Hängeparti­e statt Auf­bruch­stim­mung

Von Io­wa aus woll­ten die De­mo­kra­ten die Ab­lö­sung von Do­nald Trump ein­lei­ten. Doch die Vor­wahl ver­lief völ­lig chao­tisch: We­gen tech­ni­scher Pro­ble­me gab es am Di­ens­tag lan­ge kein Er­geb­nis.

Rheinische Post Hilden - - Politik - VON FRANK HERR­MANN

DES MOI­NES ver­such­te. Prompt stem­pel­te der Wahl­kampf­ma­na­ger des Prä­si­den­ten die De­mo­kra­ten zu Ama­teu­ren, die zwar gro­ße Plä­ne ent­wer­fen, aber selbst an den ein­fachs­ten Auf­ga­ben schei­tern. „Sie wol­len re­gie­ren und schaf­fen es nicht mal, ei­nen Cau­cus über die Büh­ne zu brin­gen“, spot­te­te Brad Par­s­ca­le.

Un­ter ei­nem „Cau­cus“ver­steht man je­nes an­ti­quiert an­mu­ten­de Ver­fah­ren, das in Io­wa über die Erst­plat­zier­ten ent­schei­det. Die Ab­stim­mung er­folgt nicht per Stimm­zet­tel in ei­ner Wahl­ka­bi­ne, son­dern da­durch, dass sich ei­ne be­stimm­te Grup­pe zu ei­nem be­stim­men Kan­di­da­ten be­kennt. Zu die­sem Zweck kom­men Wäh­ler in Schul­turn­hal­len, Kir­chen oder Bi­b­lio­the­ken, bis­wei­len auch in Pri­vat­woh­nun­gen zu­sam­men. An­fangs be­grün­den An­hän­ger des je­wei­li­gen Be­wer­bers, war­um sie ih­ren Fa­vo­ri­ten der­einst im Wei­ßen Haus se­hen wol­len.

Nach kur­zer De­bat­te teilt man sich in Grüpp­chen auf, al­ler­dings müs­sen min­des­tens 15 Pro­zent der An­we­sen­den ei­nem Aspi­ran­ten den Zu­schlag ge­ben, wenn der nicht leer aus­ge­hen soll. Wer ei­ner Grup­pe an­ge­hört, de­ren Fa­vo­rit un­ter die­sem Wert bleibt, kann in ei­ner zwei­ten Run­de ins La­ger ei­nes an­de­ren wech­seln. Erst da­nach wird aus­ge­zählt.

Nacht von ei­nem Aus­gang, der zu knapp sei, als dass man be­reits ei­nen Sie­ger kü­ren kön­ne. Was auch nicht stimm­te, denn wie knapp oder klar es war, konn­te die Se­na­to­rin aus Mas­sa­chu­setts zu dem Zeit­punkt kaum be­last­bar wis­sen. Joe Bi­den wie­der­um, der vor Mo­na­ten als Fa­vo­rit an den Start ge­gan­gen war, un­ter sei­nen An­hän­gern aber kei­ne Be­geis­te­rung zu schü­ren ver­steht, ließ Be­den­ken zu Pro­to­koll ge­ben. Wenn von Qua­li­täts­kon­trol­len die Re­de sei, schrieb ei­ner sei­ner An­wäl­te un­ter Be­zug auf oben zi­tier­te Man­dy McClu­re, dann wol­le man ei­ne aus­führ­li­che Er­klä­rung dar­über, „wel­che Me­tho­den Sie da­bei an­wen­den“, be­vor ir­gend­ei­ne Ta­bel­le pu­blik ge­macht wer­de.

Am Di­ens­tag­nach­mit­tag ging San­ders‘ Kam­pa­gne in die Of­fen­si­ve, in­dem sie in­of­fi­zi­ell ei­nen Zwi­schen­stand mel­de­te, den ih­re Hel­fer er­mit­telt hat­ten. Nach Aus­zäh­lung von knapp zwei Drit­teln der Stim­men kam San­ders dem­nach auf 29,4 Pro­zent, ge­folgt von But­ti­gieg (24,8 Pro­zent), War­ren (20,6 Pro­zent), Bi­den (12,9 Pro­zent) und Amy Klo­buchar (11,1 Pro­zent). Ge­gen 17 Uhr Orts­zeit (0 Uhr MEZ), teil­te die Par­tei­zen­tra­le Io­was par­al­lel da­zu mit, wer­de man die „Mehr­zahl“der Re­sul­ta­te ver­öf­fent­li­chen. Was kon­kret da­mit ge­meint war, blieb of­fen.

FOTO: SOMODEVILL­A/AFP

Liegt er vor­ne, liegt er nicht vor­ne? An­hän­ger von Ber­nie San­ders war­ten in der Sport­hal­le ei­ner High School in Io­was Haupt­stadt Des Moi­nes auf Er­geb­nis­se – ver­geb­lich.

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