Zverevs neue Lo­cker­heit

Pro­ble­me au­ßer­halb des Plat­zes be­las­te­ten den Ten­nis-Star 2019. Jetzt sei er glück­lich, sagt er bei den Aus­tra­li­an Open – auch dank ei­ner Frau.

Rheinische Post Hilden - - Sport - VON KRIS­TI­NA PUCK

MELBOURNE (dpa) Auch bei sei­ner neu­en Freun­din hat Alex­an­der Zverev in Sa­chen Ten­nis in kur­zer Zeit viel zum Po­si­ti­ven ver­än­dert. Als sie sich ken­nen­lern­ten, ha­be Bren­da Pa­tea kei­ne Ah­nung ge­habt, dass er ein Welt­klas­se-Spie­ler mit Po­ten­zi­al für Grand-Slam-Er­fol­ge sei. Nicht mal, dass er ein Ten­nis­pro­fi ist, ha­be sie ge­wusst. Nun ha­be auch sie „hof­fent­lich“so­gar schnell ver­stan­den, was ein Tweener sei, sag­te Zverev ver­schmitzt über den Kunst­schlag durch die Bei­ne und lä­chel­te. Wie gut ihm sei­ne neue Lie­be tut, dar­aus macht Zverev in Melbourne bei den Aus­tra­li­an Open kein Ge­heim­nis. „Ich bin ge­ne­rell glück­lich au­ßer­halb des Plat­zes, glück­lich auf dem Platz, glück­lich im Le­ben. Dann den­ke ich, spielt man am bes­ten“, sag­te der Welt­rang­lis­ten-Sieb­te.

Of­fen, freund­lich, ge­löst wie sel­ten: So gibt sich der Ham­bur­ger vor dem Du­ell mit sei­nem rus­si­schen Kum­pel And­rej Ru­bljow beim ers­ten der vier Grand-Slam-Tur­nie­re, bei de­nen die Mög­lich­keit für Ruhm und Eh­re, aber eben auch der Druck am größ­ten ist. Auch das Mo­del Bren­da Pa­tea, einst Teil­neh­me­rin an Hei­di Kl­ums TV-Show „Ger­ma­ny‘s Next Top­mo­del“, trägt zu ei­ner er­fri­schen­den Har­mo­nie in Zverevs Um­feld bei, die ihn durch die ers­ten drei Run­den ge­tra­gen hat. „Ich ha­be ein ziem­lich ru­hi­ges Le­ben ge­ra­de, was schön für mich ist“, sag­te der 22-Jäh­ri­ge nach dem 6:2, 6:2, 6:4 ge­gen den frü­he­ren spa­ni­schen Melbourne-Halb­fi­na­lis­ten und Top­Ten-Spie­ler Fer­nan­do Ver­das­co.

Das war vor Kur­zem noch ganz an­ders, als reich­lich Zwist sein Le­ben präg­te. Ziem­lich schnell war Zverev in sei­nen ers­ten Jah­ren auf der Tour in die Welt­spit­ze und zwi­schen­zeit­lich zur Num­mer drei hin­ter Ra­fa­el Na­dal und Ro­ger Fe­de­rer auf­ge­stie­gen. In ei­ner kom­pli­zier­ten Sai­son 2019 er­leb­te der Nord­deut­sche dann auch Sta­gna­ti­on und Rück­schritt. Be­las­tet vom Streit mit sei­nem frü­he­ren Ma­na­ger Patri­cio Apey gip­fel­ten sei­ne Sor­gen in sei­nem Erst­run­den-Aus von Wim­ble­don. Auch die Zu­sam­men­ar­beit mit Ivan Lendl ging in die Brü­che, weil der Star-Trai­ner und Va­ter Alex­an­der Zverev se­ni­or nicht har­mo­nier­ten.

Sein Um­feld hat Zverev in­zwi­schen neu ge­ord­net. Der Wech­sel zu Ro­ger Fe­de­rer und der von des­sen Ma­na­ger To­ny God­sick ge­grün­de­ten Agen­tur Team8 bringt zwar auch Ver­pflich­tun­gen mit sich. Sie er­leich­tert aber auch vie­les. Zu­dem brin­ge ihn sei­ne Freun­din viel zum

La­chen, er­zähl­te Zverev lo­cker. Nach dem Ken­nen­ler­nen im Herbst in Paris ha­be er sie zu ei­nem Match ein­ge­la­den, er­zähl­te Zverev bei Eu­ro­sport: „Da dach­te sie, ich bin ir­gend so ein Club­spie­ler oder so was.“

In­zwi­schen sitzt das Mo­del mit in sei­ner Box, wie der Va­ter, Kum­pel Mar­ce­lo Me­lo, Phy­sio­the­ra­peut Hu­go Gra­vil, Fit­ness­trai­ner Jez Gre­en und Trai­nings­part­ner Ser­gej Bub­ka ju­ni­or. „Mein Va­ter ist der Ru­hi­ge. Er ist manch­mal al­lein im Zim­mer. Al­le an­de­ren im Team ver­ste­hen sich un­glaub­lich“, sag­te Zverev. Das half auch, die völ­lig miss­ra­te­nen Auf­trit­te beim ATP Cup in Bris­bane ab­zu­ha­ken, als er er­neut mit ei­nem zer­trüm­mer­ten Schlä­ger so­wie dem Me­ckern mit sei­nem Va­ter auf­fiel.

Selbst Bo­ris Be­cker mach­te sich Sor­gen. „Ich glau­be, so­lan­ge der Va­ter ei­ne so do­mi­nan­te Rol­le auf dem Trai­nings­platz spielt, wird es letzt­end­lich im­mer nach sei­nem Kopf ge­hen“, sag­te der Her­ren-Chef im deut­schen Ten­nis der „Frank­fur­ter All­ge­mei­nen Zei­tung“. Vi­el­leicht war es auch ein Vor­teil, dass die Er­war­tun­gen an ihn vor dem Tur­nier ge­ring wa­ren – eben­so wie an Ker­ber, die sich ins Ach­tel­fi­na­le ge­gen die Rus­sin Ana­st­a­sia Pawl­jut­schen­ko­wa spiel­te.

An­ders als Zverev hat­te sich die 32-Jäh­ri­ge für ei­nen neu­en Trai­ner ent­schie­den, da­mit al­les bes­ser wird als in der ver­gan­ge­nen Frust-Sai­son. Die­ter Kindl­mann, ein 37 Jah­re al­ter Bay­er, weiß aus ge­mein­sa­men Zei­ten mit der eins­ti­gen rus­si­schen Welt­rang­lis­ten-Ers­ten Ma­ria Scha­ra­powa und der ehe­ma­li­gen US-Open-Fi­na­lis­tin Ma­di­son Keys, wie man Da­men trai­niert. Für Ker­ber ist Melbourne auch des­we­gen ein Ort, an den sie stets gern zu­rück­kehrt, weil sie hier vor vier Jah­ren ih­ren ers­ten von drei Grand-SlamTi­teln ge­wann.

In­fo An­ge­li­que Ker­ber und Alex­an­der Zverev be­strei­ten ih­re Ach­tel­fi­nal­spie­le am Mon­tag­mor­gen deut­scher Zeit. Ker­ber tritt nach ih­rem Drei­satz­sieg ge­gen die Ita­lie­ne­rin Ca­mi­la Gior­gi (6:2,

6:7 (4:7), 6:3) ge­gen Pawl­jut­schen­ko­wa nicht vor 7 Uhr an, Zverev spielt nicht vor 8.30 Uhr ge­gen Ru­bljow.

FO­TO: FRANK MOL­TER/DPA

Neu­es Ge­sicht in der Box von Alex­an­der Zverev: Freun­din Bren­da Pa­tea schaut beim Dritt­run­den­spiel in Melbourne zu.

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