Fe­ri­en­flü­ge in Eu­ro­pa wer­den teu­rer

Die Ka­pa­zi­tä­ten der Air­lines sin­ken 2020 um 1,8 Pro­zent. Da­mit zeich­nen sich hö­he­re Prei­se ab. We­gen der Bran­chen­schwä­che rech­net der Flug­ha­fen Düs­sel­dorf 2020 mit Sta­gna­ti­on, Köln-Bonn mit ei­nem er­neu­ten Rück­gang.

Rheinische Post Hilden - - Wirtschaft - VON REIN­HARD KO­WA­LEW­SKY

BER­LIN/DÜS­SEL­DORF Die Zeit dau­er­haft nied­ri­ge­rer Ti­cket­prei­se ist vor­bei. Dies geht aus der Bran­chen­bi­lanz 2019 des Bun­des­ver­bands der Deut­schen Luft­ver­kehrs­wirt­schaft (BDL) her­vor. Die­ser pro­gnos­ti­ziert für das lau­fen­de Jahr wei­ter stei­gen­de Ta­ri­fe. „Die wirt­schaft­li­chen Ent­wick­lun­gen sind nicht spur­los am Luft­ver­kehr vor­bei­ge­gan­gen“, sag­te BDL-Prä­si­dent Klaus-Die­ter Scheur­le. Dem Ver­band zu­fol­ge sind im ver­gan­ge­nen Jahr die Prei­se für Flü­ge zu Zie­len au­ßer­halb Eu­ro­pas um 1,4 Pro­zent­punk­te ge­stie­gen. In­ner­halb Deutsch­lands gin­gen die Ta­ri­fe nur mi­ni­mal um 0,2 Pro­zent­punk­te zu­rück, doch bei den in­ner­eu­ro­päi­schen Flü­gen stieg der Preis um 6,6 Pro­zent­punk­te. Weil die Luft­ver­kehrs­steu­er zum April deut­lich er­höht wird, rech­net Scheur­le al­lei­ne des­halb mit deut­lich hö­he­ren Ti­cket­prei­sen.

Bis En­de Ok­to­ber ha­ben die Air­lines die Zahl der an­ge­bo­te­nen Ti­ckets um 1,8 Pro­zent ge­senkt, be­rich­te­te der BDL. Da­bei legt zwar das An­ge­bot in Rich­tung Über­see zu wie bei­spiels­wei­se in die boo­men­de Ka­ri­bik, doch in Eu­ro­pa sinkt das An­ge­bot um 2,1 Pro­zent, in­ner­halb Deutsch­lands so­gar um 7,1 Pro­zent. Ge­ra­de die Bil­lig­flie­ger Ryanair und Ea­sy­jet so­wie Con­dor ha­ben das An­ge­bot im Ver­gleich zu 2019 aus­ge­dünnt, wo­ge­gen Tuif­ly und der un­ga­ri­sche Bil­lig­flie­ger Wizz wei­ter ex­pan­die­ren.

Die zwei größ­ten Flug­hä­fen in NRW be­stä­ti­gen den Trend. „Wir ge­hen in Düs­sel­dorf 2020 eher von ei­ner Seit­wärts­be­we­gung aus, al­so von ähn­lich vie­len Pas­sa­gie­ren wie 2019“, sag­te ein Spre­cher des Air­ports. 2019 ha­be es mit 25,5 Mil­lio­nen zwar fünf Pro­zent mehr Pas­sa­gie­re ge­ge­ben als 2018, doch jetzt sei eher kein wei­te­res Plus zu er­war­ten. Am Flug­ha­fen Köln-Bonn schrumpf­te

Trend Nach­dem es 2018 ex­trem vie­le Ver­spä­tun­gen gab, er­hol­ten sich die Wer­te 2019 deut­lich.

NRW In Köln lag ei­ne Ver­spä­tung 2018 im Schnitt bei 23,3 Mi­nu­ten, im Jahr 2019 bei 14,1 Mi­nu­ten. In Düs­sel­dorf sank die Ver­spä­tung von durch­schnitt­lich 15,3 Mi­nu­ten (2018) auf 12,5 Mi­nu­ten. die Pas­sa­gier­zahl im ver­gan­ge­nen Jahr be­reits um 600.000 auf 12,4 Mil­lio­nen, weil Eu­ro­wings wich­ti­ge Stre­cken ins be­nach­bar­te Düs­sel­dorf ver­la­gert hat­te. Auf die­ses Jahr schaut Air­port-Chef Jo­han Van­nes­te „ver­hal­ten“, wie er mit­tei­len ließ. So sei da­mit zu rech­nen, dass al­lei­ne we­gen der hö­hen Luft­ver­kehr­steu­er 300.000 Pas­sa­gie­re weg­blie­ben. Vie­le Air­lines wür­den ihr An­ge­bot re­du­zie­ren, sag­te ein Spre­cher.

Die wich­tigs­te Ur­sa­che für die Ent­wick­lung ist, dass nach dem Un­ter­gang von Air Ber­lin im Ok­to­ber 2017 auf­ge­bau­te Über­ka­pa­zi­tä­ten wie­der her­un­ter­ge­fah­ren wer­den. So hat die Luft­han­sa-Toch­ter Eu­ro­wings in Düs­sel­dorf ge­zielt Puf­fer in den Flug­plan ein­ge­baut, um bei Ver­spä­tun­gen leich­ter Er­satz­ma­schi­nen ein­set­zen zu kön­nen. Au­ßer­dem hofft der Ab­le­ger der Kra­nich-Air­line, die Prei­se ge­zielt hö­her trei­ben zu kön­nen, in­dem er das An­ge­bot et­was senkt.

Der BDL strei­tet ab, dass die Kli­ma­schutz­de­bat­te zu we­ni­ger Flug­rei­sen füh­re. „Flug­scham ha­ben wir bis­her noch nicht iden­ti­fi­ziert als Ur­sa­che für Ver­kehrs­rück­gän­ge“, sag­te BDL-Prä­si­dent Scheur­le. Er wehr­te sich auch ge­gen die Kri­tik von Um­welt­ak­ti­vis­ten an in­ner­deut­schen Flü­ge: Ers­tens wür­den Rei­sen per Jet nur vier Pro­zent des in­ner­deut­schen Rei­se­ver­kehrs aus­ma­chen, wo­ge­gen die Bahn auf 23 Pro­zent kä­me und der Pkw auf 68 Pro­zent. Zwei­tens sei ein Drit­tel der in­ner­deut­schen Flug­rei­sen­den Um­stei­ger, die in Frank­furt und Mün­chen in an­de­re Jets wech­sel­ten. Drit­tens sei es nicht wahr, dass in­ner­deut­sche Flü­ge ex­trem bil­lig sei­en: Auf mehr als 80 Pro­zent der Stre­cken sei die Bahn güns­ti­ger als ein Flug. Al­ler­dings muss ge­se­hen wer­den, dass Flü­ge vom Rhein­land nach Ber­lin we­gen der zwei kon­kur­rie­ren­den Air­lines Eu­ro­wings und Ea­sy­jet oft güns­ti­ger als die Bahn sind.

FO­TO: DPA

Flug­ha­fen Düs­sel­dorf.

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