Spring­la­ne wirbt Klein­an­le­ger mit ho­hen Zin­sen

Im Som­mer be­kam das Kü­chen­ge­rä­te-Start-up zehn Mil­lio­nen Eu­ro von In­ves­to­ren. Nun braucht es wie­der Geld. Wie passt das zu­sam­men?

Rheinische Post Hilden - - Wirtschaft - VON FLO­RI­AN RIN­KE

DÜSSELDORF Nor­ma­ler­wei­se schickt Spring­la­ne sei­nen Kun­den E-Mails, in de­nen es um Re­zep­te für Win­ter­r­i­sot­to oder Brä­ter aus Guss­ei­sen geht. Am 8. Ja­nu­ar er­reich­te die Kun­den hin­ge­gen ein ganz be­son­de­res An­ge­bot: „Mach mit und sei ein Teil von Spring­la­ne“hieß es in der E-Mail, mit der Grün­der Ma­ri­us Fritz­sche die Kun­den über­zeu­gen woll­te, nicht nur Pro­duk­te beim Düs­sel­dor­fer Start-up zu kau­fen, son­dern ihr Geld di­rekt in das Un­ter­neh­men zu in­ves­tie­ren – für 9,85 Pro­zent Zin­sen.

Das An­ge­bot ver­fing. Nicht ein­mal drei Wo­chen spä­ter hat Spring­la­ne über die Crow­din­ves­ting-Platt­form Ka­pi­len­do ins­ge­samt ei­ne Mil­li­on Eu­ro von 920 An­le­gern ein­ge­sam­melt. Wo­für das Geld ver­wen­det wer­den soll, ist nicht ganz klar. In der Pro­jekt-Be­schrei­bung heißt es le­dig­lich schwam­mig, es soll­ten neue Pro­duk­te ent­wi­ckelt, die Ver­triebs­ka­nä­le aus­ge­baut und In­hal­te, Pro­duk­te und Nut­zer ver­netzt wer­den.

In der Start-up-Bran­che se­hen vie­le die Geld­auf­nah­me über Platt­for­men wie Ka­pi­len­do kri­tisch. Sie war­nen da­vor, dass Klein­an­le­ger die Ri­si­ken bei sol­chen Ge­schäf­ten oft nicht über­bli­cken kön­nen. Als mah­nen­des Bei­spiel gilt vie­len der Fall „von Flo­er­ke“. Der Bon­ner Mo­de­an­bie­ter hat­te eben­falls über Ka­pi­len­do Geld ein­ge­sam­melt – und war an­schlie­ßend in die Plei­te ge­schlit­tert. Die Bun­des­an­stalt für Fi­nanz­auf­sicht (Ba­fin) weist da­her gleich auf ei­ne Rei­he von Ge­fah­ren hin. So sei nicht nur der To­tal­ver­lust des In­vest­ments mög­lich, so­ge­nann­te Nach­rang­dar­le­hen könn­ten auch ge­nutzt wer­den, den To­tal­ver­lust an­de­rer Gläu­bi­ger zu ver­hin­dern. „Ge­ra­de bei Start-up-Un­ter­neh­men ist die Ge­fahr ei­ner Plei­te grö­ßer als bei Fir­men, die sich be­reits auf dem Markt eta­bliert ha­ben“, schreibt die Ba­fin.

Ma­ri­us Fritz­sche sieht die Sa­che we­ni­ger pro­ble­ma­tisch. Der Kam­pa­gnen-Pro­zess sei sehr trans­pa­rent ge­stal­tet ge­we­sen und man ha­be al­le Fra­gen ge­wis­sen­haft be­ant­wor­tet.

Und doch wirft das Pro­jekt Fra­gen auf. Denn die Ge­schich­te von Spring­la­ne ist bis­lang al­les an­de­re als ei­ne Er­folgs­sto­ry. Seit der Grün­dung 2012 hat das Un­ter­neh­men noch nie ein Jahr mit Ge­winn ab­ge­schlos­sen, son­dern ins­ge­samt mehr als 30 Mil­lio­nen Eu­ro Ver­lust an­ge­häuft. Auch für 2019 rech­net das Un­ter­neh­men mit ei­nem Ver­lust von mehr als zwei Mil­lio­nen Eu­ro, ob­wohl man ei­gent­lich erst­mals schwar­ze Zah­len schrei­ben woll­te.

Be­kann­te Ri­si­ko­ka­pi­tal­ge­ber wie Ten­gel­mann Ven­tures oder Holtz­brinck Ven­tures ha­ben längst die Ge­duld mit Spring­la­ne ver­lo­ren und sind aus­ge­stie­gen. 2018 hat­te Spring­la­ne dar­auf­hin ei­ne ra­san­te Kehrt­wen­de voll­zo­gen. War man zu­nächst da­mit ge­star­tet, Pro­duk­te an­de­rer Her­stel­ler über den ei­ge­nen On­line-Shop zu ver­kau­fen, set­zen die Düs­sel­dor­fer in­zwi­schen auf Ei­gen­mar­ken. Statt rund 20.000 Pro­duk­ten bie­tet man nun nur noch rund 250 an, hat da­mit aber of­fen­bar mehr Er­folg. 247.000 Pro­duk­te wur­den nach Un­ter­neh­mens­an­ga­ben im ver­gan­ge­nen Jahr ver­kauft – für durch­schnitt­lich 80 Eu­ro das Stück.

Nach An­ga­ben aus In­ves­to­ren­krei­sen ist der Um­satz 2019 um 76 Pro­zent im Ver­gleich zum Vor­jahr ge­wach­sen. „Wir wer­den mit knapp 19 Mil­lio­nen Eu­ro ab­schlie­ßen“, sagt Spring­la­ne-Chef Fritz­sche. In die­sem Jahr sol­len es be­reits 30 Mil­lio­nen Eu­ro sein. Ein wei­te­res Ziel: „2020 wol­len wir auf Jah­res­ba­sis pro­fi­ta­bel sein“, sagt Fritz­sche.

Um die Zie­le zu er­rei­chen, be­kam Spring­la­ne im ver­gan­ge­nen Som­mer von In­ves­to­ren zehn Mil­lio­nen Eu­ro fri­sches Ka­pi­tal, laut Fritz­sche wur­de zu­dem „für 2020 ei­ne si­gni­fi­kan­te Kre­dit­li­nie bei ei­ner gro­ßen Bank ab­ge­schlos­sen“. Die­se ha­be das Un­ter­neh­men im Vor­feld ge­nau ge­prüft – aus sei­ner Sicht ein wei­te­rer Be­leg da­für, dass sich Ka­pi­len­do-An­le­ger kei­ne Sor­gen ma­chen müss­ten.

Doch war­um brauch­te das Star­t­up an­ge­sichts die­ser Sum­men den­noch Geld von Klein­an­le­gern? Laut Fritz­sche wur­de das Geld un­ter an­de­rem ver­wen­det, um das Ge­schäfts­mo­dell neu auf­zu­stel­len und in ein neu­es Wa­ren­la­ger zu in­ves­tie­ren. Bei ei­nem Teil des Gel­des han­del­te es sich of­fen­bar aber auch um be­reits be­ste­hen­de Dar­le­hen, die nur in Ei­gen­ka­pi­tal um­ge­wan­delt wur­den. Au­ßer­dem wur­den mit ei­nem Teil des Gel­des an­de­re Ver­bind­lich­kei­ten be­zahlt. So las­sen sich je­den­falls Ant­wor­ten ver­ste­hen, die Fritz­sche auf Fra­gen bei Ka­pi­len­do ge­ge­ben hat.

Gün­ther Bo­gen­rie­der vom Wag­nis­ka­pi­tal­ge­ber S-UBG hält die Kam­pa­gne bei Ka­pi­len­do al­ler­dings auch für ein gu­tes Mar­ke­ting­in­stru­ment. „Spring­la­ne er­mög­licht es da­durch Stamm-Nut­zern und Fans, am Er­folg des Un­ter­neh­mens zu par­ti­zi­pie­ren“, sagt der In­ves­tor. Die S-UBG hält über ih­ren Mit­tel­stands­fonds rund zehn Pro­zent an Spring­la­ne.

Ob sich das In­vest­ment für die An­le­ger wirk­lich ge­lohnt hat, wer­den sie spä­tes­tens in vier Jah­ren wis­sen – so lan­ge läuft das Dar­le­hen plan­mä­ßig.

FO­TO: ORTHEN

Spring­la­ne-Ge­schäfts­füh­rer Ma­ri­us Fritz­sche hält ei­nen Sous­vi­de-Stick zum Er­wär­men von Spei­sen in der Hand.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.