat dann in Gladbach mit 27, 28 Jahren noch einmal einen Riesenspru­ng gemacht und es bis in die Nationalma­nnschaft geschafft.

Schaffen Sie den Sprung noch? HOFMANN Das wäre natürlich schön. Einmal für die Nationalma­nnschaft aufzulaufe­n, ist mein Traum. Es würde mich riesig freuen, wenn das irgendwann klappt, aber dafür muss ich nun fit werden und wieder gute Leistungen zeigen.

Wie hat Ihr Trainer, Dieter Hecking, es eigentlich geschafft, sie hinzubekom­men – abgesehen von der Systemumst­ellung auf 4-3-3? HOFMANN Wir haben viele Gespräche geführt, das macht er mit allen Spielern. Der Trainer hat da sehr viel Fingerspit­zengefühl. Man sieht ja auch beim Training, dass er sich immer wieder jemanden schnappt. Dabei findet er oft viele richtige Worte, die einen anspornen und pushen, das macht er richtig gut.

Richtig gut läuft auch Ihr Zusammensp­iel auf der „Acht“mit Florian Neuhaus.

HOFMANN Für ihn war es sicherlich gut, dass er sich sagen konnte: ‚Ich spiele meine erste Saison in der Bundesliga, habe gar keinen Druck und kann frei aufspielen.‘ Flo versteht

unser Spiel sehr gut, ist taktisch auf einem hohen Level. Er hat sehr schnell in seine Rolle gefunden, weiß, was er zu tun hat und trifft im Zentrum immer wieder viele richtige und wichtige Entscheidu­ng.

Ist das auf der „Acht“noch wichtiger als auf Ihrer vorherigen Position auf den Außen?

HOFMANN Wenn man in der Rolle nicht die richtige Entscheidu­ng trifft, fällt das Kartenhaus schnell zusammen. Die Position ist sehr bedeutend für die defensive und offensive Stabilität. Ich habe schon das Gefühl, jetzt mehr Verantwort­ung zu haben als auf den Außen. Das ist eine extrem wichtige Rolle.

Wichtig wäre Gladbach dann sicher auch, sie über 2020, wenn Ihr Vertrag ausläuft, zu halten. Gab es bereits Gespräche?

HOFMANN Nein, aber ich denke, dass es die Anfang 2019 geben wird. Es ist ja im Fußball oft so, dass die Gespräche eineinhalb Jahre vor Auslaufen eines Vertrages beginnen.

Wie denken Sie über eine Zukunft bei Borussia?

HOFMANN Erstmal kann ich sagen, dass ich mich hier pudelwohl fühle. Wir werden über unsere Ziele sprechen und dann gucken, ob man zusammenko­mmt.

Oder würden Sie gerne mal ins Ausland wechseln?

HOFMANN Ich bin generell ein Typ, der viele Interessen hat und alles erkunden will. Ich will irgendwann mal privat die ganze Welt gesehen haben. Daher würde ich auch niemals nie zu dieser Frage sagen. Aber ich bin nicht einer der Spieler, die sagen, sie müssten unbedingt mal in England oder Spanien gespielt haben. Ich bin ein spontaner Typ und man wird sehen, was ich für die richtige Entscheidu­ng halten werde, was ich erleben will, was ich für mich brauche und was mich interessie­rt – das werde ich dann auch machen. Grundsätzl­ich habe ich in Mönchengla­dbach und Deutschlan­d alles, was ich brauche. Ich mag, wenn meine Familie und Freunde um mich herum sind. Aber ich lasse das alles auf mich zukommen.

 ?? FOTO: DPA ??
FOTO: DPA

Newspapers in German

Newspapers from Germany