Mes­se will rund 700 Mil­lio­nen in­ves­tie­ren

Der ak­tu­el­le und der künf­ti­ge Mes­se-Chef spre­chen über die Bi­lanz des Un­ter­neh­mens und die Plä­ne für die Zu­kunft.

Rheinische Post Hilden - - Düsseldorf­er Wirtschaft -

We­gen der un­ter­schied­li­chen Mes­se-Zy­klen lau­fen die Ge­schäfts­jah­re bei der Mes­se sehr ver­schie­den. Al­so: Wie zu­frie­den sind Sie? WER­NER DORNSCHEID­T Ei­ne so ge­ball­te Zeit wie das zwei­te Halb­jahr 2019 und das ers­te Halb­jahr 2020 mit al­len Groß­mes­sen kommt nur al­le neun bis zwölf Jah­re vor. Des­halb war auch un­ser Er­geb­nis im ver­gan­ge­nen Jahr sehr gut, und 2020 wird es noch ein­mal stär­ker – aber 2021 wie­der et­was schwä­cher. We­gen der Zy­klen im Mes­se­ge­schäft. Das Schö­ne dar­an ist, dass das plan­bar ist und es kei­ne gro­ßen Über­ra­schun­gen gibt. Un­se­re Ge­sell­schaf­ter sind zu­frie­den, und wir kön­nen un­se­re In­ves­ti­tio­nen kon­kre­ti­sie­ren.

Ei­ne der wich­tigs­ten In­ves­ti­tio­nen der ver­gan­ge­nen Jah­re ist die frisch fer­tig­ge­stell­te Mes­se­hal­le 1. Was wird die nächs­te gro­ße In­ves­ti­ti­on sein?

DORNSCHEID­T Wir ha­ben in den ver­gan­ge­nen Jah­ren fast 900 Mil­lio­nen Eu­ro in­ves­tiert und zwei Drit­tel des Ge­län­des auf den neu­es­ten Stand ge­bracht. Wir wün­schen uns, dass al­les aus ei­nem Guss ist, auch hin­sicht­lich der Op­tik. Und wenn Sie ei­ne Hal­le pla­nen, dann müs­sen Sie es auch gleich rich­tig ma­chen, und das kos­tet dann in der Re­no­vie­rung schnell 50 Mil­lio­nen Eu­ro – was auch an der kom­ple­xen tech­ni­schen Aus­stat­tung un­se­rer Hal­len liegt. Die Mes­se K mit ih­ren lau­fen­den Ma­schi­nen könn­te man in die­ser Art auf kaum ei­nem an­de­ren Mes­se­ge­län­de der Welt so ver­an­stal­ten.

WOLFRAM DIENER Ich bin viel auf Mes­sen in der gan­zen Welt her­um­ge­kom­men und wür­de sa­gen, das Düs­sel­dor­fer Mes­se-Ge­län­de ist von sei­ner Funk­tio­na­li­tät her ein­zig­ar­tig. Es ist auch gut in Schuss, aber ei­ni­ge Tei­le ge­hö­ren eben zu ei­ner äl­te­ren Ge­ne­ra­ti­on. Wir wer­den über die nächs­ten zehn bis zwölf Jah­re rund 700 Mil­lio­nen Eu­ro in­ves­tie­ren, wenn un­ser Auf­sichts­gre­mi­um zu­stimmt. Im­mer mit Blick auf die An­for­de­run­gen an ein Mes­se­ge­län­de in 20 oder 30 Jah­ren – des­halb tau­schen wir uns eng mit In­dus­trie und Di­enst­leis­tern aus.

Teil Ih­rer Zu­kunfts­pla­nung sind auch ganz neue Mes­sen, bei­spiels­wei­se für Au­to­glas oder für Sä­ge­tech­nik. Wie viel Wachs­tums­po­ten­zi­al liegt in neu­en Mes­sen? DORNSCHEID­T Si­cher weiß man das zu Be­ginn nie. Als wir vor fast 30 Jah­ren mit der ProWein an­fin­gen, sind wir von vie­len aus­ge­lacht wor­den – heu­te ist es die größ­te Wein­mes­se der Welt. Es kommt auf das rich­ti­ge Kon­zept an und dar­auf, wie die In­dus­trie das An­ge­bot an­nimmt.

DIENER Das Kunst­stück ist, den Puls der In­dus­trie zu füh­len, neue Seg­men­te zu ent­de­cken. Manch­mal wird ei­ne Son­der­schau Teil ei­ner eta­blier­ten Mes­se, manch­mal ei­ne ei­ge­ne klei­ne Mes­se.

Aber die Sä­ge­mes­se wird kei­ne neue ProWein, oder?

DIENER Die Saw Ex­po passt zu un­se­ren er­folg­rei­chen Mes­sen Tu­be und Wire, denn de­ren Aus­stel­ler ha­ben Be­darf an Sä­ge­tech­nik. Wir se­hen das al­so als idea­le Er­gän­zung, die Sy­ner­gi­en frei­set­zen wird. Aber na­tür­lich ist es eher ein Ni­schen­the­ma, das nie das gan­ze Ge­län­de fül­len wird.

Gro­ße Mes­sen im In­land neu zu plat­zie­ren, ist schwer. Wird das Aus­lands­ge­schäft in Zu­kunft ei­ne grö­ße­re Rol­le für das Wachs­tum spie­len?

DIENER Der deut­sche Mes­se­markt ist recht sa­tu­riert, das Po­ten­zi­al ist im Aus­land si­cher grö­ßer. Aber auch das Aus­lands­ge­schäft wächst nicht ein­fach über Nacht. Das geht dy­na­mi­scher durch Ak­qui­se neu­er For­ma­te, aber das ist nicht der ein­zi­ge An­satz. Wir set­zen viel­mehr auf das Ver­trau­en, das wir uns bei den Aus­stel­lern er­wor­ben ha­ben. Und das Ge­spräch über die Be­dar­fe un­se­rer Kun­den. Wir be­ob­ach­ten sehr ge­nau, in wel­chen Wachs­tums­märk­ten sich im Be­reich un­se­rer Port­fo­li­os Chan­cen er­ge­ben.

DORNSCHEID­T Wir ge­hen nur mit Ver­an­stal­tun­gen ins Aus­land, bei de­nen wir auch das Know-how ha­ben. Wir wol­len kei­nen Ge­mischt­wa­ren­la­den zu­sam­men­stel­len.

Herr Dornscheid­t, Sie ge­hen Mit­te des Jah­res in den Ru­he­stand. Be­fin­den Sie und Herr Diener sich al­so mo­men­tan in ei­ner gro­ßen Über­ga­be-Pha­se?

DORNSCHEID­T Es gibt kei­ne Über­ga­be im klas­si­schen Sinn, Herr Diener ist im Ge­schäft schließ­lich genau­so drin wie ich. Ich bin noch Vor­sit­zen­der der Ge­schäfts­füh­rung, aber er hat sei­nen ei­ge­nen Be­reich, und wir kom­men uns nicht ins Ge­he­ge. Üb­ri­gens durf­te ich ja bei der Su­che nach mei­nem Nach­fol­ger mit­re­den – dar­an se­hen Sie, dass die Che­mie stimmt.

DIENER Ich den­ke, ich wä­re viel­leicht gar nicht nach Düs­sel­dorf ge­kom­men, wenn ich nicht die­se ho­he Wert­schät­zung für Herrn Dornscheid­t hät­te. Wir ver­tre­ten ähn­li­che Prin­zi­pi­en und ha­ben ähn­li­che Ide­en dar­über, wie das Mes­se­we­sen in der Zu­kunft lau­fen wird. Das be­trifft auch die Fra­ge der Per­so­nal­füh­rung und wie man mit­ein­an­der um­geht.

Der Ab­schied rückt je­den­falls nä­her.

DORNSCHEID­T Man denkt doch et­was häu­fi­ger dar­über nach, und na­tür­lich auch mit Weh­mut, ich war mit Un­ter­bre­chung 45 Jah­re hier. Was die Sa­che leich­ter macht, ist, dass ich al­les hier in gu­ten Hän­den weiß. Und ich wer­de mit Si­cher­heit auch künf­tig et­was tun und nicht nur zu Hau­se im Weg her­um­ste­hen.

Je­den­falls ver­drü­cke ich mich nicht nach Mallor­ca, mei­ne Freun­de sind hier. Ich bin in Düs­sel­dorf zu­hau­se.

Sie könn­ten sich bei ei­ner Düs­sel­dor­fer Mes­se ein Boot oder ei­nen Ca­ra­van kau­fen.

DORNSCHEID­T (über­legt) Mit dem Wohn­mo­bil durch Ka­na­da und die USA, das wür­de ich schon ger­ne ma­chen.

Herr Diener, wenn al­les so flie­ßend in­ein­an­der über­geht, ha­ben Sie wahr­schein­lich gar kein Lam­pen­fie­ber...

DIENER Ich ver­mu­te, der 1. Ju­li wird sich ganz ähn­lich an­füh­len wie der 30. Ju­ni. Ich freue mich drauf.

Wer­den Sie dann das Bü­ro wech­seln?

DIENER Ja, Herr Dornscheid­t hat aus sei­nem Bü­ro den deut­lich schö­ne­ren Aus­blick.

DORNSCHEID­T sind schö­ner.

Und mei­ne Mö­bel

Im Vor­stands­team der Mes­se sind auch künf­tig nur Män­ner. War­um ist das so?

DIENER Ich fän­de es gut, wenn sich das lang­fris­tig än­dern wür­de – nicht aus Quo­ten­grün­den, son­dern wenn es fach­lich und per­sön­lich passt.

DORNSCHEID­T Si­cher kein Prin­zip. Wir be­schäf­ti­gen im Un­ter­neh­men vie­le Frau­en in Lei­tungs­po­si­tio­nen.

Herr Diener, was wer­den Sie künf­tig an­ders ma­chen als Ihr Vor­gän­ger?

DIENER Ich trin­ke mehr Kaf­fee als er. An­sons­ten stellt sich die Fra­ge nicht. Ich über­neh­me ein sub­ven­ti­ons­frei­es und er­folg­rei­ches Un­ter­neh­men, mit ei­ner klas­se Mann­schaft. Na­tür­lich kann man über un­ter­schied­li­che We­ge re­den, um ein Ziel zu er­rei­chen. Und die gibt es si­cher. Je­der hat sei­nen ei­ge­nen An­satz. Aber ins­ge­samt ha­ben wir ein ge­mein­sa­mes Mot­to: Um­bruch und Kon­ti­nui­tät.

RP-FO­TO: ANDRE­AS BRETZ

Mes­se-Chef Wer­ner Dornscheid­t (l.) mit sei­nem de­si­gnier­ten Nach­fol­ger Wolfram Diener

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