Düs­sel­dorf Mar­ke­ting ver­tei­digt Stadt-Slo­gan

Rheinische Post Hilden - - Mensch & Stadt - VON HEN­DRIK GAASTERLAN­D

Bür­ger be­zeich­net „Nä­he trifft Frei­heit“im Be­schwer­de­aus­schuss als „hohl­phra­si­ge Image-Wer­bung“.

Seit et­was mehr als zwei Jah­ren wirbt Düs­sel­dorf mit dem Claim „Nä­he trifft Frei­heit“für sich. Für ei­nen Bür­ger ist der Spruch aber nur ei­ne „hohl­phra­si­ge Image-Wer­bung“, wes­halb er dem An­re­gungs­und Be­schwer­de­aus­schuss ei­nen Brief schrieb.

Da­rin steht: „Mit die­sem Slo­gan lockt man nie­man­den in un­se­re ver­kehrs­über­las­te­te Stadt, man treibt Düs­sel­dor­fer eher her­aus.“Zum Bei­spiel nach Ra­tin­gen, wo es Su­per­märk­te und Kauf­häu­ser mit vie­len kos­ten­frei­en Park­plät­zen ge­be, oder we­gen der „groß­zü­gi­gen La­den-Öff­nungs­zei­ten“nach Ven­lo und Ro­er­mond. Der Bür­ger stell­te den An­trag, an­läss­lich der 75. Jah­res­tag-Fei­er zum En­de der Na­zi-Herr­schaft und der Ju­den­ver­fol­gung „als klei­ne Wie­der­gut­ma­chung so­wie als Kon­tra zum neu auf­kom­men­den An­ti­se­mi­tis­mus“

den Claim „Nä­he trifft Frei­heit“in „Mei­ne Stadt: Dei­ne Stadt: Sei­ne Stadt: Hei­ne-Stadt: Düs­sel­dorf“zu än­dern. Er­folgs­aus­sich­ten wird er wohl kei­ne ha­ben, in ei­ner Stel­lung­nah­me wird Düs­sel­dorf Mar­ke­ting am Mitt­woch im Aus­schuss er­klä­ren, war­um „Nä­he trifft Frei­heit“rich­tig ist.

Der fast zwei­jäh­ri­ge kom­mu­na­le Mar­ken­pro­zess, des­sen Er­geb­nis un­ter an­de­rem der Slo­gan war, hät­te ei­nen über­aus par­ti­zi­pa­ti­ven Cha­rak­ter ge­habt und be­inhal­te­te ne­ben vie­len Work­shops und Be­fra­gun­gen auch ei­ne zwei­wö­chi­ge Dia­log­aus­stel­lung im Stadt­mu­se­um. In ei­nem Te­le­fo­nat mit dem Bür­ger, der ei­ne per­sön­li­che Ein­la­dung ab­lehn­te, sei deut­lich ge­wor­den, „dass es ihm in ers­ter Li­nie um ei­ne deut­li­che Ak­ti­on der Stadt ge­gen An­ti­se­mi­tis­mus geht. Die fach­li­che Qua­li­tät des Mar­ken­claims ,Nä­he trifft Frei­heit’ an sich ist da­her nicht der ei­gent­li­che An­lass der Ein­ga­be“. Düs­sel­dorf Mar­ke­ting er­ken­ne und be­für­wor­te das grund­le­gen­de, sich ge­gen den An­ti­se­mi­tis­mus rich­ten­de Mo­tiv des An­trags, kön­ne zur in­halt­lich-his­to­ri­schen Eig­nung von Hein­rich Hei­ne oder zu den exis­tie­ren­den und ge­plan­ten Maß­nah­men der Stadt­ver­wal­tung zum The­ma An­ti­se­mi­tis­mus aber kei­ne Stel­lung neh­men. Dass ei­ne Än­de­rung des Stadt­mar­ken­claims zur er­wünsch­ten kom­mu­ni­ka­ti­ven Wir­kung füh­ren wür­de, wer­de mar­ke­ting­fach­lich stark be­zwei­felt.

Düs­sel­dorf Mar­ke­ting lehnt so­mit ei­ne „leicht­fer­ti­ge Än­de­rung des Claims aus ei­nem ,Bauch­ge­fühl’ her­aus“ab. Ins­be­son­de­re auch, da die Düs­sel­dor­fer Mar­ken­stra­te­gie mit ei­ner brei­ten Bür­ger­be­tei­li­gung er­stellt wur­de. Un­ter an­de­rem fand ei­ne Be­fra­gung mit mehr als 8000 Teil­neh­mern statt.

FOTO: DM

Flo­ri­an Bü­ning, Frank Schra­der und Thor­ben Mei­er (v.l.) stell­ten im De­zem­ber 2017 den Slo­gan für Düs­sel­dorf vor.

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