Un­ser Plas­tik­müll wird zu Kunst­stoff­bän­ken

Nur ein Teil der Leicht­ver­pa­ckun­gen aus dem gel­ben Sack wird tat­säch­lich im klas­si­schen Sin­ne wie­der­ver­wer­tet.

Rheinische Post Hilden - - Fakten & Hintergrun­d - VON ALEX­AN­DER RIE­DEL

HIL­DEN/HA­AN Plas­tik ist der­zeit in al­le Mun­de. Wäh­rend der Kunst­stoff einst als mo­dern, halt­bar und sau­ber ge­schätzt wur­de, prä­gen heu­te Fotos von Müll­ber­gen an Mee­res­ufern und Be­rich­te über Par­ti­kel in der Nah­rung sein Image. Doch auch wenn sein Ruf schwer ge­lit­ten hat – we­ni­ger ist des­we­gen nicht im Um­lauf. „Die Ab­fall­ver­mei­dung hat nicht funk­tio­niert“, kon­sta­tiert auch der Hil­de­ner Ab­fall­be­ra­ter Frank Berndt, und nennt da­für un­ter an­de­rem Grün­de wie Be­quem­lich­keit und die er­heb­li­che Nei­gung von Ver­brau­chern, zum Bei­spiel Ge­trän­ke wei­ter­hin in Ein­weg­fla­schen zu kau­fen. 2000 Ton­nen an Plas­tik­ver­pa­ckun­gen fal­len pro Jahr in Hil­den an – das sind 35 Ki­lo­gramm pro Ein­woh­ner. Doch wie steht es mit der wei­te­ren Ver­wer­tung der Stof­fe?

1. Sta­ti­on: Gel­ber Sack

In den gel­ben Sack oder die gel­be Ton­ne, zwi­schen de­nen die Ver­brau­cher wäh­len kön­nen, ge­hö­ren laut Ab­fall­ka­len­der Leicht­ver­pa­ckun­gen aus Kunst­stoff, Alu­mi­ni­um, Weiß­blech und Ver­bund­stoff, al­so al­les vom Jo­ghurt­be­cher über die Alu­scha­le bis zur Spül­mit­tel­fla­sche. Im Ge­gen­satz da­zu ha­ben Glas, Pa­pier, Ge­gen­stän­de, die kei­ne Ver­pa­ckun­gen sind wie Spiel­zeug und Elek­tro­ge­rä­te oder gar Rest­müll nichts im gel­ben Sack zu su­chen.

2. Sta­ti­on: Trans­por­ter

Das Un­ter­neh­men Awis­ta holt die Leich­stoff­ver­pa­ckun­gen ab. Das pas­siert in Hil­den und Ha­an al­le zwei Wo­chen. Auf­trag­ge­ber für die Ent­sor­gung ist im Kreis Mett­mann die „Dua­les Sys­tem Deutsch­land Gm­bH“(DSD). Zu­nächst lan­den die Ver­pa­ckungs­ab­fäl­le auf dem Um­schlag­platz der Fir­ma Re­mon­dis in Lan­gen­feld – um schließ­lich wei­ter trans­por­tiert zu wer­den.

3. Sta­ti­on: Sor­tier­an­la­ge

Der An­teil der DSD geht von dort in die Sor­tier­an­la­ge der Fir­ma Re­mon­dis in Erft­stadt. „Die An­la­gen kön­nen fast al­les voll­au­to­ma­tisch tren­nen“, er­klärt Frank Berndt. Zum Ein­satz kommt da­zu ei­ne In­fra­rot-Tech­nik. Doch wäh­rend zum Bei­spiel Glas voll­stän­dig wie­der­ver­wer­tet wird, bleibt ein gro­ßer Teil des Kunst­stoffs ge­wis­ser­ma­ßen auf der Stre­cke: 36 Pro­zent der beim pri­va­ten Ver­brau­cher an­fal­len­den Kunst­stoff­ver­pa­ckun­gen wur­den laut Um­welt­bun­des­amt vor dem Jahr 2019 werk­stoff­lich ver­wer­tet – al­so re­cy­celt. Das in die­sem Jahr in Kraft ge­tre­te­ne Ver­pa­ckungs­ge­setz sieht ei­ne Er­hö­hung der Quo­te auf 58,5 Pro­zent vor. Der Bund für Um­welt und Na­tur­schutz (BUND) wie­der­um hat die of­fi­zi­el­len An­ga­ben in der Ver­gan­gen­heit mehr­fach in Fra­ge ge­stellt.

4. Re­cy­cling oder Ver­bren­nung

Was auf­grund sei­ner Zu­sam­men­set­zung nicht mehr wie­der­ver­wert­bar ist, wird „en­er­ge­tisch ver­wer­tet“– lan­det al­so in der Müll­ver­bren­nungs­an­la­ge – und kann so im­mer­hin

wie­der in die Strom­er­zeu­gung flie­ßen. „Plas­tik hat ei­nen ho­hen Heiz­wert“, be­tont Frank Berndt. Das sor­ten­rei­ne Ma­te­ri­al, das zum Re­cy­cling ge­eig­net ist, geht wie­der­um ei­ner neu­en Be­stim­mung ent­ge­gen – al­ler­dings nicht mehr als Le­bens­mit­tel­ver­pa­ckung. Das ver­bie­te der Ge­setz­ge­ber, heißt es von DSD. So wer­den aus re­cy­cel­tem Kunst­stoff zum Bei­spiel Pa­let­ten, Plas­tik­pol­ler oder -bän­ke. Grund­sätz­lich lie­ßen sich Kunst­stof­fe be­lie­big oft ein­schmel­zen oder zu neu­en Pro­duk­ten und Ver­pa­ckun­gen for­men, be­tont DSD. Von ei­nem ge­schlos­se­nen Kreis­lauf kön­ne man aber nicht spre­chen. Denn im­mer wie­der kom­me neu­es Ma­te­ri­al hin­zu und al­tes wer­de aus­sor­tiert. Auch zum viel dis­ku­tier­ten The­ma „Pas­tik-Ex­port nach Asi­en“nimmt DSD Stel­lung: 93 Pro­zent der vom Grü­nen Punkt ver­mark­te­ten Alt­kunst­stof­fe blie­ben in Deutsch­land, be­tont das Un­ter­neh­men, der Rest wer­de größ­ten­teils in­ner­halb Eu­ro­pas ver­wer­tet.

FOTO: CHRIS­TOPH GÖTTERT

Frank Berndt, hier auf dem Bau­hof auf dem Sand, küm­mert sich bei der Stadt Hil­den um die Ab­fall­be­ra­tung.

FOTO: MAR­TIN SCHUTT/DPA

In Sor­tier­an­la­gen wird der Plas­tik­müll ge­sam­melt.

FOTO: SCHUTT/DPA

Der Plas­tik­müll wird vor der Wei­ter­ver­ar­bei­tung sor­tiert.

Aus dem re­cy­cel­ten Kunst­stoff wer­den bei­spiels­wei­se Pol­ler ge­fer­tigt.

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