Die Bank und der Ban­ken-Zer­schla­ger

Sig­mar Ga­b­ri­el wird Auf­sichts­rat der Deut­schen Bank. Wie auch Sie­mens weiß sie of­fen­bar nicht, was ein Kon­trol­leur leis­ten soll und was nicht.

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Sig­mar Ga­b­ri­el hat recht: Die Auf­re­gung um sei­nen Ein­zug in den Auf­sichts­rat der Deut­schen Bank ist ver­lo­gen. Wer will, dass gu­te Leu­te in die oft schlecht be­zahl­te Po­li­tik ge­hen, darf sie nicht mit ei­nem an­schlie­ßen­den Be­rufs­ver­bot be­le­gen. Wech­sel tun der De­mo­kra­tie gut, und teu­ren Vor­ru­he­stand für Ex-Po­li­ti­ker will auch kei­ner. Wech­sel in die Wirtschaft müs­sen mög­lich sein, zu­mal die Bun­des­re­gie­rung hier­für kla­re Re­geln ge­schaf­fen hat.

Den­noch wirft das Gan­ze ein schlech­tes Licht auf bei­de Sei­ten. Als SPD-Chef war Ga­b­ri­el 2013 mit ra­di­ka­len Plä­nen in den Wahl­kampf ge­zo­gen: „Ban­ken er­pres­sen Staa­ten“, „Ban­ken zah­len un­an­stän­di­ge Ge­häl­ter“, „Ban­ken zo­cken ih­re Kun­den ab“lau­te­ten sei­ne The­sen. Sie gip­fel­ten in der For­de­rung, Uni­ver­sal­ban­ken zu zer­schla­gen, da­mit der gu­te Teil (Pri­vat­kun­den) nie für den ver­meint­lich bö­sen (In­vest­ment­ban­king) ein­ste­hen muss. Ga­b­ri­els Plä­ne wa­ren zwar un­lo­gisch, denn die größ­ten Plei­tiers der Fi­nanz­kri­se (Leh­man und HRE) wa­ren gar kei­ne Uni­ver­sal­ban­ken, aber sie ziel­ten auf die Deut­sche Bank. Will Ga­b­ri­el für sei­ne Plä­ne

nun im Auf­sichts­rat trom­meln? Und wie schlecht muss es um die Bank ste­hen, wenn sie sich ei­nen Zer­schla­ger an Bord holt? Geht es um Ga­b­ri­els Adress­buch oder sucht sie schon mal die Nä­he der Po­li­tik, falls auch sie ge­ret­tet wer­den muss?

Ein Auf­sichts­rat muss laut den Cor­po­ra­te-Go­ver­nan­ce-Spiel­re­geln fach­lich als Kon­trol­leur ge­eig­net und loy­al ge­gen­über der Fir­ma sein. Min­des­tens letz­te­res ist bei Ga­b­ri­el frag­lich. Es ist kein Trost, dass die Deut­sche Bank beim Man­dats-Miss­brauch nicht al­lein ist. Der Ver­such von Sie­mens-Chef Joe Ka­e­ser, die Um­welt­ak­ti­vis­tin Lui­sa Neu­bau­er durch ein Jo­b­an­ge­bot zu kau­fen, war eben­so frag­wür­dig. Kurz­um: Auf­sichts­rä­te sind nicht die Chef­lob­by­is­ten ei­nes Un­ter­neh­mens. Sie sol­len es kon­trol­lie­ren und zwar gründ­lich.

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