„Du er­in­nerst mich an Ador­no“

Rheinische Post Hilden - - Düsseldorf­er Kultur -

Die Düs­sel­dor­fer Hi­p­Hop-Band gibt Aus­kunft über ihr neu­es Al­bum „Ab­bruch Ab­bruch“.

Ei­ne al­te Hal­le im In­dus­trie­ge­biet in Flin­gern un­weit des Hö­her­wegs, hier sitzt gut ver­steckt das Plat­ten­la­bel JKP. Ne­ben den Plat­ten der To­ten Ho­sen er­scheint hier auch die Mu­sik der Hi­p­Hop-Grup­pe An­ti­lo­pen Gang. Die drei Rap­per Kol­jah, Pa­nik Pan­zer und Dan­ger Dan spre­chen über ihr neu­es Al­bum, Kla­mauk und Auf­trit­te in Düs­sel­dorf.

In Eu­rem neu­en Song „Lied ge­gen Kif­fer“rech­net Ihr mit Kif­fern und Eu­rem ei­ge­nen Kon­sum in Eu­rer Jugend ab. Wie sah denn der nor­ma­le Schul­tag mit 17 Jah­ren bei Euch aus?

KOL­JAH Vor der Schu­le ei­nen Jo­int rau­chen, dann in der ers­ten und zwei­ten Pau­se die nächs­ten. Das heißt, dass man völ­lig dicht im Un­ter­richt saß und über­haupt kei­nen Bock drauf hat­te. Als ich dann um 14 Uhr zu Hau­se war, hat sich das an­ge­fühlt, als ob ich schon ei­nen Ma­ra­thon ge­lau­fen wä­re. Kif­fen macht halt sehr mü­de und platt. Ei­gent­lich war der Tag dann schon vor­bei. Trotz­dem ha­be ich mich dann am Nach­mit­tag mit Kum­pels zum Bar­zen ver­ab­re­det. So ging das ein paar Jahre.

Wo habt Ihr das neue Al­bum „Ab­bruch, Ab­bruch“auf­ge­nom­men? KOL­JAH Wir ha­ben erst bei mir zu Hau­se in Bilk De­mos auf­ge­nom­men. Am En­de dann in un­se­rem Stu­dio in Ber­lin, das gab es aber zu Be­ginn der Auf­nah­men noch nicht. Au­ßer­dem wa­ren wir mal kurz in ei­nem klei­nen Dorf in Bran­den­burg. So ha­ben wir ver­sucht, über­all und über ei­nen län­ge­ren Zei­t­raum Sa­chen

aus­zu­den­ken. En­de 2017 ha­ben wir mit Fa­to­ni ein Stu­dio in Ber­lin be­zo­gen. Seit­dem hat sich al­les nach Ber­lin ver­la­gert, wo Pa­nik Pan­zer und Dan­ger Dan ja in­zwi­schen le­ben. Da fah­re ich für die Auf­nah­men dann mit mei­ner Bahn­Card 50 hin.

Habt Ihr das neue Al­bum sel­ber auf­ge­nom­men und pro­du­ziert? PA­NIK PAN­ZER Wir ha­ben beim letz­ten Al­bum „An­ar­chie und All­tag“mal den Aus­flug in ein rich­ti­ges pro­fes­sio­nel­les Stu­dio ge­wagt. Wir ha­ben aber ge­merkt, dass wir das sel­ber ma­chen müs­sen, weil wir sehr de­tail­ver­liebt sind. Des­we­gen ha­ben wir uns ein ei­ge­nes Stu­dio ein­ge­rich­tet, da­mit wir uns al­le Zeit neh­men kön­nen, die wir brau­chen. So sind wir nicht in ei­nem Bu­chungs­stu­dio

in ein ge­wis­ses Zeit­fens­ter ein­ge­pfercht. Das hat dem Al­bum sehr gut ge­tan.

Wisst Ihr nach bald zehn Jah­ren nun ge­nau­er, wie ein Stück klin­gen soll?

DAN­GER DAN (der bis jetzt leicht apa­thisch in den weiß ge­kalk­ten In­nen­hof ge­schaut hat) Du er­in­nerst mich an Ador­no.

Das neh­me ich als Kom­pli­ment. Al­ler­dings hät­te Ador­no Eu­re leich­te Un­ter­hal­tungs­mu­sik si­cher nicht ge­fal­len, schließ­lich ge­hört Ihr ja zur Kul­tur­in­dus­trie.

KOL­JAH Die Mu­sik, die ihm ge­fal­len hat, mö­gen wir auch nicht. Zwölf­ton-Mu­sik ist doch furcht­bar.

Ihr teilt auch ger­ne mal ge­gen an­de­re Rap­per aus. Freut Ihr Euch, wenn man von an­de­ren Rap­per ge­disst wird?

KOL­JAH Wir wur­den von vie­len er­wähnt. Am meis­ten hat mich ge­freut, dass Fa­rid Bang über uns ge­sagt hat, dass wir Jun­kies oh­ne Geld sei­en. Das ist nicht zu leug­nen. (lacht)

Auf der nächs­ten Tour spielt Ihr nicht in Düs­sel­dorf. Woran liegt das?

KOL­JAH Wer weiß, so ei­ne Tour kann ja auch ver­län­gert wer­den. Ein­fach mal ab­war­ten!

Eu­er letz­tes Kon­zert im Stahl­werk war vor zwei Jah­ren ein Weih­nachts­kon­zert.

PA­NIK PAN­ZER Bei die­sem Fest der Lie­be gab es Ge­schen­ke, und wir hat­ten so­gar ei­nen Weih­nachts­mann mit da­bei. Das war dann aber auch das of­fen­sicht­li­che En­de der lan­gen An­ti­lo­pen-Gang-Kla­mauk-Pha­se. Das war nicht so rich­tig lus­tig. Der free­sty­len­de Weih­nachts­mann, das war Fa­to­ni auf ei­nen bil­li­gen „Jing­le Bells“-Beat.

DAN­GER DAN Das war so dumm, Leu­te. Das war ein Tief­punkt un­se­rer Li­ve-Kar­rie­re. Der an­de­re war üb­ri­gens ein Kon­zert im Haus Spil­les in Ben­rath vor lan­ger Zeit. Da hat­ten wir drei zah­len­de Gäs­te.

PA­NIK PAN­ZER Hier­mit ver­spre­chen wir al­len Düs­sel­dor­fern, dass wir der­ar­tig Scham­haf­tes nicht mehr ma­chen wer­den bei un­se­rem nächs­ten Kon­zert in die­ser Stadt.

FOTO: DPA

Die Rap­per der An­ti­lo­pen Gang (v.l.): Dan­ger Dan, Pa­nik Pan­zer und Kol­jah. Ihr neu­es Al­bum „Ab­bruch Ab­bruch“ist ge­ra­de er­schie­nen.

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