So­zi­al­woh­nun­gen wer­den knapp

2002 gab es in Hilden 2911 öf­fent­lich ge­för­der­te Woh­nun­gen. 2018 wa­ren es noch 1170. Bis 2030 wird sich der Be­stand vor­aus­sicht­lich auf rund 900 So­zi­al­woh­nun­gen re­du­zie­ren. Woran liegt das ei­gent­lich?

Rheinische Post Hilden - - Hilden Haan - VON CHRIS­TOPH SCHMIDT

HILDEN 6,20 Eu­ro kalt: Das zah­len Mie­ter ak­tu­ell bei Erst­be­zug im öf­fent­lich ge­för­der­ten Woh­nungs­bau in Hilden. 5,75 Eu­ro, wenn sie ei­ne der elf So­zi­al­woh­nun­gen er­gat­tert ha­ben, die die städ­ti­sche Woh­nungs­bau­ge­sell­schaft WGH ge­ra­de an der Hoch­dah­ler Stra­ße 233 er­rich­tet (Be­zug März 2020). Da­von kön­nen an­de­re, die sich auf dem frei­en Markt um­schau­en müs­sen, nur träu­men. Laut Miet­spie­gel wer­den für Neu­bau­woh­nun­gen in Hilden 9,70 Eu­ro kalt ver­langt. War­um wer­den So­zi­al­woh­nun­gen ei­gent­lich im­mer knap­per? Da­für gibt es ei­ne gan­ze Rei­he von Grün­den.

Pro­fit Hilden ist be­reits dicht be­baut. Grund­stü­cke sind des­halb rar und teu­er. Das schlägt sich im Kauf­preis oder in der Mie­te nie­der. Die För­der­be­stim­mun­gen für So­zi­al­woh­nun­gen sind zwar in den ver­gan­ge­nen Jah­ren ver­bes­sert wor­den (För­der­be­trag 1950 Eu­ro/Qua­drat­me­ter), kurz­fris­tig kann ein In­ves­tor da­mit kei­ne at­trak­ti­ve Ren­di­te er­wirt­schaf­ten. Mit Miet- und Ei­gen­tums­woh­nun­gen sieht das an­ders aus. Die städ­ti­sche WGH kann nur noch dann So­zi­al­woh­nun­gen er­rich­ten, wenn die Stadt ihr Grund­stü­cke als Ei­gen­ka­pi­tal-Auf­sto­ckung zur Ver­fü­gung stellt.

Pro­test Vie­le Nach­barn ha­ben Angst vor So­zi­al­woh­nun­gen. Sie be­fürch­ten, sie könn­ten den Wert ih­rer Im­mo­bi­li­en min­dern. Am Bruch­hau­ser Kamp – in ei­nem gut­bür­ger­li­chen Wohn­vier­tel – soll­te ein Spiel­platz auf­ge­ge­ben und mit bis zu sechs So­zi­al­woh­nun­gen

be­baut wer­den, schlug die Ver­wal­tung 2016 vor. Da­ge­gen pro­tes­tier­ten knapp 400 Bür­ger mit ih­rer Un­ter­schrift. Nur et­wa 95 woh­nen in ei­nem Um­kreis von 200 Me­tern um den Spiel­platz, stell­te die Stadt­ver­wal­tung fest. Am En­de knick­te die Po­li­tik ein, die sechs So­zi­al­woh­nun­gen wur­den nicht ge­baut.

Mi­ni-Zin­sen Vie­le Ei­gen­tü­mer, die bis 2001 ge­för­dert wur­den, zah­len För­der­mit­tel vor­zei­tig zu­rück, be­rich­te­te der Kreis. Das ist lu­kra­ti­ver, als Er­spar­tes für Mi­ni­zin­sen an­zu­le­gen. Die vor­zei­ti­ge Rück­zah­lung lö­se zwar meist ei­ne zehn­jäh­ri­ge Nach­wir­kungs­frist aus, in der der Sta­tus „ge­för­der­te Miet­woh­nung“er­hal­ten bleibt. Das schreckt die Ei­gen­tü­mer nicht ab.

Für al­le Pro­jek­te, für die der

Stadt­rat durch ei­ne Än­de­rung des Be­bau­ungs­plans neue Bau­mög­lich­kei­ten schafft, gilt in­zwi­schen: Der In­ves­tor muss rund 30 Pro­zent der Wohn­bau­flä­chen im preis­güns­ti­gen Seg­ment (öf­fent­lich ge­för­dert oder „preis­ge­dämpft“bei Ei­gen­tums­woh­nun­gen) er­rich­ten. Dies wird über städ­te­bau­li­che Ver­trä­ge si­cher­ge­stellt. Und funk­tio­niert auch.

Pro­jek­te Auf dem Are­al der ehe­ma­li­gen Al­bert-Schweit­zer-Schu­le (Lin­den­stra­ße/-gar­ten) ent­steht ei­ne Mehr­ge­ne­ra­tio­nen­sied­lung mit 40 Ein­fa­mi­li­en­häu­ser so­wie rund 85 Woh­nun­gen in et­wa zehn Mehr­fa­mi­li­en­häu­sern. Da­von wer­den vor­aus­sicht­lich 17 bis 21 preis­ge­dämpf­te Ein­fa­mi­li­en­häu­ser und rund 35 öf­fent­lich ge­för­der­te Miet­woh­nun­gen im Ge­schoss­woh­nungs­bau er­rich­tet, vor­aus­sicht­lich ab 2020/21. An der Hof­stra­ße 150 sind auf ei­nem städ­ti­schen Grund­stück 33 So­zi­al­woh­nun­gen ge­plant. Die Ver­wal­tung sucht ei­nen In­ves­tor. Auf dem Ge­län­de der ehe­ma­li­gen Heuss-Schu­le er­hält die städ­ti­sche Woh­nungs­bau­ge­sell­schaft WGH ei­nen Teil des Are­als als Ein­la­ge und Bau­grund­stück. Wann die öf­fent­lich ge­för­der­ten Woh­nun­gen be­zo­gen wer­den kön­nen, ist un­klar. Ein pri­va­tes Un­ter­neh­men bie­tet ak­tu­ell den Bau von 60 So­zi­al­woh­nun­gen an der Ben­ra­ther Stra­ße/Ban­hof­s­al­lee an, wenn sie im Ge­gen­zug 40 Ei­gen­tums­woh­nun­gen an der Kirch­hof­stra­ße 6567 er­reich­ten darf. Die Po­li­tik hat noch nicht ent­schie­den, ob sie auf den Han­del ein­geht.

RP-FO­TO: STE­PHAN KÖHLEN

Die städ­ti­sche Woh­nungs­bau­ge­sell­schaft WGH hat an der Hoch­dah­ler Stra­ße 233 für 2,5 Mil­lio­nen Eu­ro elf So­zi­al­woh­nun­gen er­rich­tet.

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