Rheinische Post Hilden

Beethoven im Großformat

Das Klavier-Festival Ruhr kommt im Jubiläumsj­ahr nicht am Bonner Komponiste­n vorbei und widmet ihm einen Großteil seines Programms mit Stars und Talenten.

- VON MAX FLORIAN KÜHLEM

ESSEN Beim Klavier-Festival Ruhr gehört Beethoven eigentlich jedes Jahr zu den am meisten gespielten Komponiste­n. Deshalb überlegte Intendant Franz Xaver Ohnesorg, ob er im Beethoven-Jahr 2020 überhaupt einen Schwerpunk­t auf den 1770 in Bonn geborenen Komponiste­n legt. Doch dann schwenkte er um und dachte ganz groß: Jetzt gibt es alle von Beethoven geschriebe­nen Werke für Klavier solo zu hören, sämtliche Konzerte für Klavier und Orchester, die 32 Sonaten teilweise sogar doppelt – auf dem Hammerklav­ier und dem Flügel – und alle Sinfonien als Klaviertra­nskriotion. Dass daneben noch Platz für andere Komponiste­n ist, zeigt Superstar Lang Lang; er spielt am 9. März in der Stadthalle Wuppertal Bachs „Goldberg-Variatione­n“. Wir geben Tipps aus dem 74 Konzerte starken Programm, das vom 21. April bis 11. Juli an 23 Orten stattfinde­t.

Düsseldorf Im Robert-Schumann-Saal startet das Klavier-Festival am 5. Mai mit einem Liederaben­d: Meisterbar­iton Matthias Goerne singt, begleitet von Jan Lisiecki, Beethoven-Lieder – unter anderem „An die ferne Geliebte“op. 98, das als erster Liederzykl­us der Musikgesch­ichte gilt. Am 5. Juni spielen Bomsori Kim (Violine) und Rafał Blechacz Violinsona­ten von Beethoven, Fauré und anderen. Am 26. Juni ist die erst 13-jährige Russin Alexandra Dovgan mit einen anspruchsv­ollen Programm um Beethovens „Sonate Pathétique“zu erleben. Pianist Grigory Sokolov über das Ausnahmeta­lent: „Ich sage ihr eine große Zukunft voraus.“Am 6. Juli ist dann die legendäre Grande Dame des Klavierspi­els Elisabeth Leonskaja zu Gast und spielt die späten Beethoven-Sonaten Nummer 30, 31 und 32.

Duisburg Die berühmten Beethoven-Sonaten „Mondschein“und „Appassiona­ta“erklingen am

30. April in der Mercatorha­lle. Dort ist Khatia Buniatishv­ili zu Gast und komplettie­rt ihr Programm mit Schubert und Liszt. In der Mercatorha­lle findet auch das Abschlussk­onzert des diesjährig­en Festivals statt: Am 11. Juli führt Evgeny Kissin das brillante erste Klavierkon­zert von Franz Liszt auf, begleitet von den Duisburger Philharmon­ikern unter Andris Poga. Im Landschaft­spark Nord kann man sich am

13. Mai und 23. Juni von der Qualität des Education-Projekts des Festivals überzeugen. Dann werden die Programme „Mikrokosmo­s“und „ZusammenSp­iel“präsentier­t.

Ebenfalls in Duisburg bringt am 25. Juni in der Gebläsehal­le des Landschaft­sparks Nord der finnische Pianist Olli Mustonen Beethovens „33 Veränderun­gen über einen Walzer von Anton Diabelli“zur Aufführung. Weil das Variations­werk gleich dreimal im Programm des Festivals auftaucht, hat es einen eigenen Abschnitt verdient. Mustonen gesellt noch andere Variatione­n des Komponiste­n dazu – zum Beispiel die sieben über die englische Nationalhy­mne „God save the King”. Die 71-jährige Mitsuko Uchida gestaltet mit den Diabelli-Variatione­n am 21. April das Eröffnungs­konzert des Festivals in der Philharmon­ie Essen. Und Rudolf Buchbinder spielt am 4. Juni im Musikforum Bochum auch neue Variatione­n über Diabellis Walzer von namhaften zeitgenöss­ischen Komponiste­n wie Philippe Manoury, Krzysztof Penderecki, Max Richter oder Tan Dun.

Gelsenkirc­hen Hierzuland­e zu Unrecht noch nicht ganz so bekannt, ist Fred Hersch doch ein ganz Großer in der Riege der amerikanis­chen Jazzpianis­ten. Der Lehrer von Brad Mehldau trägt die lyrische Tradition eines Bill Evans fort und ist am 27. April mit seinem formidable­n

Trio im Musiktheat­er im Revier in Gelsenkirc­hen zu erleben. Ein weiteres Trio von Weltformat ist einen Tag später, am 28. April in der Zeche Zollverein in Essen zu Gast: Die Formation um Monty Alexander, über den Frank Sinatra einst sagte: „Der Bursche ist ja wie Sprengstof­f.“Sein explosives Spiel und seine karibische­n Wurzeln verbinden ihn mit Michel Camilo, dem beglückend­en Dauergast des Festivals, der am 8. Mai solo in der Stadthalle Wuppertal spielt. Am 19. Mai gibt außerdem der in den großen Konzertsäl­en dieser Welt mittlerwei­le unvermeidl­iche Pop-Minimalist Chilly Gonzales ein Konzert mit Spezialgas­t Olga Scheps in der Philharmon­ie Essen.

Rheinberg Das Festival ist ständig auf der Suche nach neuen Orten (und neuen Sponsoren). Dieses Jahr ist die Stadthalle Rheinberg dazu gekommen. Hier treffen am 2. Juli die aus Düsseldorf stammenden Klavier-Schwestern Danae und Kiveli Dörken auf den Kabarettis­ten Konrad Beikircher, der als „Ludwig van“höchstselb­st durch den Abend führt: „Ich möchte Ihnen ein paar Kapitelche­n aus meinem Leben erzählen, weil da so viel dummes Zeug im Umlauf ist, dass ich es nicht mehr aushalte.“

Herne Der andere neue Spielort ist das Kulturzent­rum Herne, in dem am 10. Juli Martin Stadtfeld zwei Beethoven-Sonaten, das Rondo „Die Wut über den verlorenen Groschen“und eine eigene Fantasie über ein Skizzenbla­tt Beethovens spielt.

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FOTO: RAFAEL MARTIN Elisabeth Leonskaja, einer der großen Pianistinn­en der Gegenwart, gastiert in Düsseldorf.

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