Der freund­lichs­te Bus­fah­rer der Stadt

Pe­ter Be­nisch be­grüß­te und ver­ab­schie­de­te sei­ne Fahr­gäs­te beim Ein- und Aus­stei­gen per­sön­lich, da­für be­dank­ten sich die Pas­sa­gie­re im so­zia­len Netz­werk Face­book.

Rheinische Post Hilden - - Mensch & Stadt - VON TINO HERMANNS

Nach Pe­ter Christian Be­nisch wur­de re­gel­recht ge­fahn­det. Aber we­der Po­li­zei noch Lan­des­kri­mi­nal­amt wa­ren an der Su­che be­tei­ligt. Be­nisch zu fin­den, ob­lag ein­fach der Rhein­bahn. „Ein Post im Nett­werk war Aus­gangs­punkt. Ei­ner un­se­rer Kun­den woll­te sich bei ei­nem un­se­rer Bus­fah­rer für sei­ne freund­li­che Art be­dan­ken“, er­zählt An­ni­ka Bö­de­feld aus der Rhein­bahn-Un­ter­neh­mens­kom­mu­ni­ka­ti­on. „Das zog im Netz Krei­se, und wir ha­ben die Fahrt­rou­ten und Di­enst­plä­ne ge­checkt und Herrn Be­nisch schließ­lich ge­fun­den.“

Der freund­lichs­te Bus­fah­rer Düs­sel­dorfs ver­steht die gan­ze Auf­re­gung um sich nicht. „Da­mit ha­be ich gar nicht ge­rech­net. Au­ßer­dem weiß ich nicht, ob ich der freund­lichs­te Bus­fah­rer bin. Es ist doch das Nor­mals­te von der gan­zen Welt, dass man ‚Gu­ten Tag‘ sagt, wenn man ir­gend­wo rein­kommt. Ich grü­ße im­mer zu­rück, und wenn je­mand ver­gisst, zu grü­ßen, sa­ge ich eben als Ers­ter ‚Gu­ten Tag‘“, sagt Pe­ter Christian Be­nisch. „Mehr ist es doch gar nicht.“

Da­bei tut der 45-Jäh­ri­ge noch mehr, um ei­ne gu­te und ent­spann­te Stim­mung auf sei­nen Di­enst­fahr­ten zu er­zeu­gen. Er sagt die nächs­ten Hal­te­stel­len per­sön­lich an und lässt nicht ein­fach ei­ne Auf­nah­me vom Band lau­fen. Oft ver­ab­schie­det er die aus­stei­gen­den Fahr­gäs­te freund­lich. „Das ist eben mei­ne Art. Ich bin ein­fach so“, sagt der 45-Jäh­ri­ge. „Man weiß doch auch: ‚Wie man in den Wald hin­ein­ruft, so schallt es her­aus‘.“

Da­bei ist sein Job nicht im­mer mit ei­nem brei­ten Lä­cheln zu ab­sol­vie­ren. „Es gibt auch har­te Zei­ten, eben dann, wenn man be­schimpft wird“, ge­steht Be­nisch. „Wir Bus­fah­rer sind im­mer Schuld, wenn der Bus zu spät ist. Da­bei ist der Ver­kehr schuld und nicht der Fah­rer. Ich ver­su­che dann, die Si­tua­ti­on durch ein Lä­cheln, durch Höf­lich­keit zu ent­span­nen. Auch im Stress kann man freund­lich sein. Ich zie­he auch Mo­ti­va­ti­on dar­aus, dass Fahr­gäs­te zu­rück­lä­cheln.“

Be­nisch ar­bei­tet erst seit ei­nem hal­ben Jahr bei der Rhein­bahn, vor­her lag sein Stre­cken­netz in ganz Eu­ro­pa. Er kut­schier­te Rei­se­bus­se zu den be­lieb­tes­ten Ur­laubs­zie­len. Wäh­rend er auf den Langstre­cken meh­re­re tau­send Ki­lo­me­ter am Steu­er saß, kommt er heu­te an ei­nem Ar­beits­tag auf 100 bis 200 Ki­lo­me­ter. Ihm ist es egal.

„Ich lie­be es, zu fah­ren, ich lie­be mei­nen Be­ruf und ich lie­be mei­ne Ar­beit. Ich ha­be mei­ne Be­ru­fung ge­fun­den“, schwärmt er. „Ich brau­che auch den Kun­den­kon­takt, den Kon­takt zu den Men­schen.“Und den ge­stal­tet er eben so an­ge­nehm wie mög­lich, durch klei­ne, net­te Ges­ten, durch ein Lä­cheln, durch bei­spiel­haf­tes Ent­ge­gen­kom­men. Da­zu hat er bei 42 Sitz- und 100 Steh­plät­zen in ei­nem mo­der­nen Ge­lenk­bus vie­le Ge­le­gen­hei­ten.

Da­bei ist es egal, auf wel­cher Li­nie, zu wel­cher Ta­ges­zeit er un­ter­wegs ist. „Klar gibt es Un­ter­schie­de wie die Men­schen so drauf sind. Mor­gens sind sie noch mü­de, abends, nach ge­ta­ner Ar­beit, meist zu­vor­kom­men­der“, re­sü­miert der Bus-Chauf­feur. „Auf der Li­nie 732 gibt es sehr net­te Fahr­gäs­te.“

Be­nisch weiß auch um die Ver­ant­wor­tung

sei­nes Be­rufs­stands. „Wir trans­por­tie­ren nicht ein­fach Kie­sel­stei­ne, son­dern See­len, und mit de­nen geht man an­ders um“, er­klärt der Bus­fah­rer. „Und ich weiß auch, dass ich die Rhein­bahn re­prä­sen­tie­re.“

Er wünscht sich je­den­falls ei­nen et­was net­te­ren, ent­spann­te­ren Um­gang mit­ein­an­der. „Vie­le schot­ten sich von der Au­ßen­welt ab, ha­ben Kopf­hö­rer auf, schau­en die gan­ze Zeit aufs Handy. Sie ver­lie­ren den Be­zug zur Um­welt. Ich bin trau­rig, dass der mensch­li­che Kon­takt lang­sam un­ter­geht“, meint Be­nisch. „Es wür­de das Le­ben so viel ein­fa­cher ma­chen, wenn mehr Men­schen im ge­gen­sei­ti­gen Um­gang freund­li­cher wä­ren.“

RP-FO­TO: ANDRE­AS BRETZ

Pe­ter Christian Be­nisch liebt sei­nen Job und zeigt das auch.

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