Mes­ser­at­ta­cke auf Ehe­frau: 74-Jäh­ri­ger muss in Haft

Kurz vor dem Ur­teil äu­ßer­te sich der Rent­ner zur Tat. Er ha­be sei­ne Frau „nur er­schre­cken“wol­len.

Rheinische Post Hilden - - Mensch & Stadt -

(wuk) Deut­lich ver­schlech­tert hat sich ein 27-jäh­ri­ger Au­di-Fah­rer am Frei­tag in der Ver­hand­lung vor dem Amts­ge­richt Düs­sel­dorf. Dort hat­te er ge­gen ei­ne Stra­fe von 2400 Eu­ro und ei­ne Füh­rer­schein­sper­re von ei­nem Jahr pro­tes­tiert.

Durch nächt­li­che Ra­se­rei auf der Köl­ner Stra­ße hat­te er am 9. No­vem­ber 2018 ge­gen 22.30 Uhr mit sei­nem Au­di-Sport­cou­pé R8 ei­nen schwe­ren Ver­kehrs­un­fall ver­ur­sacht. Der Fah­rer hat­te ei­nen mit sie­ben Per­so­nen be­setz­ten VW-Golf aus der Ge­gen­rich­tung ge­rammt und die In­sas­sen teils schwer ver­letzt. Vier Per­so­nen sa­ßen un­ge­si­chert auf der Rück­sitz­bank, ein 18-Jäh­ri­ger lag im Kof­fer­raum. Eins der Un­fall­op­fer er­litt ei­ne Wir­bel­säu­len­ver­let­zung, ein an­de­res meh­re­re Rip­pen­brü­che.

Statt die Stra­fe zu ak­zep­tie­ren, leg­te der 27-Jäh­ri­ge aber Ein­spruch ein. Das Ur­teil fiel jetzt in der Ver­hand­lung noch deut­lich hö­her aus: Der Un­fall­fah­rer muss nun 7200 Eu­ro Stra­fe zah­len, ist den Füh­rer­schein los und zu­dem wur­de ei­ne Sper­re von zwei Jah­ren ver­hängt, be­vor er sich über­haupt noch­mal um ei­ne neue Fahr­er­laub­nis be­mü­hen darf. Der Sach­scha­den durch den Un­fall wur­de von ei­nem Spre­cher der Po­li­zei auf et­wa 230.000 Eu­ro ge­schätzt. Al­lei­ne der Neu­preis ei­nes Au­di R8 be­trägt et­wa 144.000 Eu­ro. Da­zu ka­men meh­re­re an­de­re Fahr­zeu­ge, die ge­rammt wur­den. (wuk) Nicht als Mord­ver­such, aber auch nicht als ein harm­lo­ses „Er­schre­cken“der Ehe­frau hat das Land­ge­richt am Frei­tag die Blut­tat ei­nes 74-jäh­ri­gen In­ge­nieurs be­wer­tet. Er gab zu, an ei­nem Au­gust­mor­gen 2019 sei­ne Frau (40) un­ter ei­nem Vor­wand in der Woh­nung in Ober­kas­sel an sich ge­zo­gen und ihr mit ei­nem Mes­ser ei­ne lan­ge Schnitt­wun­de am Hals zu­ge­fügt zu ha­ben.

Das hat das Schwur­ge­richt als ver­such­ten Tot­schlag ge­wer­tet und als ge­fähr­li­che Kör­per­ver­let­zung, hat den von ei­ner Krebs­er­kran­kung schwer ge­zeich­ne­ten An­ge­klag­ten zu drei Jah­ren und zehn Mo­na­ten Haft ver­ur­teilt. Die Staats­an­wäl­tin hat­te auf Mord­ver­such plä­diert und sechs Jahre Haft be­an­tragt. Kurz vor dem Ur­teil nahm der Rent­ner Stel­lung zur An­kla­ge. Er ha­be sei­ner Frau, die sich von ihm tren­nen woll­te, mit dem Mes­ser bloß „ei­nen Schre­cken ein­ja­gen“, sie da­bei al­len­falls leicht ver­let­zen wol­len, ließ er aus­rich­ten. Auch ha­be er ge­plant, am Tat­mor­gen die stump­fe Klin­gen­sei­te über den Hals der Frau zu zie­hen – ha­be sich aber ver­tan und sie doch mit der schar­fen Schnei­de ver­letzt. Die Frau kam nie in Le­bens­ge­fahr, wur­de aber er­heb­lich ver­letzt. Sie hat­te er­klärt, der An­ge­klag­te ha­be sie in der Ehe stets „wie ei­ne Putz­frau“be­han­delt, sie mit sei­ner Ei­fer­sucht jah­re­lang drang­sa­liert. Als sie sich be­reits ei­ne Woh­nung in Neuss an­ge­mie­tet hat­te, ha­be er ihr ei­nen ge­mein­sa­men Selbst­mord vor­ge­schla­gen, ha­be sie nach ih­rer Wei­ge­rung dann ur­plötz­lich mit dem Mes­ser at­ta­ckiert. Von Heim­tü­cke, wie in der An­kla­ge we­gen Mord­ver­suchs, gin­gen die Rich­ter den­noch nicht aus. Doch lie­ßen sie den schwer kran­ken An­ge­klag­ten trotz An­re­gung des Ver­tei­di­gers auch nicht aus der U-Haft frei. Der An­walt hat Re­vi­si­on ge­gen das Ur­teil an­ge­kün­digt – und will zu­dem er­rei­chen, dass der Se­ni­or im Hin­blick auf sei­nen Ge­sund­heits­zu­stand bald von wei­te­rer Haft ver­schont wird.

Der Rent­ner ist an Krebs er­krankt und kam im Roll­stuhl zur Ver­hand­lung.

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