Si­che­res Ge­fühl im High-Tech-Haus

Rheinische Post Goch - - GOCH / UEDEM - VON ANT­JE THIMM

Hilfs­be­dürf­tig und doch noch selbst­stän­dig im Haus­halt: Mo­der­ne Tech­nik soll da­bei hel­fen. Pro­fes­sor Vik­tor Gri­ne­wit­schus von der EBZ Bu­si­ness School stell­te im Ho­tel Klos­ter­gar­ten tech­ni­sche Sys­te­me für De­menz­kran­ke vor.

GOCH/KEVELAER Wenn ein Mensch al­tert, wird es im­mer schwe­rer, selbst­stän­dig in der Woh­nung zu blei­ben. Be­son­ders für De­menz­pa­ti­en­ten wird es dann schwie­rig, wei­ter in den ei­ge­nen vier Wän­den zu le­ben. Da­mit dies aber den­noch so lan­ge wie mög­lich geht, ha­ben sich In­ge­nieu­re ei­ni­ge tech­ni­sche Tricks aus­ge­dacht. Fach­be­griff da­für ist Am­bi­ent As­sis­ted Li­ving (AAL), die „Tricks“sind tech­ni­sche Sys­te­me, die dem Mensch im täg­li­chen Le­ben as­sis­tie­ren. Vik­tor Gri­ne­wit­schus, Pro­fes­sor für tech­ni­sche Ge­bäu­de­aus­rüs­tung und Ener­gie­fra­gen der Im­mo­bi­li­en­wirt­schaft an der EBZ Bu­si­ness School – Uni­ver­si­ty of Ap­p­lied Sci­en­ces in Bochum in­for­mier­te jetzt dar­über im Ho­tel Klos­ter­gar­ten in Kevelaer. „Mög­lich­kei­ten und Gren­zen von elek­tro­ni­schen Hilfs­sys­te­men für die Pfle­ge?“lau­te­te der Ti­tel der Ver­an­stal­tung, zu der et­wa 40 Zu­hö­rer ge­kom­men wa­ren. Or­ga­ni­siert wur­de sie vom Netz­werk De­menz im Kreis Kle­ve in Ko­ope­ra­ti­on mit dem Ka­tho­li­schen Bil­dungs­werk.

Nacht­ori­en­tie­rungs­licht Wer nachts mehr­mals zur Toi­let­te muss, für den ist ein au­to­ma­ti­sches Nacht­Ori­en­tie­rungs­licht zum Bei­spiel sehr hilf­reich. Ein Sen­sor im Bett er­kennt, dass der Be­woh­ner auf­steht, und schon geht das Licht an. „Es gibt vie­le Klei­nig­kei­ten, die ein­fach und preis­wert sind“, sagt Gri­ne­wit­schus.

Her­d­ab­schal­tung Ein gu­tes Si­cher­heits­ge­fühl auch für Nach­barn und An­ge­hö­ri­ge gibt die Her­d­ab­schal­tung, die schon et­was kom­pli­zier­ter ist, de­ren An­schaf­fung sich aber lohnt. Da­bei schal­tet sich der Herd nach ei­ner ge­wis­sen Zeit au­to-

Was­s­er­sen­sor Was­ser­ab­schal­tung an Wasch­be­cken und Wan­ne

au­to­ma­ti­sche Rol­la­den Zen­tral-Aus / Pa­nik­tas­ter

Au­to­ma­ti­sches Nacht­ori­en­tie­rungs­licht ma­tisch ab. Wich­tig, weil De­menz­pa­ti­en­ten oft ver­ges­sen, den Herd wie­der ab­zu­stel­len.

Tür­sen­sor Be­son­ders be­ton­te der Fach-Re­fe­rent die Not­wen­dig­keit, mit An­ge­hö­ri­gen, Be­treu­ern oder Pfle­ge­per­so­nal zu kom­mu­ni­zie­ren. Da­zu ver­weist Gri­ne­wit­schus auf ei­ne Test-Wohn­grup­pe des „Fraun­ho­fer in­Haus“in Duis­burg, wo ver­schie­de­ne In­for­ma­ti­ons­sys­te­me mit­ein­an­der ver­bun­den wer­den,

Hei­zungs­steue­rung um die Si­cher­heit der de­menz­kran­ken Be­woh­ner zu ver­bes­sern. Ein Sen­sor an der Tü­re soll­te do­ku­men­tie­ren, wer das Haus ver­lässt. Dies war aber un­prak­tisch, weil der Sen­sor je­de Tür­be­we­gung mel­de­te. Dann kam man auf die Idee, dass je­der, der her­aus­geht, ei­nen Schal­ter be­tä­ti­gen muss. Nur wenn das ver­ges­sen wur­de, ging Alarm los.

Smart­pho­ne Das Smart­pho­ne mit sei­nen vie­len Mög­lich­kei­ten sei

Her­d­ab­schal­tung („Eier­uhr“/Rauch­mel­der) auch Ide­en­ge­ber. Man kön­ne da­mit prak­tisch al­les auf­zeich­nen: Un­fäl­le im Ba­de­zim­mer, Auf­ste­hen, Fal­len, un­ge­wöhn­li­che Un­ru­he. Über di­gi­ta­le Ser­vice-Platt­for­men wer­den Ver­bin­dun­gen zu Hel­fern her­ge­stellt, das Gan­ze nennt sich „Smart Ser­vice Po­wer“.

Schwie­rig ge­stal­te sich je­doch oft die tech­ni­sche Aus­rüs­tung in al­ten Ge­bäu­den. Hier gä­be es erst ein­mal ein­fach zu we­ni­ge Steck­do­sen. Und

Schalt­ba­re Steck­do­sen (Kaf­fee­ma­schi­ne, To­as­ter,

Was­ser­ko­cher usw.) Be­nach­rich­ti­gung des Be­treu­ungs- oder Pfle­ge­per­so­nals Ser­vice­platt­form/ Kom­mu­ni­ka­ti­on In­for­ma­ti­on Be­woh­ner

zu­stand/Ak­ti­vi­tä­ten ei­ne si­che­re In­ter­net­ver­bin­dung sei na­tür­lich Gr­und­vor­aus­set­zung, um sich die di­gi­ta­le Ver­net­zung nutz­bar zu ma­chen. In Deutsch­land tue man sich schwer, über Bar­rie­re­frei­heit und Brand­schutz hin­aus­zu­den­ken. „In­tel­li­gen­te Ge­bäu­de“sei­en in Zu­kunft aber nö­tig, um Hil­fe­sys­te­me, wie zum Bei­spiel ei­ne Ab­schalt­au­to­ma­tik für das Was­ser im Bad oder Kom­mu­ni­ka­ti­ons­platt­for­men zu nut­zen.

QU­EL­LE: EBZ BU­SI­NESS SCHOOL | FO­TO: THINKSTOCK | GRA­FIK: C. SCHNETTLER

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