Fortu­na und die bö­se Er­in­ne­rung

Die Düs­sel­dor­fer fah­ren als kla­rer Fa­vo­rit zum DFB-Po­kal-Ach­tel­fi­nal­spiel nach Kai­sers­lau­tern. Doch Vor­sicht: 2012 war bei ei­nem Dritt­li­gis­ten Schluss.

Rheinische Post Hilden - - Düsseldorf­er Sport - VON BERND JOLITZ

Uwe Rös­ler ist bes­ter Lau­ne. Fortu­nas neu­er Chef­trai­ner hat sich vors Fens­ter ge­setzt, um et­was über die Vor­be­rei­tung auf das Ach­tel­fi­nal­spiel im DFB-Po­kal am Di­ens­tag (18.30 Uhr) beim 1. FC Kai­sers­lau­tern zu er­zäh­len. Doch da bit­tet ihn ein Ka­me­ra­team, sich an­ders­wo zu plat­zie­ren, da er sonst wie ei­ne Licht­ge­stalt wir­ke. Rös­ler kon­tert mit ei­nem ver­schmitz­ten Grin­sen: „Wie­so? Ge­nau so soll es doch auch sein!“

Der 51-Jäh­ri­ge hat durch­aus Grund, po­si­tiv ge­stimmt zu sein. Denn zu­nächst ein­mal freut er sich rie­sig auf sei­ne Rück­kehr zum Bet­zen­berg: „Ich ha­be dort als Spie­ler ei­nes mei­ner schöns­ten Jah­re er­lebt, war un­ter Trai­ner Ot­to Reh­ha­gel 1998/99 in der Cham­pi­ons Le­ague da­bei.“Zum an­de­ren teilt er nicht die bö­se Er­in­ne­rung vie­ler Fortu­na-Freun­de an den bis­lang letz­ten Ach­tel­fi­nal-Auf­tritt bei ei­nem Dritt­li­gis­ten. Am 18. De­zem­ber 2012 war das, in ei­ner Pha­se, als der da­ma­li­ge Bun­des­li­ga-Auf­stei­ger ei­gent­lich Kurs auf den Klas­sen­er­halt zu neh­men schien. Dann aber folg­te das Po­kal-De­sas­ter bei den Of­fen­ba­cher Ki­ckers, und im Nach­hin­ein war die­ses 0:2 der Start­schuss zur Tal­fahrt, die mit dem Ab­stieg en­de­te.

Zwei Spie­ler aus dem ak­tu­el­len Ka­der wa­ren da­mals schon im

Klub und spü­ren den Hauch des Ge­spensts Offenbach noch im Na­cken: Ka­pi­tän Oli­ver Fink und sein Vi­ze Adam Bod­zek, der vor sie­ben Jah­ren al­ler­dings kurz­fris­tig er­krankt aus­fiel und dies­mal die Fahrt in die Pfalz we­gen ei­nes Mus­kel­fa­ser­ris­ses nicht an­tre­ten konn­te. Mit all sei­ner Er­fah­rung und sei­nem gro­ßen Ein­fluss im Team soll­te Fink al­ler­dings zu­zu­trau­en sein, sei­ne Kol­le­gen hin­rei­chend vor den Po­kal­ge­fah­ren zu war­nen.

Doch die Vor­zei­chen sind dies­mal oh­ne­hin an­ders. Wäh­rend Fortu­na da­mals noch vor ih­rem gro­ßen Ab­sturz stand und den Dritt­li­gis­ten im Hö­hen­flug un­ter­schätz­te, steckt sie heu­te tief im Ab­stiegs­kampf und ist fest ge­willt, sich auf dem Bet­zen­berg Selbst­ver­trau­en für die Li­ga zu er­ar­bei­ten. „Was ich im Trai­ning ge­se­hen ha­be, stimmt mich ab­so­lut op­ti­mis­tisch“, lobt Rös­ler. „Ich muss­te die Jungs nach dem un­glück­li­chen En­de des Frankfurt-Spiels gar nicht groß auf­bau­en. Sie sind po­si­tiv, ha­ben Selbst­ver­trau­en, und es ist ja auch ein ganz, ganz wich­ti­ges Spiel für uns. Ich lie­be Po­kal­wett­be­wer­be. aber der zen­tra­le Punkt ist dies­mal, das Mo­men­tum für den Ab­stiegs­kampf zu schaf­fen.“

Bei die­sem Ver­such gibt es in Sa­chen Per­so­na­li­en gu­te und schlech­te Nachrichte­n. So stie­gen Tor­hü­ter Zack Stef­fen und Mit­tel­feld-Zu­gang Va­lon Be­ri­sha, der beim 1:1 ge­gen Frankfurt ein star­kes De­büt ge­fei­ert hat­te, nicht mit in den Bus. „Zack tut es gut, mal ei­ne Wo­che in Ru­he gut zu trai­nie­ren“, er­klärt Rös­ler, „und bei Va­lon hat je­der ge­se­hen, dass er ab­so­lut in den ro­ten Be­reich ge­gan­gen ist. Des­we­gen hat er Mus­kel­pro­ble­me.“Was un­ge­sagt mit­schwingt: Am Sams­tag im Li­ga­spiel beim VfL

Wolfs­burg wird der Ko­so­va­re drin­gend ge­braucht.

Da­für steht Ma­thi­as „Zan­ka“Jör­gen­sen erst­mals im Ka­der. „Re­a­dy to play“, be­reit zu spie­len al­so, sei der dä­ni­sche Na­tio­nal-In­nen­ver­tei­di­ger, den Fortu­na auf Leih­ba­sis von Fe­ner­bah­ce Istan­bul los­eis­te. Ob er vom An­pfiff weg ans Werk darf, lässt Rös­ler eben­so of­fen wie bei Da­wid Kow­na­cki oder Ke­vin Stö­ger, der ge­gen Frankfurt ei­nen Schlag auf den Knö­chel be­kam, am Mon­tag aber voll trai­nier­te. Oder auch bei Je­an Zim­mer, dem Lau­te­rer Ur­ge­stein, das in den Ka­der zu­rück­kehrt und ge­gen den Klub sei­nes Her­zens auf ei­nen Ein­satz brennt. Ein biss­chen Über­ra­schung für den Geg­ner soll es laut Rös­ler eben doch noch ge­ben, ge­ra­de in sei­ner An­fangs­pha­se, in der „mich noch kei­ner kennt“, wie der Chef­coach sagt.

Und da ist es dann gleich wie­der, die­ses an­ste­cken­de Lä­cheln.

FOTO: CHRIS­TOF WOLFF

Ste­fan Rei­sin­ger, da­mals Fortu­na-Stür­mer, kann es nicht fas­sen: Die Of­fen­ba­cher fei­ern ih­re Po­kal-Sen­sa­ti­on ge­gen den Bun­des­li­gis­ten.

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