Das Du­ell der Wun­der­kna­ben

Marco Ro­se kommt mit Mön­chen­glad­bach in sei­ne Hei­mat­stadt, um RB Leip­zig zu be­sie­gen. Es ist auch ein Ver­gleich mit Ju­li­an Na­gels­mann.

Rheinische Post Hilden - - Sport - VON KARS­TEN KELLERMANN

MÖN­CHEN­GLAD­BACH Die Flug­zei­ten von Düsseldorf nach Leip­zig kennt Marco Ro­se ganz ge­nau. Er pen­delt oft hin und her zwi­schen bei­den Städ­ten, von ganz im Wes­ten ganz nach Os­ten und zu­rück. Im Rhein­land ar­bei­tet er seit Ju­li als Trai­ner von Bo­rus­sia Mön­chen­glad­bach, doch Leip­zig ist sei­ne Hei­mat, dort le­ben sei­ne Part­ne­rin Ni­ko­la Pietzsch und Toch­ter Ma­ria. Ro­se weiß da­her ge­nau, was so los ist in der säch­si­schen Me­tro­po­le, er hat auch ei­ni­ge Tou­ris­mus­tipps pa­rat für je­ne, die dort­hin rei­sen. Der Zoo sei se­hens­wert, zu­dem ge­be es vie­le net­te Stra­ßen­ca­fés. Und mehr.

Ro­ses Heim­rei­se an die­sem Wo­che­n­en­de ist an­ders als die an­de­ren zu­vor. Er kommt die­ses Mal dienst­lich zu­rück, und zwar mit dem An­sin­nen, das Leip­zi­ger Fuß­ball­pro­jekt na­mens Ra­sen­ball­sport zu be­sie­gen. Die Leip­zi­ger sind Ta­bel­len­füh­rer der Bun­des­li­ga, Ro­ses Team liegt zwei Punk­te da­hin­ter als Drit­ter. Es ist das Top­spiel, bes­ser hät­te sich kein Dreh­buch­au­tor die Ge­schich­te aus­den­ken kön­nen. Ro­se hat sich ge­küm­mert, um die Ti­cket­wün­sche aus dem Be­kann­ten­kreis zu er­fül­len, vor al­lem aber dar­um, sein Team op­ti­mal vor­zu­be­rei­ten für das Tref­fen mit dem Pri­mus.

Ro­se, der für Ro­ta­ti­on, Lo­ko­mo­ti­ve und den VfB Leip­zig spiel­te und bei Lo­ko­mo­ti­ve sei­ne Trai­ner­kar­rie­re be­gann, wä­re, nimmt man al­les zu­sam­men, ei­gent­lich der lo­gi­sche Trai­ner für RB. Nach der Zeit bei Lok wech­sel­te er so­zu­sa­gen in den Kon­zern, wur­de Ju­gend­trai­ner bei RB Salz­burg, ge­wann mit der U19 die Youth Le­ague, wur­de mit dem Pro­fi­team dann zwei­mal Meis­ter in Ös­ter­reich und ein­mal Po­kal­sie­ger. Ro­se sei der „Ge­hyp­tes­te von Al­len“, be­fand Li­ver­pools Star-Trai­ner Jür­gen Klopp 2019. Doch Ju­li­an Na­gels­mann wech­sel­te im Som­mer von 1899 Hof­fen­heim zu RB, Ro­se heu­er­te der­weil bei den Bo­rus­sen an. „Ich füh­le mich viel mehr als der ab­so­lut lo­gi­sche Glad­bach-Trai­ner“, sag­te Ro­se dann auch.

So sah es auch Bo­rus­si­as Sport­di­rek­tor Max Eberl und hol­te Ro­se dar­um nach Glad­bach. Mit dem Auf­trag, mit dem Team den nächs­ten Schritt zu ma­chen. Die­ser ist, künf­tig noch nach­hal­ti­ger im obe­ren Drit­tel der Ta­bel­le da­bei zu sein. Ro­se, 43, gilt als ei­nes der Wun­der­kin­der der jun­gen deut­schen Trai­ner­rie­ge, Na­gels­mann, 32, am Sams­tag sein Kon­tra­hent, eben­falls. Dass es für ihn auch ein Ver­gleich die­ser bei­den Trai­ner ist, da­von will Ro­se nichts wis­sen. „Es ist nicht Na­gels­mann ge­gen Ro­se, son­dern Leip­zig ge­gen Glad­bach“, stell­te er klar.

Und doch wer­den bei­de Trai­ner ge­gen­ein­an­der ge­schnit­ten in der me­dia­len Be­trach­tung, na­tür­lich. Bei­de gel­ten als ex­trem in­no­va­tiv und fle­xi­bel, ih­re Teams spie­len of­fen­siv, mu­tig und am­bi­tio­niert. Doch ist der je­wei­li­ge Auf­trag na­he­zu ent­ge­gen­ge­setzt: Ro­se soll­te den zu­vor ball­ori­en­tier­ten Bo­rus­sen den ag­gres­si­ve­ren Pres­sing-Stil nä­her­brin­gen und das mit ei­ner neu­en Ge­win­ner-Men­ta­li­tät un­ter­le­gen, Na­gels­mann hin­ge­gen mix­te dem

un­be­ding­ten Pres­sing-An­satz der Leip­zi­ger Ball­be­sit­z­ele­men­te hin­zu. RB ist im Um­wand­lungs­pro­zess et­was wei­ter

Ro­se und Na­gels­mann ist ge­mein­sam, dass ih­nen und ih­ren Teams sehr viel zu­ge­traut wird in die­ser Sai­son. Eberl zählt die Sach­sen zu den Ti­tel­kan­dia­ten, Glad­bach, in der Hin­run­de im­mer­hin acht Spiel­ta­ge lang Ta­bel­len­füh­rer, ist für ihn in der Meis­ter­fra­ge, aber auch im Top­spiel Au­ßen­sei­ter. Wes­we­gen Ro­se mit ei­nem Sieg ein mäch­ti­ges Aus­ru­fe­zei­chen set­zen wür­de. Nicht nur, weil es der ers­te der Glad­ba­cher im ach­ten Spiel ge­gen RB wä­re, son­dern auch, weil sei­ne Bo­rus­sen dann wie­der am Geg­ner vor­bei­zie­hen und, so der FC Bay­ern nicht ge­winnt, auf den Spit­zen­platz zu­rück­keh­ren könn­te.

Es gibt reich­lich Fuß­ball­freun­de in der Re­pu­blik, die das sehr freu­en wür­de, ist ih­nen doch das vom ös­ter­rei­chi­schen Ge­trän­ke-Kon­zern in­sze­nier­te Kon­strukt ein Dorn im Au­ge, mehr als das so­gar: der Sa­tan per­sön­lich, darf man sa­gen. Ro­se in­des ist im RB-Uni­ver­sum ge­formt wor­den in Salz­burg. Und soll nun die Bo­rus­sen leh­ren, ein biss­chen so zu spie­len wie die RB-Teams. Wie Na­gels­mann ist er ein Trai­ner, der viel will und viel er­war­tet, si­cher­lich mehr der Typ Dar­ling als der Kol­le­ge, den er nun her­aus­for­dert. Aber er ist nicht we­ni­ger ehr­gei­zig. Und wie Na­gels­mann mag er es über­haupt nicht, Spie­le nicht zu ge­win­nen. Dar­um ist sei­ne An­sa­ge für das Top­spiel auch klar: Er will mit Bo­rus­sia den „Heim­sieg“in Leip­zig schaf­fen.

FOTO: IM­A­GO

An der Sei­ten­li­nie darf ru­hig mal dis­ku­tiert wer­den: Bo­rus­sia Mön­chen­glad­bachs Marco Ro­se (rechts) und Leip­zigs Ju­li­an Na­gels­mann.

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