Lus­tig und ge­dan­ken­schwer – Sla­voj Žižek im FFT

Rheinische Post Hilden - - Düsseldorf­er Kultur - VON CLE­MENS HENLE

Ech­te Star-Phil­so­phen gibt es im 21. Jahr­hun­dert nicht mehr vie­le. Sla­voj Žižek ist ei­ner von ih­nen. Wie kein an­de­rer ver­steht er es, Pop und Wis­sen­schaft, erns­te phi­lo­so­phi­sche Fra­gen und dre­cki­ge Wit­ze, Kom­mu­nis­mus und La­can zu vereinen. Da­von konn­ten sich die Zu­schau­er im FFT über­zeu­gen. Zu­erst wur­de dort Žižeks „An­ti­go­ne“-Ad­ap­ti­on auf­ge­führt. An­schlie­ßend sprach Re­gis­seur Fe­lix Ens­s­lin mit Žižek.

Be­reits das gut zwei­ein­halb St­un­den lan­ge Stück hat­te es in sich. Das wun­der­bar spiel­freu­di­ge En­sem­ble des Ago­ra-Thea­ters brach­te „Die drei Le­ben der An­ti­go­ne“mit viel Elan, tol­len mu­si­ka­li­schen Ein­schü­ben und ein­drucks­vol­len Tanz­se­quen­zen auf die Büh­ne. Ganz vor­ne im Pu­bli­kum saß Sla­voj Žižek, zap­pel­te im­mer wie­der be­geis­tert auf sei­nem Stuhl her­um und ap­plau­dier­te am Schluss en­thu­si­as­tisch mit.

Zur Ge­sprächs­run­de wur­den zu­sätz­li­che Stuhl­rei­hen auf die Büh­ne ge­stellt, da­mit mehr Men­schen dem Slo­we­nen zu­hö­ren konn­ten. Als Agent Pro­vo­ca­teur ha­ben die Ge­sprä­che mit ihm ho­hen Un­ter­hal­tungs­wert. Da­von zeu­gen die mil­lio­nen­fach an­ge­klick­ten Vi­de­os auf Youtube. Auch an die­sem Abend ist das so. Mit ei­nem Witz er­klärt Žižek bei­spiels­wei­se den Be­griff der be­stimm­ten Ne­ga­ti­on. „Der be­rühm­te Hol­ly­wood-Re­gis­seur Ernst Lu­bitsch sitzt in der Kan­ti­ne ei­nes Stu­di­os. Beim Kell­ner be­stellt er ei­nen Kaf­fee, aber oh­ne Sah­ne. Der Kel­lern ant­wor­tet, er ha­be nur

Milch. Da­her kön­ne er ger­ne ei­nen Kaf­fee oh­ne Milch ha­ben“, er­zählt der 70-Jäh­ri­ge. Da­nach schwenkt der selbst er­nann­te Kom­mu­nist in­ner­halb we­ni­ger Sät­ze zu Do­nald Trump über und streift da­zwi­schen noch den Eth­no­lo­gen Clau­de Lé­viS­trauss und den Psy­cho­ana­ly­ti­ker Jac­ques La­can. „I am nur halb ge­bil­det“, ko­ket­tiert er zwi­schen­durch.

Da­bei schafft es Žižek, nie ins Schwa­feln ab­zu­drif­ten. Sei­ne Ge­dan­ken ha­ben Ge­wicht. Er ist in­for­miert und lus­tig. Ei­ne Mi­schung, mit der man vie­le jun­ge Men­schen zu ei­nem phi­lo­so­phi­schen Ge­spräch zieht.

Als un­an­ge­pass­ter Den­ker hin­ter­fragt er auch den in­tel­lek­tu­el­len Main­stream. So ab­scheu­lich Do­nald Trump zum Bei­spiel sei, so sehr müs­se man sich doch fra­gen, war­um Men­schen ihn wähl­ten, oh­ne sie da­für di­rekt zu ver­ur­tei­len. Sol­ches Denk­fut­ter gibt der Pro­fes­sor sei­nen ge­bann­ten Stu­den­ten an die­sem Abend mit auf den Weg.

FO­TO: HANS-JÜR­GEN BAU­ER

Phi­lo­soph Sla­voj Žižek im Fo­rum Frei­es Theater (FFT).

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