Ei­nem Bil­der­schnei­der auf der Spur

Im Köl­ner Mu­se­um Sch­nüt­gen sind zwei ein­drucks­vol­le Kunst­wer­ke aus dem Mit­tel­al­ter re­stau­riert wor­den. Sie bil­den den Mit­tel­punkt ei­ner neu­en Son­der­aus­stel­lung zu Meis­ter Arnt ab An­fang April.

Rheinische Post Hilden - - Köln Kompakt - VON STE­PHAN EP­PIN­GER

KÖLN Der Ge­orgs­al­tar bie­tet dem Be­trach­ter als drei­di­men­sio­na­les Ge­mäl­de al­les, was er vom Mit­tel­al­ter er­war­tet – in der Ge­orgs­le­gen­de gibt es Dra­chen ge­nau­so wie mu­ti­ge Rit­ter und an­mu­ti­ge Prin­zes­sin­nen. Das Be­son­de­re am Wer­ke von Meis­ter Arnt ist der gu­te Er­hal­tungs­zu­stand der Bild­fas­sun­gen, al­so der Far­ben aus dem Mit­tel­al­ter.

Nor­ma­ler­wei­se hat das Re­lief mit sei­nem im­po­san­ten, aus Ei­chen­holz ge­schnitz­ten Re­lief und den bei­den be­mal­ten Al­tar­flü­geln sei­nen Platz in der Ni­co­lai­kir­che in Kalkar am Nie­der­rhein. Die­sen Ort hat das mit­tel­al­ter­li­che Kunst­werk ver­las­sen, um im Köl­ner Mu­se­um Sch­nüt­gen um­fas­send re­stau­riert zu wer­den. Ur­sprüng­lich war ge­plant, nur ein­zel­ne Tei­le aus dem Re­lief nach Köln zu schi­cken – nur ließ sich der Al­tar, an­ders als er­war­tet, nicht aus­ein­an­der­bau­en und ist so kom­plett in die Dom­stadt ge­bracht wor­den.

„Das war ziem­lich auf­wen­dig. Der Al­tar hat kaum durch die Kir­chen­tü­ren ge­passt. Da wa­ren viel­leicht noch zwei Zen­ti­me­ter Ab­stand“, er­in­nert sich Pas­tor Alois van Do­or­nick an den Trans­port. Zehn Al­tä­re und 100 Darstel­lun­gen von Hei­li­gen gibt es in sei­ner an Kunst­wer­ken rei­chen Kir­che. „Der Ge­orgs­al­tar ist aber das Top­stück in der Kir­che, das wir na­tür­lich ent­spre­chend ver­mis­sen, aber wir sind sehr dank­bar, dass wir sol­che Hil­fe bei der Re­stau­rie­rung be­kom­men ha­ben. Und im Al­tar gibt es auch den Be­zug zwi­schen den bei­den Städ­ten. Beim Re­lief geht es um die Ge­orgs­le­gen­de, wo Kalkar als Stadt ab­ge­bil­det wor­den ist. Die Al­tar­flü­gel be­han­deln die Hl. Ur­su­la in Köln mit der ent­spre­chen­den Sky­line.“

Wie auf­wen­dig die Re­stau­rie­rung war, da­von be­rich­tet Re­stau­ra­to­rin Kat­ha­ri­na Lie­be­trau: „Es ist

Jahr­zehn­te her, dass die­ser Al­tar re­stau­riert und ge­rei­nigt wor­den ist. Jetzt ha­ben wir meh­re­re 100 Ar­beits­stun­den ge­braucht, um das Kunst­werk im al­ten Glanz er­strah­len zu las­sen.“Die größ­te Her­aus­for­de­rung sei die Kon­ser­vie­rung der Farb­fas­sun­gen ge­we­sen. „Die Far­be hat sich an vie­len Stel­len vom Holz ge­löst und muss­te erst wie­der be­fes­tigt wer­den.“

Auch die Rei­ni­gung hat viel Zeit ge­kos­tet: „Da gab es auf dem Re­lief vie­le Staub­wol­ken, die sich wie ein Pelz auf die Fi­gu­ren ge­legt hat­ten. Da­zu ka­men Weihrauch und Ker­zen­ruß, die auch ih­re Spu­ren hin­ter­las­sen ha­ben. Au­ßer­dem wur­de bei ei­ner frü­he­ren Re­stau­rie­rung ei­ne dün­ne Wachs­schicht auf­ge­tra­gen, un­ter der al­ter Schmutz fi­xiert war. Auch das ha­ben wir ent­fernt“, be­rich­tet die Ex­per­tin.

Bei der Ar­beit konn­te der Al­tar noch ge­nau­er da­tiert wer­den. Auch das Ma­te­ri­al wur­de ex­akt be­stimmt. So stammt der Holz­block des Re­liefs von ein­hei­mi­schen Ei­chen, wäh­rend die Brett­wa­re in der Er­man­ge­lung von gro­ßen, ge­ra­de ge­wach­se­nen Ei­chen aus dem Bal­ti­kum im­por­tiert wor­den ist.

Ein zwei­tes mit­tel­al­ter­li­ches Kunst­werk von Meis­ter Arnt, das sich im Be­sitz des Mu­se­ums be­fin­det, dem Drei­kö­ni­gen­re­lief, wur­de von Andrea Hün­te­ler re­stau­riert. „Ne­ben dem Er­halt und der Kon­ser­vie­rung der Sub­stanz des Re­liefs war die Zu­ord­nung von drei zum Re­lief ge­hö­ren­den Tei­len, die spä­ter zu­ge­kauft wor­den sind, ei­ne gro­ße Her­aus­for­de­rung. Sie pas­sen, an­ders als er­war­tet, nicht an das gro­ße Re­lief. Das liegt zum ei­nen dar­an, dass die Fi­gu­ren wahr­schein­lich heu­te ei­ne an­de­re Po­si­ti­on im Re­lief hat­ten als ur­sprüng­lich.“

Das ei­gent­li­che Drei­kö­ni­gen­re­lief wur­de 1993 aus fran­zö­si­schem Pri­vat­be­sitz vom Köl­ner Mu­se­um er­wor­ben. Die drei Frag­men­te wur­den dann aus der glei­chen Qu­el­le An­fang 2019 ge­kauft. Sie ge­hö­ren zur Mu­se­ums­samm­lung

und wer­den wie der ge­lie­he­ne Ge­orgs­al­tar ein zen­tra­ler Be­stand­teil der gro­ßen Son­der­aus­stel­lung „Arnt der Bil­der­schnei­der – Meis­ter der be­seel­ten Skulp­tu­ren“, die vom 2. April bis zum 5. Ju­li im Köl­ner Mu­se­um ih­re Pfor­ten öff­net.

Es ist die ers­te mo­no­gra­fi­sche Aus­stel­lung zum Be­grün­der ei­ner rei­chen Bild­schnit­zer­schu­le am Nie­der­rhein und nimmt die Be­trach­ter mit in die Zeit des aus­ge­hen­den Mit­tel­al­ters. Ge­zeigt wer­den et­wa 50 Wer­ke des Künst­lers. Das spät­go­ti­sche Werk Meis­ter Arnts be­sticht durch au­ßer­or­dent­li­che Le­ben­dig­keit, The­men­reich­tum und Er­zähl­freu­de.

FOTO: STE­PHAN EP­PIN­GER

Der Ge­orgs­al­tar stammt aus der Ni­co­lai­kir­che in Kalkar am Nie­der­rhein.

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