Kol­le­gen so­li­da­ri­sie­ren sich mit Ras­sis­mus-Op­fer Tor­u­na­rig­ha

Der Ras­sis­mus-Vor­fall im Spiel zwi­schen Schal­ke 04 und Her­tha BSC scho­ckiert auch an­de­re Fuß­bal­ler. Die Po­li­zei hat Er­mitt­lun­gen auf­ge­nom­men.

Rheinische Post Hilden - - Sport -

GEL­SEN­KIR­CHEN (dpa) Die Po­li­zei Gel­sen­kir­chen hat die Er­mitt­lun­gen auf­ge­nom­men, der Welt­ver­band Fi­fa be­kräf­tigt die Not­wen­dig­keit zum Kampf ge­gen Dis­kri­mi­nie­rung, und Schal­kes Auf­sichts­rats­chef Cle­mens Tön­nies ver­spricht lü­cken­lo­se Auf­klä­rung. Die Au­f­ar­bei­tung des Vor­wurfs der ras­sis­ti­schen Ge­sän­ge ge­gen den frü­he­ren Ju­nio­ren-Na­tio­nal­spie­ler Jor­dan Tor­u­na­rig­ha von Her­tha BSC im Po­kal-Ach­tel­fi­na­le beim FC Schal­ke 04 ist in vol­lem Gan­ge. Der­weil so­li­da­ri­sie­ren sich vie­le Pro­fi-Kol­le­gen mit dem 22 Jah­re al­ten Tor­u­na­rig­ha, der ehe­ma­li­ge Be­rufs­fuß­bal­ler Hans Sar­pei zeigt sich ent­setzt, und Tor­u­na­rig­has Va­ter spricht über ei­ge­ne Er­fah­run­gen mit Ras­sis­mus.

„Wir ha­ben von Amts we­gen ein Er­mitt­lungs­ver­fah­ren ein­ge­lei­tet“, sag­te ein Spre­cher der Po­li­zei Gel­sen­kir­chen, nach­dem Schal­ke-Fans un­ter an­de­rem Af­fen­lau­te in Rich­tung Tor­u­na­rig­has ge­ru­fen ha­ben sol­len. Es ge­he um den An­fangs­ver­dacht der Be­lei­di­gung, sag­te der Po­li­zei­spre­cher. Ei­ne An­zei­ge des Ber­li­ner Spie­lers lie­ge nicht vor. Zu­vor hat­te der DFB-Kon­troll­aus­schuss ei­ne Un­ter­su­chung ein­ge­lei­tet.

Die Fi­fa un­ter­strich der­weil, sie ha­be Mit­glieds­ver­bän­de, Li­gen und Clubs auf­ge­for­dert, „ein ähn­li­ches Ver­fah­ren wie die Fi­fa und ei­ne Null-To­le­ranz-Po­li­tik für al­le For­men von Dis­kri­mi­nie­rung im Fußball an­zu­wen­den und schar­fe Sank­tio­nen für je­de Art sol­chen Ver­hal­tens aus­zu­spre­chen“. Zum kon­kre­ten Fall äu­ßer­ten sich der Welt­ver­band und die Eu­ro­päi­sche Fußball-Uni­on Ue­fa zu­nächst nicht.

Un­ter­des­sen schloss sich Schal­kes Auf­sichts­rats-Chef Tön­nies dem Ver­eins­state­ment an. „Wir wer­den al­les dar­an­set­zen, die An­ge­le­gen­heit auf­zu­klä­ren“, sag­te der 63-Jäh­ri­ge der „Bild“-Zei­tung. Ex-Pro­fi Hans Sar­pei ant­wor­te­te auf die

Fra­ge, ob Tön­nies mit sei­nen Aus­sa­gen über Afri­ka­ner im Vor­jahr ein schlech­tes Vor­bild ge­we­sen sei, ge­ne­rell. „Es ist wie im Fußball: Wenn sich ein Spie­ler et­was er­laubt und der Trai­ner es dul­det oder weg­guckt, dann gibt es schnell Nach­ah­mer-Ef­fek­te“, sag­te Sar­pei der Deut­schen Pres­se-Agen­tur: „Dem muss der Ver­ein, dem muss un­se­re Ge­sell­schaft vor­beu­gen.“

Grund­sätz­lich sei er „ent­setzt“über den Vor­fall, er­klär­te der in Gha­na ge­bo­re­ne und in Deutsch­land auf­ge­wach­se­ne Sar­pei. Er lob­te aber aus­drück­lich das Ver­hal­ten des Ver­eins. Man ha­be in Deutsch­land

im Be­zug auf Ras­sis­mus im Fußball „noch kei­ne ita­lie­ni­schen Ver­hält­nis­se“, be­ton­te der 43-Jäh­ri­ge, „aber wir müs­sen die­se Vor­fäl­le sehr ernst neh­men.“

In den so­zia­len Netz­wer­ken be­kun­de­ten wei­te­re Pro­fis Rück­halt für Tor­u­na­rig­ha. „Wir ste­hen al­le hin­ter dir Bru­der!!! #no­tor­a­cism“, schrieb sein frü­he­rer Team­kol­le­ge Da­vie Sel­ke, der in­zwi­schen bei Wer­der Bre­men spielt, bei Ins­ta­gram. „Hät­te nicht ge­dacht, dass so et­was in Deutsch­land 2020 mög­lich ist! Bin fas­sungs­los!“, schrieb Bay­ern Mün­chens Jé­rô­me Boateng bei Twit­ter. „#F%** Ra­cism I am with you my man“(Ich bin bei dir), teil­te des­sen äl­te­rer Bru­der Ke­vin-Prin­ce mit.

Jor­dan Tor­u­na­rig­has Va­ter Ojo­ko­jo be­rich­te­te in der „Bild“-Zei­tung von ei­ge­nen Er­fah­run­gen. Er sei „bei ei­nem Stadt­fest durch die Stadt ge­jagt“wor­den. „Die Po­li­zei half mir erst, als sie er­kann­ten, dass ich ein Fußball-Pro­fi war“, sag­te der frü­he­re Spie­ler des Chem­nit­zer FC, „ich ha­be im­mer ver­sucht, den Ras­sis­mus von mei­nen Kin­dern fern­zu­hal­ten.“Sein Sohn müs­se „sei­ne Emo­tio­nen viel­leicht manch­mal bes­ser in den Griff be­kom­men. Aber Ras­sis­mus tut un­glaub­lich weh“, er­klär­te er.

FO­TO: PRIVAT

Schwar­ze Asche mit ro­ter Aus­strah­lung: Vik­to­ria Gochs A-Ju­gend 1973/74 mit RP-Sport­re­por­ter Ro­bert Pe­ters (4. von rechts, ste­hend, ein­ge­kreist).

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