Schul­di­rek­to­ren schrei­ben Brand­brief

Die lei­ten­den Päd­ago­gen war­nen vor Ein­schnit­ten im Bil­dungs­be­reich, die auf Kos­ten der Kin­der ge­hen.

Rheinische Post Hilden - - Hilden Haan - VON TO­BI­AS DUP­KE

HIL­DEN In ei­nem Brand­brief ha­ben die Di­rek­to­ren der sie­ben städ­ti­schen Grund­schu­len vor den ge­plan­ten Strei­chun­gen im Bil­dungs­be­reich ge­warnt: „Die an­ge­dach­ten Kür­zun­gen be­deu­ten Rück­schrit­te in al­len Be­rei­chen“, schrei­ben sie in dem Do­ku­ment, das un­se­rer Re­dak­ti­on vor­liegt. Dem­nach soll das Bud­get um 25 Pro­zent ge­kürzt wer­den. Al­lein der Etat für die of­fe­ne Ganz­tags­schu­le (OGS) soll um 400.000 Eu­ro sin­ken. Die lei­ten­den Päd­ago­gen be­fürch­ten, dass sie durch die Ein­schnit­te die ho­he Qua­li­tät nicht mehr leis­ten kön­nen und die Chan­cen­gleich­heit für Schü­ler al­ler Schich­ten ein­bü­ßen wer­den. „Wir se­hen den Be­reich Bil­dung als den wich­tigs­ten in un­se­rer Ge­sell­schaft an“, er­klä­ren sie wei­ter. Der Stadt Hil­den feh­len für die kom­men­den bei­den Jah­re 12,2 Mil­lio­nen Eu­ro. Käm­me­rin An­ja Fran­ke hat in ih­rem Haus­halts­plan­ent­wurf nach Mög­lich­kei­ten ge­sucht, das De­fi­zit aus­zu­glei­chen – und über­all den Rot­stift an­ge­setzt.

Be­reits jetzt ge­be es stän­di­ge Kos­ten­ein­spa­run­gen, die zu Über­be­le­gun­gen in der OGS führ­ten, be­kla­gen die Grund­schul­lei­ter wei­ter. Zu­sätz­li­che Kür­zun­gen hät­ten zur Fol­ge, dass In­te­gra­ti­ons­hel­fer, Buf­dis (Bun­des­frei­wil­li­gen­dienst), FS­J­ler (Frei­wil­li­ges so­zia­les Jahr) und Übungs­lei­ter nicht mehr be­zahlt wer­den könn­ten. Da­durch könn­ten die für ei­nen grö­ße­ren Bil­dungs­ho­ri­zont wich­ti­gen AGs nicht mehr be­treut, schwä­che­re Schü­ler nicht mehr be­son­ders ge­för­dert und das Fe­ri­en­pro­gramm mit Aus­flü­gen in die­sem Um­fang nicht mehr an­ge­bo­ten wer­den. Au­ßer­dem fie­len klei­ne Pau­sens­nacks für die OGS-Schü­ler so­wie Fei­ern zum Ad­vent, Kar­ne­val oder St. Mar­tin weg. „Die Grund­schul­lei­tun­gen ha­ben sich ein­stim­mig ge­gen die kos­ten­auf­wän­di­gen Was­ser­spen­der aus­ge­spro­chen“, er­klä­ren die Di­rek­to­ren. Sie setz­ten auf preis­wer­te Was­ser­käs­ten. „Jetzt ist be­ab­sich­tigt, Was­ser für die Kin­der ganz zu strei­chen“, er­klä­ren sie. Die Grund­schü­ler müss­ten ih­ren Trink­vor­rat für den ge­sam­ten Tag selbst mit­brin­gen, da OGS und Schu­le kei­ne Mit­tel mehr zur Ver­fü­gung hät­ten, um Was­ser zu stel­len.

Die Stadt­ver­wal­tung be­stä­tigt, dass die Nach­mit­tags­be­treu­ung fi­nan­zi­ell be­schnit­ten wer­den soll. „In Hil­den wur­de für al­le OGS-Ein­rich­tun­gen in Grund­schu­len ein Ge­samt­be­trag von rund 400.000 Eu­ro im Haus­halts­plan­ent­wurf 2020/21 als Ein­spar­sum­me vor­ge­se­hen“, er­klärt Schul­de­zer­nent Sön­ke Eich­ner. Das wer­de schwer­punkt­mä­ßig zu Ein­spa­run­gen im Be­reich der AG-An­ge­bo­te, der Ma­te­ri­al­aus­stat­tung, der Fe­ri­en­pro­gram­me, aber auch bei klei­nen Son­der­leis­tun­gen wie den Snacks füh­ren, er­klärt er wei­ter. „Die OGS ist ins­ge­samt und grund­sätz­lich ei­ne frei­wil­li­ge Leis­tung der Ge­mein­de“, so Eich­ner wei­ter. Ne­ben Lan­des­zu­schüs­sen ge­be es ei­nen Pflicht­an­teil der Stadt. „Zu­sätz­lich zu die­sem pflich­ti­gen An­teil setz­te Hil­den noch deut­lich mehr Geld für je­de OGS ein und er­reich­te so bis­her ei­nen ho­hen Qua­li­täts­stan­dard“, er­klärt der Bei­ge­ord­ne­te. Doch das ist bei der ak­tu­el­len Fi­nanz­si­tua­ti­on nicht mehr drin.

„Mit Be­ginn des Jah­res be­fin­det sich die Stadt Hil­den in der so­ge­nann­ten vor­läu­fi­gen Haus­halts­füh­rung“, er­klärt Stadt­käm­me­rin An­ja Fran­ke. Grund ist, dass der Rat den Haus­halt noch nicht ver­ab­schie­det hat. „Bis zur Ver­öf­fent­li­chung gel­ten da­her stren­ge Re­geln: Es dür­fen nur lau­fen­de Maß­nah­men fort­ge­führt und not­wen­di­ge, un­auf­schieb­ba­re Auf­ga­ben wei­ter­ge­führt wer­den. Neue In­ves­ti­ti­ons­maß­nah­men lie­gen grund­sätz­lich auf Eis“, so Fran­ke.

An die­sem Mitt­woch tref­fen sich die Kom­mu­nal­po­li­ti­ker zum Schu­lund Sport­aus­schuss und spre­chen un­ter an­de­rem über die von der Stadt ge­plan­ten Kür­zun­gen (sie­he In­fo).

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