NRW-Po­li­tik be­schwört Front ge­gen AfD

Joa­chim Stamp, Chef der NRW-Li­be­ra­len, for­dert den mit Stim­men der AfD ge­wähl­ten Thü­rin­ger FDP-Mi­nis­ter­prä­si­den­ten Tho­mas Kem­me­rich zum Rück­tritt auf. Auch Ar­min La­schet übt Kri­tik.

Rheinische Post Hilden - - Vorderseit­e -

DÜSSELDORF (arl/her/kib/mar/rky) Füh­ren­de nord­rhein-west­fä­li­sche FDP-Po­li­ti­ker leh­nen die Wahl ih­res Par­tei­kol­le­gen Tho­mas Kem­me­rich mit Stim­men der AfD ab. Kem­me­rich hat­te sich am Mitt­woch im drit­ten Wahl­gang von AfD, CDU und FDP zum Thü­rin­ger Mi­nis­ter­prä­si­den­ten wäh­len las­sen. Joa­chim Stamp, Chef der nord­rhein-west­fä­li­schen FDP, for­der­te Kem­me­rich zum Rück­tritt auf, um den Weg für Neu­wah­len frei­zu­ma­chen. „Es kann kei­nen li­be­ra­len Mi­nis­ter­prä­si­den­ten ge­ben, der von der AfD ins Amt ge­wählt wird“, sag­te Stamp.

Über­ra­schend war der bis­he­ri­ge Mi­nis­ter­prä­si­dent, der Lin­ken-Po­li­ti­ker Bo­do Ra­me­low, ge­schei­tert. Die von ihm an­ge­streb­te Ko­ali­ti­on aus Lin­ken, Grü­nen und SPD hat kei­ne Mehr­heit. Bei der Land­tags­wahl im Ok­to­ber war die Lin­ke stärks­te Par­tei ge­wor­den, die AfD er­reich­te 23,4 Pro­zent, die FDP fünf.

Kem­me­richs Wahl mit AfD-Un­ter­stüt­zung lös­te bei der FDP in NRW ei­ne Wel­le der Em­pö­rung aus. Chris­tof Ra­sche, Frak­ti­ons­chef im Land­tag, sag­te: „Kem­me­rich hät­te die Wahl nicht an­neh­men dür­fen.“Ex-In­nen­mi­nis­ter Ger­hart Baum zeig­te sich scho­ckiert: „Ein Hauch von Wei­mar liegt über dem Land. Das Bö­se ist wie­der da.“Die Düs­sel­dor­fer Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te Ma­rie-Agnes Strack-Zim­mer­mann for­der­te Kem­me­richs Rück­tritt und sag­te: „Kein Amt ist so be­deu­tend, dass man sich von Björn Hö­cke wäh­len lässt.“Hö­cke ist AfD-Chef in Thü­rin­gen.

FDP-Chef Christian Lind­ner be­zeich­ne­te Kem­me­rich als Kan­di­da­ten

der Mit­te; die Frak­ti­on in Er­furt ha­be in ei­ge­ner Ver­ant­wor­tung ge­han­delt. Es ge­be kei­ne Ko­ope­ra­ti­on mit der AfD. CDU, Grü­ne und SPD soll­ten mit Kem­me­rich zu­sam­men­ar­bei­ten. Nur wenn sie das ab­lehn­ten, müs­se es Neu­wah­len ge­ben.

Ar­min La­schet, CDU-Vi­ze­chef und NRW-Mi­nis­ter­prä­si­dent, kri­ti­sier­te die Wahl Kem­me­richs scharf: „Nie­mals darf sich ein Re­gie­rungs­chef von Ex­tre­mis­ten, auch nicht in schwie­ri­gen Mehr­heits­si­tua­tio­nen, auch nicht zu­fäl­lig, wäh­len las­sen“, sag­te er. Die Bun­des-CDU for­der­te Neu­wah­len in Thü­rin­gen.

Die Spit­zen von Uni­on und SPD im Bund wol­len die Kon­se­quen­zen der Wahl in ei­nem Ko­ali­ti­ons­aus­schuss am Sams­tag be­ra­ten. Ei­nen sol­chen Schritt hat­te zu­vor un­ter an­de­rem der NRW-Lan­des­chef der SPD, Se­bas­ti­an Hart­mann, ge­for­dert. Hart­mann sag­te, mit Nai­vi­tät oder Blöd­heit kön­ne sich nie­mand her­aus­re­den. Die NRW-SPD kün­dig­te an, die gro­ße Ko­ali­ti­on in Ber­lin zu hin­ter­fra­gen. Frak­ti­ons­chef Tho­mas Kut­scha­ty sag­te: „Gro­ße Ko­ali­tio­nen tra­gen be­son­de­re Ver­ant­wor­tung für den de­mo­kra­ti­schen Kon­sens in un­se­rem Land. Es gibt Re­de­be­darf.“

Die AfD in NRW sieht sich da­ge­gen er­mu­tigt. Lan­des­chef Rü­di­ger Lu­cas­sen sag­te: „Auch im Kom­mu­nal­wahl­kampf wer­den die Kreis­ver­bän­de ent­schei­den, ob sie bür­ger­li­chen Mehr­hei­ten zum Er­folg ver­hel­fen, ge­ge­be­nen­falls so­gar CDU-Kan­di­da­ten in Stich­wah­len un­ter­stüt­zen.“Frak­ti­ons­chef Mar­kus Wa­gner sag­te: „Falls es nach der nächs­ten Land­tags­wahl zu ei­ner ähn­li­chen Kon­stel­la­ti­on wie in Thü­rin­gen kä­me, sind wir für ein bür­ger­li­ches Bünd­nis ge­sprächs­be­reit.“

Der Bon­ner Po­li­to­lo­ge Frank De­cker sprach von ei­nem Ta­bu­bruch. „Das ist ein Damm­bruch, denn bis­her hielt die Brand­mau­er von CDU und FDP ge­gen den Rechts­ex­tre­mis­mus noch weit­ge­hend“, sag­te der Wis­sen­schaft­ler.

Ge­gen Kem­me­richs Wahl de­mons­trier­ten am Abend bun­des­weit Tau­sen­de. In Düsseldorf und Köln gin­gen je­weils meh­re­re Hun­dert Per­so­nen auf die Stra­ße, um vor den ört­li­chen FDP-Zen­tra­len zu pro­tes­tie­ren.

FO­TO: IMAGO

Björn Hö­cke (r.), Frak­ti­ons­vor­sit­zen­der der AfD, gra­tu­liert Tho­mas Kem­me­rich (FDP) zur Wahl.

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