Co­ro­na­vi­rus in­fi­ziert die Welt­wirt­schaft

Ex­per­ten er­war­ten ei­nen Rück­gang der welt­wei­ten Kon­junk­tur. Das Ifo-In­sti­tut sieht nur ge­rin­ge Aus­wir­kun­gen in Deutsch­land. Aber ein­zel­ne Bran­chen und Un­ter­neh­men spü­ren die Kon­se­quen­zen der Kri­se.

Rheinische Post Hilden - - Wirtschaft -

DÜSSELDORF (cka/frin/gw/rky) Pro­duk­ti­ons­stopps, Flug­aus­fäl­le in gro­ßem Stil, kor­ri­gier­te Wachs­tums­pro­gno­sen – das Co­ro­na­vi­rus und sei­ne Fol­gen ha­ben zu­neh­mend auch Kon­se­quen­zen für die welt­wei­te Kon­junk­tur. We­gen der wach­sen­den Be­deu­tung Chi­nas für die in­ter­na­tio­na­le Wirt­schaft geht bei­spiels­wei­se die Welt­bank da­von aus, dass die glo­ba­le Wachs­tums­pro­gno­se ge­senkt wer­den muss. Um wie viel, blieb bis­her of­fen. Bis­lang ging die Welt­bank von rund 2,5 Pro­zent Wachs­tum in die­sem Jahr aus. Das Düs­sel­dor­fer Bank­haus Lam­pe geht in sei­ner ak­tu­el­len Vor­aus­sa­ge da­von aus, dass das Wachs­tum des welt­wei­ten Brut­to­in­lands­pro­dukts in die­sem Quar­tal um 0,3 Pro­zent­punk­te ge­rin­ger aus­fal­len könn­te. Auch EZB-Prä­si­den­tin Chris­ti­ne La­g­ar­de zeigt sich be­sorgt. Die schnel­le Aus­brei­tung des Co­ro­na­vi­rus sor­ge für neue Un­si­cher­heit, er­klär­te die Zen­tral­bank-Che­fin. Ei­ni­ge Mes­sen re­gis­trie­ren be­reits sin­ken­de Aus­stel­ler- und Be­su­cher­zah­len aus Fer­n­ost, dar­un­ter mög­li­cher­wei­se auch die Kon­sum­gü­ter­mes­se Am­bi­en­te in Frank­furt.

Ins­ge­samt sei Deutsch­land al­ler­dings öko­no­misch kaum be­trof­fen, mei­nen Ex­per­ten des Ifo-In­sti­tuts. Des­sen Kon­junk­tur­ex­per­te Ti­mo Woll­mers­häu­ser sag­te der „Zeit“, wenn die ak­tu­el­le Epi­de­mie das chi­ne­si­sche Wirt­schafts­wachs­tum dop­pelt so stark dämp­fe, wie es bei der In­fek­ti­ons­krank­heit Sars der Fall ge­we­sen sei, dürf­te das Wachs­tum in Deutsch­land um et­wa 0,1 Pro­zent nied­ri­ger aus­fal­len. Ei­ne Epi­de­mie dämp­fe vor al­lem den Kon­sum. Für Deutsch­land sei es aber „prak­tisch ir­re­le­vant“, wenn der Kon­sum in Chi­na zu­rück­ge­he, er­klär­ten die Kon­junk­tur­for­scher.

Ein Über­blick über die Si­tua­ti­on und die Maß­nah­men in ein­zel­nen Bran­chen und Un­ter­neh­men:

Sport­ar­ti­kel Der US-ame­ri­ka­ni­sche Her­stel­ler Ni­ke hat vor Ge­schäfts­ein­bu­ßen we­gen des Co­ro­na­vi­rus ge­warnt. Der Aus­bruch des Vi­rus wer­de das Chi­na-Ge­schäft fi­nan­zi­ell be­ein­träch­ti­gen, teil­te Ni­ke am Mitt­woch mit. Die Vor­aus­sa­ge sorg­te für Kurs­ver­lus­te an der Bör­se, nicht nur bei Ni­ke, son­dern auch bei den Kon­kur­ren­ten Adi­das und Pu­ma.

Au­to­in­dus­trie Der Au­to­ex­per­te Fer­di­nand Du­den­höf­fer spricht von ei­ner „enor­men wirt­schaft­li­chen Trag­wei­te des Vi­rus für die deut­schen Au­to­bau­er. Sei­ne Schät­zung: In Chi­na wer­de ein Drit­tel des Kon­zern­um­sat­zes er­zielt.

BMW, Daim­ler und VW spü­ren Pro­duk­ti­ons­ein­schrän­kun­gen bei Zu­lie­fe­rern. Au­ßer­dem sind vie­le Be­schäf­tig­te in Chi­na in ver­län­ger­ten Neu­jahrs­fe­ri­en, ent­we­der, weil Be­hör­den das an­ge­ord­net ha­ben oder der Ar­beit­ge­ber das vor­schreibt. Die VW-Wer­ke in Chi­na blei­ben bis zum Wo­che­n­en­de ge­schlos­sen, bei Daim­ler soll ein Groß­teil der Pro­duk­ti­on am Mon­tag wie­der an­lau­fen. Die Ver­wal­tung in Chi­na ar­bei­tet nach Kon­zern­an­ga­ben be­reits wie­der.

Bör­se Ent­ge­gen ei­ner mög­li­chen Ve­schlech­te­rung der welt­wei­ten Kon­junk­tur­aus­sich­ten hat der Ak­ti­en­markt am Mitt­woch ins­ge­samt zu­ge­legt. Das galt auch für die Luft­han­sa. Die Ak­tie ha­be pro­fi­tiert, weil es nach Be­rich­ten in Chi­na über ei­nen an­geb­li­chen Durch­bruch ei­nes For­scher­teams Hoff­nung auf ein Me­di­ka­ment ge­be, hieß es an der Bör­se. Das könn­te auch die Tou­ris­mus­bran­che wie­der an­kur­beln.

Im Duis­bur­ger Ha­fen kom­men bis En­de Fe­bru­ar kei­ne Gü­ter­zü­ge aus Wu­han an. Wie vie­le es in nor­ma­len Zei­ten sind, konn­te ei­ne Spre­che­rin des Ha­fens nicht sa­gen. Nach An­ga­ben vom April des ver­gan­ge­nen Jah­res ka­men wö­chent­lich 35 Zü­ge aus Chi­na mit Tex­ti­li­en, Elek­tro­ge­rä­ten, In­dus­trie­be­darf und Spiel­zeug nach Eu­ro­pa.

Ver­brau­cher So zy­nisch es klin­gen mag: Das Co­ro­na­vi­rus hat Vor­tei­le für Ver­brau­cher. Heiz­öl ist eben­so bil­li­ger ge­wor­den wie Ben­zin, weil im Zu­ge ei­ner nach­las­sen­den Welt­kon­junk­tur die Nach­fra­ge nach Roh­öl und den dar­aus ent­ste­hen­den

Pro­duk­ten sinkt. Nach An­ga­ben des Ver­brau­cher­por­tals Check24 lag der Preis für 3000 Li­ter Heiz­öl im Ja­nu­ar 2020 bei durch­schnitt­lich 1890 Eu­ro. Der Preis für ei­nen Li­ter Die­sel be­trägt teil­wei­se we­ni­ger als 1,20 Eu­ro, der für ei­nen Li­ter Su­per-Ben­zin ist un­ter die 1,40-Eu­ro-Mar­ke ge­rutscht.

Und wie ge­hen die Un­ter­neh­men mit dem Co­ro­na­vi­rus um?

Ford Deutsch­land

hat Di­enst­rei­sen von und nach Chi­na ge­stoppt. Al­le Mit­ar­bei­ter, die in Chi­na wa­ren oder mit von dort kom­men­den Per­so­nen Kon­takt hat­ten, dür­fen zwei Wo­chen lang nicht ins Bü­ro kom­men. Es han­de­le sich um ei­ne rei­ne Vor­sichts­maß­nah­me, be­tont ein Spre­cher. Bis­lang gibt es bei Ford we­der In­fi­zier­te noch Ver­dachts­fäl­le.

Han­del/Kon­sum Beim Düs­sel­dor­fer Kon­sum­gü­ter­kon­zern Hen­kel sind

Rei­sen nach Chi­na nur noch „in drin­gen­den ge­schäft­li­chen An­ge­le­gen­hei­ten und nach Ge­neh­mi­gung im Ein­zel­fall“mög­lich. Mit­ar­bei­tern, die aus Chi­na kom­men, wird emp­foh­len, zum Arzt zu ge­hen oder mög­lichst im Ho­me­of­fice zu ar­bei­ten. „Stand heu­te sind uns kei­ne Fäl­le be­kannt, dass Mit­ar­bei­ter von Me­tro Chi­na am Co­ro­na­vi­rus er­krankt sind“, er­klär­te ei­ne Spre­che­rin am Mitt­woch­nach­mit­tag.

High-Tech In Düsseldorf gibt es mit Hua­wei und ZTE zwei chi­ne­si­sche High­tech-Un­ter­neh­men, die ih­re Deutsch­land-Zen­tra­le am Rhein ha­ben. Ei­ne ZTE-Spre­che­rin sag­te auf An­fra­ge, Mit­ar­bei­ter aus Düsseldorf, die in Chi­na ge­we­sen sei­en, könn­ten nur ins Bü­ro zu­rück­keh­ren, wenn sie zwei Wo­chen lang in Chi­na be­schwer­de­frei ge­we­sen sei­en und nach ih­rer Rück­kehr nach Eu­ro­pa wei­te­re zwei Wo­chen „in stren­ger Selbst­iso­la­ti­on“ver­bracht hät­ten. Auch bei Hua­wei sind Rück­keh­rer aus Chi­na an­ge­wie­sen wor­den, zu­nächst 14 Ta­ge zu Hau­se zu blei­ben und im Ho­me-Of­fice zu ar­bei­ten.

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Fi­nanz­bran­che Glei­ches gilt bei der bri­ti­schen Groß­bank HSBC, de­ren Deutsch­land-Toch­ter ih­ren Sitz in Düsseldorf hat. Das Un­ter­neh­men teil­te auf An­fra­ge zu­dem mit, dass bis zum kom­men­den Di­ens­tag al­le Di­enst­rei­sen nach Hong­kong aus­ge­setzt sei­en und bis auf Wei­te­res auch kei­ne Rei­sen nach Chi­na statt­fän­den. Der Ver­si­che­rungs­kon­zern Er­go teil­te mit, Mit­ar­bei­ter in Chi­na ar­bei­te­ten „bis auf Wei­te­res“von zu Hau­se. Auch dürf­ten vor­erst kei­ne Mit­ar­bei­ter nach Chi­na rei­sen. Um­ge­kehrt müs­sen auch bei Er­go Rück­keh­rer aus Chi­na „prä­ven­tiv nach der An­kunft 14 Ta­ge zu Hau­se ar­bei­ten“. Aus­wir­kun­gen auf ein Jo­int Ven­ture mit dem chi­ne­si­schen Au­to­bau­er Gre­at Wall Mo­tors ge­be es nicht.

Trans­port/Ver­kehr/Lo­gis­tik Bei der Luft­han­sa sind wei­ter­hin al­le Flü­ge nach Chi­na aus­ge­setzt. Die Deut­sche Post teil­te mit, sie ha­be in der be­trof­fe­nen Pro­vinz Hu­bei den Ab­hol-, Zu­stell-, und La­ger­ver­wal­tungs­be­trieb der Toch­ter DHL aus­ge­setzt.

FO­TO: VIN­CENT THIAN/DPA

Ei­ne Pas­sa­gie­rin am Flug­ha­fen von Kua­la Lum­pur in Ma­lay­sia trägt ei­ne Atem­schutz­mas­ke.

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