Schwar­zer Mann bringt Glück

Andre­as Pee­ters aus Wach­ten­donk ist Be­zirks­schorn­stein­fe­ger­meis­ter und auch als Lan­des- und Bun­des­funk­tio­när viel un­ter­wegs. Er spricht über die Sym­bol­träch­tig­keit und die Wand­lun­gen sei­nes Be­rufs.

Rheinische Post Geldern - - Aus Dem Gelderland - VON MICHA­EL KLATT

Er ist der Mann, den wohl je­der mal braucht, wenn ein­mal im Haus der Schorn­stein nicht raucht.

Jun­ge und Al­te bei uns hier im Land, die ge­ben dem pech­schwar­zen Herrn gern die Hand.

(aus dem Mu­si­cal „Ma­ry Pop­pins“, deutsch­spra­chi­ge Fas­sung un­ter an­de­rem von Rex Gil­do) WACH­TEN­DONK „Ma­ry Pop­pins“hät­te sich Andre­as Pee­ters ger­ne an­ge­se­hen im Ju­ni in Ham­burg, als die Schorn­stein­fe­ger ih­ren Bun­des­ver­bands­tag hat­ten. Die Or­ga­ni­sa­to­ren je­doch hat­ten mit „Kö­nig der Lö­wen“ein an­de­res Mu­si­cal ge­bucht. Im­mer­hin je­doch be­kam der Wach­ten­don­ker, der als Lan­des­in­nungs­meis­ter und Vi­ze­prä­si­dent im Bun­des­ver­band ein viel be­schäf­tig­ter Funk­tio­när für die Schorn­stein­fe­ger ist, in der Han­se­stadt doch noch ei­ni­ge Kol­le­gen in der tra­di­tio­nel­len schwar­zen Kluft zu se­hen. „Die tauch­ten beim ,Tag der Schorn­stein­fe­ger’ in der Stadt auf“, er­in­nert er sich an die PR-Ak­ti­on.

Ums Image muss sich Pee­ters kei­ne Sor­gen ma­chen. Auch im frü­hen 21. Jahr­hun­dert ist der Schorn­stein­fe­ger als Glücks­brin­ger noch be­gehrt. Ein Sta­tus, der ihm seit dem Mit­tel­al­ter an­haf­tet. Da­mals wa­ren of­fe­ne Feu­er­stel­len die Re­gel und Brän­de des­halb häu­fig. „Dar­aus ha­ben sich ers­te Kehr­ord­nun­gen er­ge­ben“, er­klärt Pee­ters. Die Es­sen wur­den für­der­hin re­gel­mä­ßig ge­rei­nigt. Und bei den Men­schen ver­fes­tig­te sich das Ge­fühl: Der Schorn­stein­fe­ger war da, die Brand­ge­fahr ist ge­bannt.

Im In­ter­net, et­wa auf schorn­stein­fe­ger.in­fo, gibt es auch an­de­re Her­lei­tun­gen. An­geb­lich konn­ten Dä­mo­nen oder He­xen durch den Ka­min ins Haus ge­lan­gen. Und die Schorn­stein­fe­ger hiel­ten sich ge­nau dort auf, wo Geis­ter, He­xen und Dä­mo­nen ver­mu­tet wur­den. Be­deckt von Ruß, sa­hen sie ziem­lich furcht­er­re­gend aus, die „schwar­zen Män­ner“. Sie sa­hen al­so ge­nau so aus, wie sich die Men­schen da­mals ein Ab­bild des Teu­fels vor­stell­ten. Und ih­nen wur­de die Fä­hig­keit zu­ge­spro­chen, an­de­res Bö­se zu ban­nen.

Auf klei­ne Kin­der vor al­lem macht der „Mann in Schwarz“im­mer noch Ein­druck. „Wir kom­men als Glücks­brin­ger gut an“, weiß Pee­ters, der noch von sei­ner Tä­tig­keit bei der Feu­er­wehr her gu­ten Kon­takt zu Kin­der­ta­ges­stät­ten hat. Bei sei­nen Be­su­chen bringt er Play­mo­bil-Schorn­stein­fe­ger und Schorn­stein­fe­ger-Bil­der­bü­cher mit. „Er­wach­se­ne fas­sen eher an, wenn’s ih­nen schlech­ter geht“, so der 56-Jäh­ri­ge. Doch wann im­mer er des We­ges kommt, wenn ge­ra­de ein Hoch­zeits­paar ab­ge­lich­tet wer­den soll, wird er mit aufs Bild ge­be­ten. Und manch­mal wird er auch an­ge­ru­fen, ob er nicht bei ei­ner Trau­ung da­bei sein möch­te, um das Ehe­glück als wei­te­res Glücks­sym­bol zu stär­ken. „Da sag’ ich nicht Nein, das ist ja Öf­fent­lich­keits­ar­beit.“Eh­ren­sa­che, dass die frisch­ge­ba­cke­nen Ehe­leu­te ei­nen Mi­ni-Schorn­stein­fe­ger ge­schenkt be­kom­men.

An der Sym­bol­träch­tig­keit des Schorn­stein­fe­gers hat sich seit Jahr­hun­der­ten nichts ge­än­dert. Der Be­ruf je­doch hat sich ge­wan­delt. „Heu­te wird mehr ge­mes­sen als ge­kehrt“, weiß Pee­ters, der als Be­zirks­schorn­stein­fe­ger­meis­ter für 2900 Gebäu­de in Strae­len zu­stän­dig ist.

Ganz oh­ne Ruß geht es frei­lich nach wie vor nicht. In knapp 800 die­ser Häu­ser gibt es Ka­min­öfen, die ein zwei­ma­li­ges Keh­ren pro Jahr er­for­dern. Bei et­wa 60 ist so­gar dreimal Keh­ren jähr­lich nö­tig. Pee­ters: „Das sind zum Bei­spiel Holz­pel­let­kes­sel, die für die Warm­was­ser­be­rei­tung ganz­jäh­rig in Be­trieb sind.“An­sons­ten über­wie­gen Ölund Gas­an­la­gen und Block­heiz­kraft­wer­ke. Lüf­tungs­kon­zep­te und Ener­gie­aus­wei­se sind ei­ni­ge an­de­re der um­fang­rei­chen Auf­ga­ben des Schorn­stein­fe­gers.

Pee­ters und sei­ne Kol­le­gen sind selbst­stän­dig, üben aber in Teil­be­rei­chen ho­heit­li­che Tä­tig­kei­ten aus. Nicht je­der lässt den schwar­zen Mann gern in sei­ne Woh­nung. Ge­dan­ken­lo­sig­keit und Gleich­gül­tig­keit nennt Pee­ters als Grün­de. Not­falls muss der Schorn­stein­fe­ger die Kreis­be­hör­de ein­schal­ten, die dann ei­nen zwei­ten Be­scheid mit neu­er Frist für die Prü­fung der Feu­er­stät­te ver­schickt. Wenn auch das nichts hilft, kommt’s zur Zwangs­voll­stre­ckung. Was al­ler­dings die ab­so­lu­te Aus­nah­me ist. Pee­ters: „Ich ha­be bis­her nur ein­mal mit der Be­hör­de vor der Tür ge­stan­den.“

RP-FO­TO: HEINZ SPÜTZ

Andre­as Pee­ters in Be­rufs­klei­dung und mit ei­ni­gen Mi­ni-Kol­le­gen. Er wünscht viel Glück für 2019.

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