„Bier ist nicht zum Be­trin­ken da“

Un­ser Gast­ko­lum­nist ist Fach­mann für Bier. In sei­nem La­den bie­tet er Spe­zia­li­tä­ten aus mehr als 70 Län­dern

Rheinische Post Hilden - - Freizeit & Genuss -

Bier ist ein Ge­nuss­mit­tel und nicht da­zu da, um sich zu be­trin­ken. Man soll­te sich die Zeit neh­men, bei je­dem ein­zel­nen die Ge­schmacks­viel­falt, das Bou­quet, die Wür­ze zu ent­de­cken. Gu­tes Bier hat sehr vie­le un­ter­schied­li­che Aro­men, die man her­aus­fil­tern kann und soll­te. In mei­nem La­den Bier & Beer gibt es al­lei­ne 50 Ge­schmacks­rich­tun­gen, von Rauch- über Frucht­bis Sau­er-, Cham­pa­gner- und Scho­ko­la­den­bier. Ne­ben den Haupt­ge­schmacks­rich­tun­gen gibt es da aber noch so viel mehr zu iden­ti­fi­zie­ren.

Zu­sam­men mit ei­nem gu­ten Es­sen er­gän­zen, ver­stär­ken oder kon­ter­ka­rie­ren sich die Ge­schmä­cker ei­nes qua­li­ta­tiv gu­ten

Bie­res. Zum He­ring et­wa trin­ke ich gern ein bel­gi­sches Du­vel, zu Fleisch be­vor­zu­ge ich ein Pa­le Ale oder ein Por­ter. Als ich zum ers­ten Mal eng­li­sches Bier pro­biert ha­be, dach­te ich, es wä­re auch mein letz­tes. Aber auch auf der In­sel gibt es hoch­wer­ti­ges, le­cke­res Bier. Und in Ka­sachs­tan ha­be ich kürz­lich rus­si­sches und ka­sa­chi­sches

Bier ge­tes­tet. Das ka­sa­chi­sche schmeck­te wie das deut­sche Ex­port. Ob es nach dem deut­schen Rein­heits­ge­bot ge­braut wur­de, weiß ich nicht. Das Rein­heits­ge­bot sagt aber auch nichts über Ge­ruch und Ge­schmack aus. Von den nach dem Rein­heits­ge­bot her­ge­stell­ten Bie­ren der Groß­braue­rei­en bin ich zum Bei­spiel nicht über­zeugt. Ich be­vor­zu­ge die Pro­duk­te klei­ne­rer, in­di­vi­du­ell ge­führ­ter Braue­rei­en, zu de­nen ich die Düs­sel­dor­fer Haus­braue­rei­en zäh­le. Durch un­ter­schied­li­che Röst­gra­de des Mal­zes, ver­schie­de­ne Ge­trei­de­und al­ler­lei Hop­fen­sor­ten kann man Far­be, Ge­ruch und Ge­schmack deut­lich va­ri­ie­ren. Es gibt vie­le Län­der, in de­nen nicht nach dem Rein­heits­ge­bot ge­braut wird, aber die Zu­sät­ze wie Zu­cker oder Kräu­ter sind in den meis­ten Fäl­len auch na­tür­lich. Nur wenn Che­mie ins Spiel kommt, das stört mich.

Bei ei­nem Bier­tas­ting soll­te man ein und das­sel­be Bier bei ver­schie­de­nen Tem­pe­ra­tu­ren pro­bie­ren, denn dann ent­fal­ten sich Aro­men und Ge­schmacks­rich­tun­gen un­ter­schied­lich. Zu kalt soll­te ein Bier nicht sein, denn Käl­te schließt Aro­men ein und man kann sie nicht schme­cken. Bei zehn bis zwölf Grad Trink­tem­pe­ra­tur ent­fal­tet sich fast je­des Bier. Und, je hoch­pro­zen­ti­ger ein Bier ein­ge­braut ist, um­so ge­schmacks­in­ten­si­ver ist es. Leich­te Bie­re kann man als Durst­lö­scher trin­ken, kräf­ti­ge Bie­re eher als Be­glei­tung zum Es­sen.

Wie sind Sie da­hin ge­kom­men, wo Sie jetzt sind?

VI­TA­LI KUSCHKIN Die Lei­den­schaft ist durch bel­gi­sches Bier ent­stan­den. In ei­nem Re­stau­rant in Di­jon in Frank­reich woll­te ich kei­nen Wein trin­ken, da hat der Gar­çon mir ein bel­gi­sches Af­f­li­gem emp­foh­len. Als ich dann spä­ter ein Tri­pel Kar­me­liet mit sei­ner enor­men Ge­schmacks­viel­falt pro­biert ha­be, wuss­te ich, dass ich be­ruf­lich mit Bier ar­bei­ten möch­te. 2011 ha­be ich mein Ge­schäft in Fried­rich­stadt auf­ge­macht, seit 2012 ist das La­den­lo­kal an der Müns­ter­stra­ße. Das Port­fo­lio ist in­zwi­schen auf Bie­re aus al­len sechs Kon­ti­nen­ten er­wei­tert wor­den. Des­halb kann man bei mir auch ei­ne preis­wer­te „Welt­rei­se“er­wer­ben. In neun Jah­ren sind cir­ca 4000 un­ter­schied­li­che Bie­re durch mei­nen La­den ge­gan­gen.

Wo wol­len Sie noch hin?

KUSCHKIN Ehr­lich ge­sagt ist, so wie es jetzt ist, al­les in Ord­nung. Bei der Grö­ße des La­den­lo­kals bleibt al­les au­then­tisch. Ich bin zu­frie­den. Wenn aber je­mand In­ter­es­se an ei­nem Fran­chi­sing hat, kann er mich ger­ne an­spre­chen.

Was emp­feh­len Sie fürs Wo­che­n­en­de?

KUSCHKIN Ich bin auch ein Fan von Wein. Des­halb ge­nie­ße ich auch ger­ne ei­nen sprit­zi­gen. Eher tro­cke­nen Weiß­wein zu ei­ner schö­nen Mee­res­früch­te­plat­te. Das ist ei­ne schö­ne Ab­wechs­lung zu mei­nem Be­rufs­all­tag.

F.:PRIVAT

Vi­ta­li Kuschkin be­treibt das Bier & Beer.

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