Karl Schranz ge­winnt nichts und wird ge­fei­ert

Rheinische Post Hilden - - Gut Leben -

Als der Ski­läu­fer Karl Schranz am 8. Fe­bru­ar 1972 mit dem

Flug­zeug aus To­kio in Wi­en lan­de­te, wur­de er mit Be­geis­te­rung emp­fan­gen. Da­bei war der Sport­ler mit lee­ren Hän­den von den Olym­pi­schen Win­ter­spie­len in Sap­po­ro heim­ge­kehrt. Schon 1968 hat­te er sich Hoff­nun­gen auf Olym­pi­sches Gold ma­chen dür­fen. Er galt als ei­ner der Bes­ten in den al­pi­nen Dis­zi­pli­nen. Doch die Pis­te in Gre­no­ble lag im dich­ten Ne­bel, als Schranz zum Rie­sen­sla­lom an­trat. Als dann auch noch ein Pis­ten­ar­bei­ter die Stre­cke kreuz­te, brach er den Lauf ab. Zu Recht, be­fan­den die Of­fi­zi­el­len zu­nächst und lie­ßen ihn das Ren­nen wie­der­ho­len. Schranz lief Best­zeit, hol­te Gold und wur­de an­schlie­ßend dis­qua­li­fi­ziert. Im Nach­hin­ein wer­te­te man die Wie­der­ho­lung als un­recht­mä­ßig, ein Fran­zo­se wur­de Ers­ter. Die ös­ter­rei­chi­schen Fans wa­ren er­zürnt. Noch schlim­mer war aber, was dem Pu­bli­kums­lieb­ling vier Jahre spä­ter wie­der­fuhr. Avery Br­unda­ge, Chef des In­ter­na­tio­na­len Olym­pi­schen Ko­mi­tees, hat­te ein Bild ge­se­hen, auf dem Schranz ein Ober­teil mit ei­nem Fir­men­lo­go trug. Der Ski­läu­fer wur­de von den Spie­len aus­ge­schlos­sen. Be­grün­dung: Er ha­be ge­gen die Ama­teur­re­geln ver­sto­ßen. Al­le Ein­sprü­che wa­ren ver­ge­bens, Schranz muss­te heim­flie­gen. Dort zeig­ten ihm die Fans, dass er statt ei­ner Me­dail­le ih­re Her­zen ge­won­nen hat­te. Zehn­tau­sen­de emp­fin­gen ihn am Flug­ha­fen, be­glei­te­ten sei­ne Fahrt in die Stadt. Bun­des­kanz­ler Bru­no Kreis­ky lud ihn ins Kanz­ler­amt ein, wo er vom Bal­kon die Men­ge grüß­te. Schranz be­en­de­te da­nach sei­ne Ski­kar­rie­re – ei­nen tri­um­pha­le­ren Emp­fang hät­te er selbst als Olym­pia­sie­ger nicht er­lebt.

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