Von Düs­sel­dorf nach Me­xi­ko

Rheinische Post Hilden - - Düsseldorf­er Wirtschaft -

Von Kaiserswer­th aus ra­delt ger­ne am Rhein ent­lang. Das ent­spannt ihn, macht Freu­de und hält fit. Er isst ger­ne ei­ne kna­cki­ge Brat­wurst oder ei­nen Sau­er­bra­ten. Ei­gent­lich nichts Un­ge­wöhn­li­ches für ei­nen Herrn Bau­jahr 1944. Und doch ist es für Nel­les sehr au­ßer­ge­wöhn­lich, denn die Ge­le­gen­heit, ei­nes der drei Fahr­rä­der aus der Ga­ra­ge zu ho­len, oder sich auf rhei­nisch-ku­li­na­ri­sche Art zu ver­wöh­nen, ist für ihn eher sel­ten. Nel­les, der zwar in Brüssel ge­bo­ren wur­de, aber sei­ne Kind­heit und Jugend in Düs­sel­dorf ver­brach­te, hat sei­nen Haupt­wohn­sitz in Me­xi­ko-Stadt, und im mit­tel­ame­ri­ka­ni­schen Land ge­hört er zum „Club der 300“, der 300 ein­fluss­reichs­ten Ein­woh­ner. „Ich bin drei-, vier­mal im Jahr in Düs­sel­dorf und ge­nie­ße es. In Düs­sel­dorf füh­le ich mich ein­fach wohl. Die Le­bens­qua­li­tät und die Si­cher­heit sind hier ein­fach ex­trem hoch“, er­läu­tert Nel­les. „In der Wo­che ge­he ich in Me­xi­ko abends nicht aus. In Düs­sel­dorf ist das ganz an­ders.“In der Stadt, in der er auf­wuchs, lebt der Kunst­lieb­ha­ber auf, kann be­frei­ter le­ben, nicht im „gol­de­nen Kä­fig“wie in Me­xi­ko.

Dort hat er als In­ha­ber ei­ner Kos­me­tik­fa­brik viel Ver­ant­wor­tung und sich ein fi­nan­zi­ell ent­spann­tes Le­ben er­ar­bei­tet. Der Weg da­hin war je­doch nicht un­be­dingt leicht. „In Düs­sel­dorf war ich auf dem Ja­co­bi, dem Ge­schwis­ter-Scholl und dem Gym­na­si­um Gerresheim. Abitur ha­be ich aber nicht ge­macht. Mit 18 woll­te ich et­was schaf­fen, ich hat­te ja noch die Hun­ger­jah­re nach dem

Ralph Nel­les

Zwei­ten Welt­krieg mit­er­lebt“, sagt Nel­les. „Al­so bin ich mit 18 nach Lon­don. Mir klin­gen noch die Ab­schieds­wor­te ‚Aus dem wird nie was‘ im Ohr.“Da irr­ten sich vie­le, denn nach mehr­jäh­ri­gen Ar­beits­auf­ent­hal­ten in der eng­li­schen Hauptstadt, in Pa­ris und Lissabon, bei de­nen er sich auch als Mo­del Geld ver­dien­te, ver­mit­tel­te ihn ein Head­hun­ter an die deut­sche Phar­ma­in­dus­trie.

„Ich war 25 Jahre lang Ge­ne­ral Ma­na­ger für die phar­ma­zeu­ti­sche In­dus­trie in Me­xi­ko und ha­be dann die Kos­me­tik­fir­ma ge­kauft“, ver­rät Nel­les. Das reich­te dem en­er­gie­ge­la­de­nen Düs­sel­dor­fer aber nicht.

Ir­gend­wie wa­ren Ar­beit und Fa­mi­lie, Nel­les war ver­hei­ra­tet und hat zwei er­wach­se­ne Kin­der, nicht ge­nug, um ein für ihn run­des Le­ben

zu füh­ren. „Ich ha­be mir ein Hob­by ge­sucht und es im Se­geln ge­fun­den“, so Nel­les. „Schon 1961 bin ich in den Düs­sel­dor­fer Yacht­club ein­ge­tre­ten. Der Club be­deu­tet mir viel, weil er zu mei­nen Wur­zeln ge­hört.“Doch auch sein Hob­by zog viel Ar­beit nach sich, eh­ren­amt­li­che Ar­beit. Egal in wel­cher Boots­klas­se er un­ter­wegs war, er wur­de in Me­xi­ko zum Vor­sit­zen­den

der Klas­sen­ver­ei­ni­gung ge­wählt. So se­gel­te er auch einst mit

dem da­ma­li­gen me­xi­ka­ni­schen Seg­ler­prä­si­den­ten, zu­sam­men. We­nig spä­ter war der Düs­sel­dor­fer Sainz’ Nach­fol­ger und auch Vor­stands­mit­glied der „Con­fe­der­a­ción De­por­ti­va Me­xi­ca­na“, dem me­xi­ka­ni­schen Sport­bund. Sei­ne Ar­beit als Funk­tio­när war über­zeu­gend, denn der da­ma­li­ge Vi­ze­prä­si­dent des Na­tio­na­len Olym­pi­schen Ko­mi­tees von Me­xi­ko (COM), hol­te ihn in den COM-Vor­stand. „Das hat mich über­rascht, denn ei­gent­lich ist es un­mög­lich, wo ich doch kein Me­xi­ka­ner bin“, so Nel­les. Sei­ne Fä­hig­kei­ten wa­ren aber so über­zeu­gend, dass es mög­lich ge­macht wur­de. Nach 14 Jah­ren als Seg­ler­prä­si­dent und acht Jah­ren im COM-Vor­stand ist er jetzt in­ter­na­tio­na­ler Re­prä­sen­tant der COM und sitzt bei­spiels­wei­se bei Kon­fe­ren­zen mit IOC-Prä­si­dent Thomas Bach an ei­nem Tisch. Auch be­ruf­lich wur­de er ge­adelt, denn er er­hielt zwei Di­plo­me von po­ly­tech­ni­schen In­sti­tu­ten in Me­xi­ko und hält Vor­trä­ge vor Stu­den­ten. „Für sie bin ich so et­was wie ein Men­tor in Le­bens­er­fah­rung“, so Nel­les. Ins­ge­samt al­so kein schlech­tes Le­ben für je­man­den, der kei­nen Schul­ab­schluss hat und aus dem ja oh­ne­hin nichts wer­den konn­te.

Aa­ron Sainz, Fe­li­pe Mu­noz, Tino Hermanns

RP-FOTO: HANS-JÜRGEN BAU­ER

Ralph Nel­les wuchs in Düs­sel­dorf auf, wur­de Un­ter­neh­mer in Me­xi­ko und ist dort nun auch Re­prä­sen­tant des Na­tio­na­len Olym­pi­schen Ko­mi­tees.

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