Fall For­mel­la: Der Land­rat schal­tet sich ein

Der Kreis Mett­mann hat das von der Stadt Haan ein­ge­lei­te­te Dis­zi­pli­nar­ver­fah­ren ge­gen die ehe­ma­li­ge Bei­ge­ord­ne­te an sich ge­zo­gen.

Rheinische Post Hilden - - Haan - VON PE­TER CLEMENT

HAAN Das Dis­zi­pli­nar­ver­fah­ren ge­gen die ehe­ma­li­ge Ers­te Bei­ge­ord­ne­te der Stadt Haan – Dag­mar For­mel­la – wird künf­tig nicht mehr von Bür­ger­meis­te­rin Bet­ti­na War­ne­cke ge­führt. Land­rat Tho­mas Hen­de­le (CDU) hat das Ver­fah­ren in den ver­gan­ge­nen Ta­gen an sich ge­zo­gen. Dies ist of­fen­bar durch ei­ne ent­spre­chen­de Un­ter­schrift des Kreis­di­rek­tors do­ku­men­tiert, auch wenn Hen­de­le selbst da­zu auf An­fra­ge kein State­ment ab­ge­ben woll­te.

Be­stä­tigt wur­de der Vor­gang da­ge­gen von Dag­mar For­mel­las Rechts­an­wäl­tin Su­san­ne Tyczew­ski: „Wir hat­ten die­sen Schritt beim Land­rat be­an­tragt und sind sehr froh, dass er un­se­rem An­sin­nen ge­folgt ist“, be­ton­te die ehe­ma­li­ge Ver­wal­tungs­rich­te­rin im Ge­spräch mit un­se­rer Re­dak­ti­on. Dies sei kei­nes­wegs selbst­ver­ständ­lich und kom­me in der Re­gel eher sel­ten vor.

Ha­ans Bür­ger­meis­te­rin Bet­ti­na War­ne­cke hat­te das Ver­fah­ren ge­gen ih­re in­zwi­schen po­li­tisch ab­ge­wähl­te Stell­ver­tre­te­rin an­ge­strengt, kurz nach­dem sie Straf­an­zei­ge we­gen an­geb­li­cher Vor­teils­nah­me ge­gen For­mel­la bei der Staats­an­walt­schaft Wup­per­tal ge­stellt hat­te.

Von An­fang an hat­te es an der Neu­tra­li­tät die­ses Dis­zi­pli­nar­ver­fah­rens in ei­ni­gen Tei­len der Haaner Po­li­tik, aber auch Tei­len der Bür­ger­schaft Zwei­fel ge­ge­ben. Die­se wur­den noch ver­stärkt durch ei­nen Be­schluss des Ver­wal­tungs­ge­richts Düs­sel­dorf, das die mit dem Ver­fah­ren ver­bun­de­nen Maß­nah­men (Kür­zung der Be­zü­ge, Maul­korb ge­gen For­mel­la, vor­läu­fi­ge Di­enstent­he­bung) we­nig spä­ter als un­an­ge­mes­sen zu­rück­wies.

Dass die nächst­hö­he­re Di­enstebe­ne das Dis­zi­pli­nar­ver­fah­ren jetzt über­nom­men hat, ist für Ex­per­ten aus dem Be­reich des Ver­wal­tungs­rechts kei­ne Über­ra­schung.

An­ja Möh­ring bei­spiels­wei­se ist ne­ben­amt­li­che Lehr­be­auf­trag­te für Öf­fent­li­ches Di­enst­recht an der Kom­mu­na­len Hoch­schu­le für Ver­wal­tung in Nie­der­sach­sen. Die Fach­an­wäl­tin für Ver­wal­tungs- und Ar­beits­recht sieht in der Über­nah­me ei­nes Dis­zi­pli­nar­ver­fah­rens durch die nächst­hö­he­re Be­hör­de grund­sätz­lich „ein In­stru­ment zur Ver­sach­li­chung“. Dies er­klär­te sie jetzt auf An­fra­ge un­se­rer Re­dak­ti­on.

Es wer­de vor al­lem im­mer dann an­ge­wandt, wenn Zwei­fel be­ste­hen, „dass in der bis­he­ri­gen Kon­stel­la­ti­on die Neu­tra­li­tät ge­wahrt wer­den kann“, sagt Möh­ring. Denn in ei­nem Dis­zi­pli­nar­ver­fah­ren müss­ten in Be­zug auf das vor­ge­wor­fe­ne Di­enst­ver­ge­hen so­wohl be­las­ten­de als auch ent­las­ten­de Tat­sa­chen er­mit­telt wer­den:

„Ei­ne Ver­wal­tungs­che­fin, die ge­gen ih­re un­mit­tel­ba­re Stell­ver­tre­te­rin ein sol­ches Ver­fah­ren ver­folgt, kann al­lein schon durch die­se Nä­he kei­ne Neu­tra­li­tät ga­ran­tie­ren“, sagt An­ja Möh­ring.

Auch zu dem Be­schluss des Ver­wal­tungs­ge­richts Düs­sel­dorf über die Recht­mä­ßig­keit der von der Bür­ger­meis­te­rin ein­ge­lei­te­ten Maß­nah­men ge­gen die da­ma­li­ge Bei­ge­ord­ne­te hat Ex­per­tin Möh­ring ei­ne grund­sätz­li­che Ein­schätz­umg pa­rat:

Bür­ger­meis­te­rin Bet­ti­na War­ne­cke und Dag­mar For­mel­la in der Rats­sit­zung, in der die Bei­ge­ord­ne­te ab­ge­wählt wur­de.

FO­TOS: TEPH/BLZ

Land­rat Hen­de­le.

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