RWE ver­langt Straf­zah­lung von Kli­ma-Ak­ti­vist

Rheinische Post Hilden - - Panorama -

DÜS­SEL­DORF (ham) Der Ener­gie­kon­zern RWE for­dert von ei­nem Spre­cher des Ak­ti­ons­bünd­nis­ses „En­de Ge­län­de“, Da­ni­el Ho­fin­ger, 50.000 Eu­ro. Der 24-Jäh­ri­ge soll ge­gen ei­ne von ihm ab­ge­ge­be­ne Un­ter­las­sungs­er­klä­rung ver­sto­ßen ha­ben. „Mit der Un­ter­schrift soll­te ich be­stä­ti­gen, dass ich das Ge­län­de und die An­la­gen zur För­de­rung von Braun- und St­ein­koh­le von RWE im Rhein­land und im Ham­ba­cher Forst nicht mehr be­tre­te“, sagt Ho­fin­ger un­se­rer Re­dak­ti­on.

Ho­fin­ger un­ter­schrieb, nicht et­wa, weil er mit dem Pro­test auf­hö­ren woll­te, son­dern weil er dach­te, dass er da­für das RWE-Ge­län­de nicht un­be­dingt be­tre­ten müs­se. „Und ich ha­be mich seit­dem auch an die Un­ter­las­sungs­er­klä­rung ge­hal­ten“, sagt Ho­fin­ger. Trotz­dem lan­de­te am 22. Mai ein RWE-Schrei­ben in sei­nem Brief­kas­ten. „Die­ses Mal for­der­ten sie mich zu ei­ner Straf­zah­lung von 50.000 Eu­ro auf, weil ich an­de­re durch öf­fent­li­che Mei­nungs­äu­ße­rung zu öf­fent­li­chem Un­ge­hor­sam an­ge­stif­tet hät­te.“Als Be­weis ver­wies RWE nicht et­wa auf De­mons­tra­tio­nen, bei de­nen sich Ho­fin­ger auf Kon­zern-Ge­län­de auf­ge­hal­ten ha­ben soll, son­dern auf sei­ne Tweets.

Tat­säch­lich ist Ho­fin­ger auf Twit­ter ak­tiv. Im­mer wie­der tweetet und ret­weetet er dort Kom­men­ta­re und Auf­ru­fe zum Kli­ma­schutz. Thors­ten Depp­ner, der Rechts­an­walt des Stu­den­ten, hält das Schrei­ben für ei­nen An­griff auf die freie Mei­nungs­äu­ße­rung.

„RWE ist of­fen für je­de Form von Pro­test, so­lan­ge er auf dem Bo­den von Recht und Ge­setz statt­fin­det. Freie Mei­nungs­äu­ße­rung und De­mons­tra­ti­ons­recht sind ho­he Gü­ter un­se­rer De­mo­kra­tie, zu de­nen wir uns klar be­ken­nen“, sagt ein RWE-Spre­cher auf An­fra­ge. „Nie­mand darf aber das Recht selbst in die Hand neh­men und RWE scha­den. Wi­der­recht­li­che An­grif­fe auf grund­recht­lich ge­schütz­te Gü­ter, wie Ei­gen­tum, Be­sitz und Ge­wer­be­be­trieb, sind da­durch nicht zu le­gi­ti­mie­ren.“ Sor­ge ha­be der Kon­zern vor er­neu­ter Sach­be­schä­di­gung bei der nächs­ten „En­de Ge­län­de“-Pro­test­ak­ti­on. Um dies zu ver­hin­dern, ver­schi­cke der Kon­zern ent­spre­chen­de Un­ter­las­sungs­er­klä­run­gen, de­ren wie­der­hol­ter Bruch zu ei­ner Geld­stra­fe füh­re.

Die Geld­stra­fe be­zah­len will Da­ni­el Ho­fin­ger je­den­falls nicht – auch, weil er den zi­vi­len Un­ge­hor­sam für ei­ne der wich­tigs­ten Maß­nah­men im Kampf ge­gen den Kli­ma­wan­del hält.

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