Hap­py End mit Ra­ta­touille

Amü­sant: Im Thea­ter an der Kö fei­ert Eric As­sous’ Stück „Die Neue“Pre­mie­re.

Rheinische Post Hilden - - Düsseldorf­er Kultur - VON RE­GI­NA GOLDLÜCKE

Wie ein auf­ge­scheuch­tes Huhn flat­tert Yvon­ne durch die Woh­nung. „Machst du ei­nen Rück­zie­her?“, er­kun­digt sich Rot­ger vor­sich­tig. Das wohl nicht. Aber dass ihr ei­ne Be­geg­nung mäch­tig be­vor­steht, ist son­nen­klar. Ann-Cath­rin Sud­hoff und Pe­ter Bon­gartz spie­len in der fran­zö­si­schen Ko­mö­die „Die Neue“von Eric As­sous ein Paar, das sich von Her­zen liebt. Sie ist Ärz­tin, ge­schie­den und hat zwei Töch­ter, er ist deut­lich äl­ter und ver­wit­wet. Was ihr ge­ra­de Sor­gen macht, ist die ers­te Kon­fron­ta­ti­on mit sei­nen bei­den Söh­nen. Völ­lig zu Recht, wie sich schnell her­aus­stellt. Finn (Mak­ke Schneider) hat ei­nen Hang zu selt­sa­men Spä­ßen, die sei­ne auf Har­mo­nie be­dach­te schwan­ge­re Frau Fan­ny (Ina Weiß) ab­zu­fe­dern ver­sucht. Und der ver­krach­te Künst­ler Axel (Oli­ver Du­pont) motzt her­um, wo er nur kann.

Bei der Pre­mie­re im Thea­ter an der Kö weiß man an­fangs nicht so recht, wo das Stück ei­gent­lich hin will. Wäh­rend der Fa­mi­li­en-Zu­sam­men­füh­rung kommt die Un­ter­hal­tung nur schlep­pend in Gang, und auch die Dia­lo­ge sind nicht ganz so sprit­zig. Es liegt ei­ne un­leid­li­che Span­nung in der Luft, oh­ne dass sie sich ent­lädt. Als Rot­ger dann die Bom­be plat­zen lässt, sei­ne bal­di­ge Hoch­zeit und neue Va­ter­schaft an­kün­digt, brau­sen die Söh­ne auf. Yvon­ne re­agiert nicht min­der ver­letzt und kün­digt zor­nig an, man wer­de sich künf­tig aus dem Weg ge­hen.

Nach der Pau­se hat sich das Ge­fü­ge ver­än­dert. Zwei Ba­bys wur­den ge­bo­ren, und auch sonst ist al­ler­lei pas­siert. Was ge­nau, er­fährt der Zu­schau­er im fu­ri­os in­sze­nier­ten zwei­ten Teil. Da geht es Schlag auf Schlag, ei­ne Über­ra­schung jagt die nächs­te, und die Schau­spie­ler schau­keln sich zum all­ge­mei­nen Ver­gnü­gen ge­gen­sei­tig hoch. Ann-Cath­rin Sud­hoff ver­mag sich wun­der­bar in ih­re Ver­bit­te­rung hin­ein­zu­stür­zen. Mit dem sou­ve­rä­nen Pe­ter Bon­gartz ist die Rol­le des Pa­tri­ar­chen per­fekt be­setzt.

Zwar sti­chelt Stück-Au­tor Eric As­sous nicht ganz so bis­sig und scharf­zün­gig wie et­wa Yas­mi­na Re­za. Doch die Re­gie von Re­né Hei­ners­dorff plus­tert das Stück mit ei­ge­nen Ide­en ge­schickt auf. Was aber folgt auf Vor­wür­fe, Wu­t­aus­brü­che, Zwis­tig­kei­ten? Nun, wir ha­ben es mit ei­ner fran­zö­si­schen Ko­mö­die zu tun. Da setzt man sich eben ir­gend­wann an den ge­deck­ten Tisch. Die kniff­li­ge Fra­ge: „Wer ist jetzt ei­gent­lich mit wem und wie ver­wandt?“las­sen wir bei­sei­te und schmau­sen erst ein­mal. Wä­re doch ge­lacht, wenn die Ra­ta­touille nicht zum Ver­söh­nungs­mahl tau­gen wür­de. Das gut ge­würz­te Hap­py End schmeck­te dann auch dem amü­sier­ten Pu­bli­kum.

In­fo „Die Neue“wird bis zum 15. März im „Thea­ter an der Kö“auf­ge­führt. Kar­ten un­ter 0211 274000 und im In­ter­net: www.west­ti­cket.de

FO­TO: D. HÄNTZSCHEL

Ann-Cath­rin Sud­hoff und Pe­ter Bon­gartz in „Die Neue“.

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