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Zeu­gen, die Wi­der­sprüch­li­ches be­rich­ten. Schau­lus­ti­ge, die Vi­de­os und Theo­ri­en ver­brei­ten. Me­di­en, die die Stim­mung an­hei­zen. Im „Tat­ort“geht es um ei­ne Amok­la­ge – be­klem­mend.

Rheinische Post Hilden - - Medien - VON MAR­TI­NA STÖCKER

MÜNCHEN Am An­fang ist al­les schwarz. Man hört nur Schreie pa­ni­scher Men­schen und ei­nen No­t­ruf bei der Po­li­zei. Dann sieht man, was pas­siert ist: Ein Kon­trol­leur wur­de in ei­nem Bus vol­ler Pas­sa­gie­re er­sWchos­sen, die Lei­che liegt im Gang. Schnell ist die Po­li­zei mit Spe­zi­al­kräf­ten vor Ort. Die Zeu­gen wer­den be­fragt, und de­ren Be­schrei­bun­gen vom ge­flo­he­nen Tä­ter un­ter­schei­den sich so­wohl im Al­ter als auch bei der Be­klei­dung. Und auf die Fra­ge, ob es meh­re­re Tä­ter ge­we­sen sei­en, gibt es auch kei­ne ein­deu­ti­ge Ant­wort.

Das ist die Aus­gangs­si­tua­ti­on im neu­en Münch­ner „Tat­ort“-Fall „Un­kla­re La­ge“. Der Film zeigt qua­si in Echt­zeit, wie die Po­li­zei ver­sucht, ei­ner Amok­la­ge Herr zu wer­den. Der Tä­ter wird zu­nächst in ei­nem leer­ste­hen­den Ge­bäu­de ge­sich­tet und beim Zu­griff durch die Po­li­zei ge­tö­tet. Doch er hat­te ein Funk­ge­rät bei sich, und die Kom­mis­sa­re Ba­tic (Mi­ros­lav Ne­mec) und Leit­mayr (Udo Wacht­veitl) rät­seln, wo­für er das brauch­te. Hat­te er ei­nen Kom­pli­zen, oder woll­te er nur den Po­li­zei­funk ab­hö­ren? Al­les deu­tet auf ei­nen Kom­pli­zen hin, ein Amok­lauf an ei­ner Schu­le kann nicht aus­ge­schlos­sen wer­den. Spä­ter steht ein An­schlag mit ei­ner Na­gel­bom­be zu bwe­fürch­ten – und das al­les in ei­ner Mil­lio­nen-Me­tro­po­le. Men­schen ver­fal­len in Pa­nik, Stra­ßen sind wie leer­ge­fegt. „Ich will hier kein zwei­tes OEZ“, sagt der Ein­satz­lei­ter in der Kom­man­do­zen­tra­le.

OEZ steht für Olym­pia-Ein­kaufs­zen­trum, wo ein Te­enager vor fast vier Jah­ren neun Men­schen er­schoss. Re­gis­seu­rin Pia Striet­mann ori­en­tiert sich an der da­ma­li­gen Stim­mung, die sich in Mün­chens Ge­dächt­nis ein­ge­brannt hat. Die „Tat­ort“-De­bü­tan­tin stellt dar, vor wel­chen Pro­ble­men die Po­li­zei steht, wenn sie mit Zeu­gen­aus­sa­gen über­schwemmt wird und je­der mit Ka­pu­zen­pull­over und schwar­zem Ruck­sack ver­däch­tig wirkt. Striet­mann zeigt aber auch, was solch ei­ne Amok­la­ge mit Men­schen macht: Im Po­si­ti­ven tei­len sie sich mit und sa­gen ih­ren Lie­ben, dass sie in Si­cher­heit sind. Im Ne­ga­ti­ven ste­hen sie auf Bal­ko­nen und hin­ter Ab­sperr­bän­dern und fil­men die Po­li­zei – und igno­rie­ren da­bei auch, dass sie sich in Ge­fahr be­ge­ben.

Die Stär­ke die­ses Films, der den Zu­schau­er die meis­te Zeit mit sich zieht und dem am En­de nur ein we­nig die Pus­te aus­geht, liegt da­rin, dass Striet­mann den Tä­ter nicht aus­blen­det. Ei­ne der rüh­rends­ten Sze­nen ist die, in der ei­ne Mut­ter er­kennt, dass es ihr Sohn ist, den die Po­li­zei er­schos­sen hat und des­sen Iden­ti­tät sie klä­ren will, um mehr über die Hin­ter­grün­de zu er­fah­ren. Sie steht un­ter Schock, weil ihr Kind tot ist und ein Amok­läu­fer ge­we­sen sein soll – ih­re Welt bricht zu­sam­men. Und dann ste­hen Ba­tic und Leit­mayr vor ihr, drän­gen nach In­for­ma­tio­nen, weil sie un­ter dem gro­ßen Druck ste­hen, wei­te­re To­te und Ver­letz­te zu ver­hin­dern.

Es ist ein ra­san­ter, be­klem­men­der „Tat­ort“, weil sich je­der an sei­ne ei­ge­nen Ge­füh­le er­in­nert, die er im Ju­li 2016 an­ge­sichts der Nach­rich­ten und Bil­der aus München emp­fun­den hat. Und er gibt Ein­bli­cke in die Ar­beit der Po­li­zei und weckt Ver­ständ­nis für die Be­am­ten, die sich mit über Twit­ter ver­brei­te­ten Schein-Wahr­hei­ten kon­fron­tiert se­hen und doch erst selbst das we­nig Rich­ti­ge vom vie­len Fal­schen tren­nen müs­sen. Dass die­ser Kri­mi mit­un­ter auch wie ei­ne Leis­tungs­schau der baye­ri­schen Po­li­zei an­mu­tet, ist da­her gut zu ver­schmer­zen.

„Tat­ort: Un­kla­re La­ge“, Das Ers­te, So.,20.15Uhr

FOTO: KEL­LER/BR/DPA

Spie­len in die­sem Fall nur ei­ne Ne­ben­rol­le: Ivo Ba­tic (Mi­ros­lav Ne­mec, M.) und Franz Leit­mayr (Udo Wacht­veitl, r.) war­ten an­ge­spannt den Ein­satz ei­nes Spe­zi­al­ein­satz­kom­man­dos ab.

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