Schall oh­ne Strah­lung

Die Ul­tra­schall­un­ter­su­chung des Bauch­raums ist ei­ne un­ge­fähr­li­che Me­tho­de, in den Kör­per zu schau­en. Der Arzt braucht aber Er­fah­rung.

Rheinische Post Hilden - - Gut Leben -

Un­ser Le­ser Jür­gen F. (51) aus Rem­scheid fragt: „Man hat bei mir bei ei­ner Ul­tra­schall­un­ter­su­chung Gal­len­stei­ne fest­ge­stellt. Ist das über­haupt zu­ver­läs­sig, oder muss das durch Rönt­gen be­stä­tigt wer­den?“

Die Ul­tra­schall­un­ter­su­chung (So­no­gra­fie) des Bauch­rau­mes ist ein wich­ti­ges Werk­zeug bei der Ab­klä­rung von Be­schwer­den. Sie ist meist schnell ver­füg­bar, re­la­tiv preis­wert und kann auch wie­der­holt wer­den. Im Ge­gen­satz zu Rönt­gen­un­ter­su­chun­gen gibt es kei­ne Be­fürch­tun­gen we­gen ei­ner Strah­len­be­las­tung. Vie­le Ärz­te schät­zen des­halb die So­no­gra­fie als Er­gän­zung der kör­per­li­chen Un­ter­su­chung mit der Mög­lich­keit, „in den Men­schen gu­cken“zu kön­nen.

Mo­der­ne Ul­tra­schall­ge­rä­te lie­fern sehr prä­zi­se Bil­der, kön­nen so­gar den Blut­fluss far­big ab­gren­zen oder ei­ne Bin­de­ge­webs­ver­meh­rung der Le­ber als Vor­stu­fe ei­ner Zir­rho­se über ei­ne Stei­fig­keits­mes­sung er­fas­sen.

Al­ler­dings ist das Er­ler­nen die­ser Un­ter­su­chungs­me­tho­de nicht ganz ein­fach und er­for­dert ei­ne gu­te An­lei­tung und viel Ge­duld. Ins­be­son­de­re wenn Um­stän­de die Mög­lich­kei­ten ein­schrän­ken: Da Ul­tra­schall von Luft re­flek­tiert wird wie Licht von ei­nem Spie­gel, kann ein über­bläh­ter Bauch­raum, wo­mög­lich bei ei­nem stark über­ge­wich­ti­gen Pa­ti­en­ten, die Beur­tei­lung auch ein­mal fast un­mög­lich ma­chen.

Da kann es ein­fa­cher sein, ei­ne Com­pu­ter­to­mo­gra­fie zu ver­an­las­sen, wel­che al­ler­dings mit Strah­len­be­las­tung ver­bun­den

Wal­ter Frasch

und nicht in je­dem Fall prä­zi­ser ist.

Bei­spiels­wei­se stel­len sich nur ver­kalk­te Gal­len­stei­ne im Rönt­gen dar. Die Darstel­lung von St­ei­nen der Gal­len­bla­se, ein Auf­stau der Nie­ren, ei­ne Er­wei­te­rung der Aor­ta (Aneu­rys­ma), Bauch­was­ser (As­zi­tes) oder Flüs­sig­keit im Be­reich des Rip­pen­fells ist meist ein­fach mög­lich. Auch Blut­schwäm­me (Hä­man­gio­me) oder Le­ber­me­ta­sta­sen sind gut zu er­ken­nen. Schwie­ri­ger ist die Un­ter­su­chung der Bauch­spei­chel­drü­se.

Ul­tra­schall wird von Luft re­flek­tiert wie Licht von ei­nem Spie­gel

Al­ler­dings gibt es bis­lang auch kei­ne an­de­re Me­tho­de, wel­che ei­ne Früh­er­ken­nung des ge­fürch­te­ten Bauch­spei­chel­drü­sen­kreb­ses er­mög­licht.

In der gas­tro­en­te­ro­lo­gi­schen Pra­xis wird die Ul­tra­schall­un­ter­su­chung fast im­mer bei aku­ten Bauch­schmer­zen ein­ge­setzt: Man kann die Darm­tä­tig­keit di­rekt be­ob­ach­ten, Hin­wei­se für ei­nen Darm­ver­schluss fin­den, grö­ße­re Tu­mo­re, ent­zün­de­te Darm­ab­schnit­te beim Mor­bus Crohn oder der Co­li­tis ul­ce­ro­sa auf­zei­gen.

Durch di­rek­te Un­ter­su­chung „da wo’s weh­tut“kann der Er­fah­re­ne auch ei­ne Ap­pen­di­zi­tis (um­gangs­sprachich „Blind­darm­ent­zün­dung“ge­nannt) oder die häu­fi­ge Sig­ma­di­ver­ti­ku­li­tis auf der lin­ken Bauch­sei­te dia­gnos­ti­zie­ren und oh­ne Um­we­ge die Be­hand­lung be­gin­nen.

Un­ser Au­tor

Wal­ter Frasch ist nie­der­ge­las­se­ner Gas­tro­en­te­ro­lo­ge in Vier­sen.

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