Vallou­rec-Werk in Reis­holz soll schlie­ßen

Die rund 300 Mit­ar­bei­ter sind am Frei­tag über die Ent­schei­dung der Ge­schäfts­füh­rung in­for­miert wor­den. Be­triebs­be­ding­te Kün­di­gun­gen soll es nicht ge­ben.

Rheinische Post Hilden - - Düsseldorf­er Wirtschaft - VON NI­CO­LE LAN­GE

Die Be­mü­hun­gen, das Reis­hol­zer Werk des Stahl­rohr­her­stel­lers Vallou­rec zu er­hal­ten, sind ge­schei­tert. Die Ge­schäfts­füh­rung hat jetzt ent­schie­den, dass es ge­schlos­sen wer­den soll. Am Frei­tag­mor­gen wur­den die rund 300 Mit­ar­bei­ter bei ei­ner Be­triebs­ver­samm­lung dar­über in­for­miert. Das Un­ter­neh­men hat er­klärt, man wol­le kei­ne be­triebs­be­ding­ten Kün­di­gun­gen aus­spre­chen. Der Ent­schei­dung muss noch der Auf­sichts­rats von Vallou­rec Deutsch­land zu­stim­men, der in sei­ner Sit­zung am 14. Fe­bru­ar dar­über ent­schei­den soll.

„Wir ha­ben lan­ge mit uns ge­run­gen, die Still­le­gung des tra­di­ti­ons­rei­chen Stand­orts in Reis­holz zu be­schlie­ßen“, sagt der Vor­sit­zen­de der Ge­schäfts­füh­rung Dirk Bis­sel: „Lei­der spre­chen die Fak­ten ei­ne ein­deu­ti­ge Spra­che.“An­ge­sichts der schlech­ten Aus­las­tungs­pro­gno­sen für das Werk in den kom­men­den Jah­ren sei man da­von über­zeugt, dass des­sen Schlie­ßung ein not­wen­di­ger Schritt sei. Er ha­be aber die „gro­ße Ent­täu­schung und Frus­tra­ti­on“der Mit­ar­bei­ter wahr­ge­nom­men, die auf ei­ne Fort­füh­rung des Be­triebs im Düs­sel­dor­fer Sü­den ge­hofft hat­ten.

Der Vor­sit­zen­de des Be­triebs­rats Ay­han Üstün zeig­te sich be­trof­fen an­ge­sichts der Ent­schei­dung. „Wir hat­ten bis zu­letzt Hoff­nung, dass das Werk ge­ret­tet wer­den kann, aber jetzt ist auch der letz­te Fun­ken da­von weg.“Der Be­triebs­rat hat­te für die Er­hal­tung des Werks ge­kämpft und un­ter an­de­rem von ei­nem ex­ter­nen Be­ra­ter ein Kon­zept er­ar­bei­ten las­sen, mit dem ei­ne Fort­füh­rung des Werks mit we­ni­ger Mit­ar­bei­tern er­mög­licht wer­den soll­te. „Ich weiß aber na­tür­lich nicht, ob man sich das über­haupt ge­nau­er an­ge­schaut hat.“Das Werk hat an dem Stand­ort im ver­gan­ge­nen Jahr sei­nen 120. Ge­burts­tag ge­fei­ert. Be­reits 1899 war es er­baut wor­den, dort wird mit ei­nem spe­zi­el­len Press- und Zieh­ver­fah­ren ge­ar­bei­tet. In den ver­gan­ge­nen Jah­ren ist die Mit­ar­bei­ter­zahl am Stand­ort be­reits re­du­ziert wor­den.

Nun ge­he es dar­um, über die Zu­kunft der Mit­ar­bei­ter zu re­den, sagt der Be­triebs­rats­vor­sit­zen­de. Das wer­de nun die wich­tigs­te Auf­ga­be in der nächs­ten Zeit sein. Vallou­rec-Chef Bis­sel be­ton­te, man wer­de – im­mer vor­be­halt­lich der Zu­stim­mung des Auf­sichts­ra­tes – zu­nächst ei­nen So­zi­al­plan und In­ter­es­sen­aus­gleich ver­ein­ba­ren. Je­der Mit­ar­bei­ter müs­se sich dar­über klar wer­den, ob er an ei­nen der an­de­ren Stand­or­te des Un­ter­neh­mens in Düs­sel­dorf-Rath oder Mül­heim wech­seln oder sich für ei­ne Ab­fin­dung ent­schei­den will. Da­nach könn­ten Qua­li­fi­ka­tio­nen und die Be­dar­fe an den Stand­or­ten ab­ge­gli­chen wer­den. Nach dem Zeit­plan des Un­ter­neh­mens könn­te der Be­trieb in Reis­holz En­de Ju­ni ein­ge­stellt wer­den.

Vor rund ei­nem Jahr hat­te Vallou­rec Deutsch­land an­ge­sichts der Kri­se auf dem Stahl­markt ei­gent­lich den Ver­kauf des Wer­kes an­ge­kün­digt und ge­hofft, das Ge­schäft bis zum Som­mer ab­zu­schlie­ßen. Ge­sucht wur­de ein Käu­fer, der für den Stand­ort ei­ne Zu­kunfts­per­spek­ti­ve ge­ben kann. Es ha­be auch ei­ni­ge In­ter­es­sen­ten ge­ge­ben, hieß es zwi­schen­zeit­lich.

Im Som­mer hat­te je­doch das chi­ne­si­sche Han­dels­mi­nis­te­ri­um die Ein­fuhr­zöl­le auf Roh­re für den Kraft­werks­markt er­höht – wo­durch sich der Markt für die Pro­duk­te aus Reis­holz noch­mals ver­schlech­ter­te. Chi­na war stets der wich­tigs­te Ab­satz­markt für das Werk Reis­holz, das zu mehr als 90 Pro­zent auf die kon­ven­tio­nel­len Koh­le­kraft­wer­ke aus­ge­rich­tet ist. Zu­dem gab es in Chi­na ei­nen Trend zur Qua­li­fi­zie­rung und För­de­rung lo­ka­ler Her­stel­ler.

FOTO: VALLOU­REC

Das Werk in Reis­holz pro­du­ziert vor al­lem für den chi­ne­si­schen Markt.

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