„Ich ra­te, bei Mob­bing Kan­te zu zei­gen“

Po­li­zei­haupt­kom­mis­sar Jörg Blan­ken­stein wird die Schü­ler des Düs­sel­dor­fer Max-Planck-Gym­na­si­ums über Cy­ber­mob­bing auf­klä­ren. Ei­ne Schü­le­rin ent­schul­digt sich für die Be­lei­di­gun­gen, kri­ti­siert aber auch die Schul­lei­tung.

Rheinische Post Hilden - - Nordrhein-westfalen - VON CHRISTIAN SCHWERDTFE­GER

DÜSSELDORF Am Mon­tag wird Po­li­zei­haupt­kom­mis­sar Jörg Blan­ken­stein wie­der im Düs­sel­dor­fer Max-Planck-Gym­na­si­um sein, um mit den Schü­lern der ach­ten und neun­ten Jahr­gangs­stu­fe un­ter an­de­rem über Cy­ber­mob­bing zu spre­chen. „Ich wer­de das The­ma Be­lei­di­gun­gen an­spre­chen. Dass es nicht in Ord­nung ist, an­de­re Men­schen im In­ter­net zu ver­un­glimp­fen. Dass man dar­über nach­den­ken muss, be­vor man et­was li­ked“, sagt Blan­ken­stein, der seit 2010 in der Prä­ven­ti­ons­dienst­stel­le des Po­li­zei­prä­si­di­ums Düsseldorf tä­tig ist.

An dem Düs­sel­dor­fer Gym­na­si­um gibt es ei­nen hef­ti­gen Kon­flikt zwi­schen Schü­lern und Leh­rern, in de­nen sich auch El­tern ein­ge­mischt ha­ben. Die Schul­lei­tung hat Klas­sen­fahr­ten ab­ge­sagt, weil Leh­rer im In­ter­net be­lei­digt wor­den sind. Ein Teil der El­tern hält die Maß­nah­me für über­zo­gen und for­dert die Ab­set­zung der Schul­lei­te­rin. „Wie lan­ge die­ser Kon­flikt schwelt, kann ich gar nicht sa­gen. Ich ra­te der Schu­le, die Sa­che auf­zu­ar­bei­ten und Kan­te zu zei­gen, dass man das so nicht ak­zep­tiert“, sagt Blan­ken­stein, der schon vie­le Jah­re zur Be­ra­tung in das Gym­na­si­um kommt. „Bei straf­recht­lich re­le­van­ten Hin­ter­grün­den soll­te man über ei­ne Straf­an­zei­ge nach­den­ken.“

Mer­le Bach (Na­me und Al­ter ge­än­dert) ist Schü­le­rin des Max-Planck-Gym­na­si­ums. Sie möch­te an­onym blei­ben, weil sie fürch­tet, sonst schlech­ter be­no­tet zu wer­den. Sie sagt, dass die Vor­fäl­le, von de­nen die Schul­lei­tung spricht, kei­nes­falls Mob­bing sei­en.

Die ge­schil­der­ten Fäl­le sei­en nicht über ei­nen län­ge­ren Zei­t­raum er­folgt. „Um Psy­cho­ter­ror han­delt es sich si­cher nicht“, sagt sie. „Ich muss ein­räu­men, dass es Me­mes, wel­che sich ge­gen die Leh­rer ge­rich­tet ha­ben, ge­ge­ben hat und die­se auch auf Ins­ta­gram ver­öf­fent­licht wur­den“, sagt die 15-Jäh­ri­ge. Die Ins­ta­gram-Ac­counts sei­en je­doch privat und nicht öf­fent­lich ge­we­sen. „Die Ak­tio­nen wa­ren nicht rich­tig von uns, was wir Schü­ler auch de­fi­ni­tiv al­le ein­se­hen. Je­doch muss ich in die­sem Fall ganz stark das Ver­hal­ten

der Mehr­heit des Lehr­per­so­nals und auch un­se­rer Schul­lei­te­rin kri­ti­sie­ren“, so die Schü­le­rin. Die­se wür­den die gan­ze Si­tua­ti­on sehr stark zu­spit­zen, sagt sie.

Die Po­li­zei be­rät in sol­chen Fäl­len Düs­sel­dor­fer Schu­len, be­son­ders, wenn die Schü­ler die Al­ters­gren­ze zur Straf­mün­dig­keit er­rei­chen. „Mit 13 gibt es dann Be­ra­tungs­be­darf“, er­klärt ein Spre­cher der Po­li­zei. Blan­ken­steins Prä­ven­ti­on rich­tet sich da­her vor al­lem an die ach­ten und neun­ten Jahr­gangs­stu­fen. Sei­ne Haupt­bot­schaft an die Schü­ler lau­tet: Was pas­siert, wenn ich ab ei­nem be­stimm­ten Al­ter ei­ne Straf­tat be­ge­he? Wel­che Fol­gen hat das für das wei­te­re Le­ben? „In dem Al­ter kann man ei­ne mög­li­che kri­mi­nel­le Lauf­bahn noch ver­hin­dern“, sagt er. Blan­ken­stein be­rät zu vie­len Kri­mi­nal­the­men, auch Dieb­stahl und Raub. Mo­men­tan aber, sagt er, sei das The­ma Cy­ber­mob­bing an den Schu­len be­son­ders ge­fragt. Blan­ken­stein nennt den Schü­lern ent­spre­chen­de Bei­spie­le, be­spricht die­se und be­ar­bei­tet sie dann mit ih­nen. „Ich zei­ge den Ju­gend­li­chen, was sie falsch ma­chen kön­nen“, sagt er. „Und ich tei­le ih­nen dann auch mit, wel­che Fol­gen das für sie bei Po­li­zei und Jus­tiz ha­ben kann.“Er bie­tet auch ent­spre­chen­de Ver­an­stal­tun­gen für El­tern an. „Die sind aber im­mer recht mau be­sucht“, sagt Blan­ken­stein.

Mer­le Bach sagt, das Schü­ler-Leh­rer-Ver­hält­nis auf ih­rer Schu­le sei noch nie gut ge­we­sen. „Das hat je­doch nie zu psy­chi­schen oder phy­si­schen Über­grif­fen auf Leh­rer ge­führt“, sagt die Ju­gend­li­che. Die 15-Jäh­ri­ge ap­pel­liert an die Schul­lei­te­rin: „Was man­che Schü­ler ge­macht ha­ben, war nicht rich­tig, und das se­hen wir auch al­le ein. Aber an­statt die Pro­ble­me zu dra­ma­ti­sie­ren, soll­te die Rek­to­rin sich uns viel­leicht in ei­nem Ge­spräch nä­hern und nach den Ur­sa­chen für die Re­ak­ti­on auf un­se­rer Sei­te su­chen und nicht al­les durch ei­ne Über­dra­ma­ti­sie­rung noch ver­schlim­mern. Wir Schü­ler füh­len uns näm­lich lei­der auch igno­riert, über­gan­gen und nicht ernst ge­nom­men.“

Blan­ken­stein ar­bei­tet seit zehn Jah­ren in der Prä­ven­ti­ons­dienst­stel­le. Mit der Schul­lei­te­rin des Max-Planck-Gym­na­si­ums hat er im Vor­feld auch ge­spro­chen. „Sie hat mir er­zählt, dass sie wie an­de­re Schu­len auch Pro­ble­me hat mit Verun­glimp­fun­gen im In­ter­net“, sagt er. Manch­mal sei es feh­len­des Un­rechts­be­wusst­sein bei den Schü­lern. „Man denkt gar nicht dar­über nach, was ein Post an­rich­ten kann, das ist ja auch mal eben schnell ge­macht. Und man kommt erst beim zwei­ten oder drit­ten Nach­den­ken dar­auf, dass das viel­leicht gar nicht so in Ord­nung ge­we­sen ist, was man da ge­macht hat.“

FO­TO: HANS-JÜRGEN BAU­ER

Jörg Blan­ken­stein be­rät Schü­ler zu straf­recht­li­chen Fol­gen ih­res Tuns. Cy­ber­mob­bing sei nicht sel­ten. „Man denkt gar nicht dar­über nach, was ein Post an­rich­ten kann, das ist ja auch schnell ge­macht“, sagt er.

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