Kla­ge we­gen Müll­con­tai­nern er­folg­los

Lärm und Ab­ga­se vor dem Haus: Woh­nungs­ei­gen­tü­mer im Graf­en­tal for­der­ten Scha­den­er­satz we­gen Wert­min­de­rung.

Rheinische Post Hilden - - Düsseldorf­er Wirtschaft - VON UWE-JENS RUHNAU

Ei­ne Ei­gen­tums­woh­nung in Düs­sel­dorf ist in al­ler Re­gel ei­ne be­deu­ten­de Wert­an­la­ge. Wenn dann ei­ne Con­tai­ner­an­la­ge für Glas und Alt­pa­pier vor dem Haus er­rich­tet wird, kann man dies als Är­ger­nis emp­fin­den. Ge­nau so ist der Fall ei­nes Ehe­paars im Graf­en­tal ge­la­gert. Es sah so­gar den Wert sei­ner Woh­nung her­ab­ge­setzt und ver­lang­te vom Bau­trä­ger Scha­den­er­satz, weil der es beim Kauf nicht über die Ent­sor­gungs­sta­ti­on un­ter­rich­tet hat­te. Der Schuss ging je­doch nach hin­ten los. In zwei In­stan­zen ver­lor das Paar vor Ge­richt und muss jetzt die Ver­fah­rens­kos­ten tra­gen. Die Fak­ten:

Die Woh­nung

Das Ehe­paar hat 2015 ei­ne 136,5 Qua­drat­me­ter gro­ße Vier­zim­mer­woh­nung im zwei­ten Ober­ge­schoss ei­nes Neu­baus an der Ne­u­mann­stra­ße für 541.704 Eu­ro ge­kauft. Die Woh­nung liegt an der so ge­nann­ten Piaz­za, ei­nem klei­nen Platz mit Nah­ver­sor­gungs­mög­lich­kei­ten wie et­wa ei­nem Bä­cker.

Im Graf­en­tal sind ak­tu­ell rund 1000 Woh­nun­gen fer­tig, wei­te­re 600 ent­ste­hen noch.

Die An­la­ge

Die Stadt hat auf öf­fent­li­chem Grund an der Piaz­za ei­ne Con­tai­ner­an­la­ge für Alt­pa­pier und Glas ge­baut. Sie be­steht aus vier gro­ßen Nie­der­flur­con­tai­nern, ober­ir­disch sieht man nur die Ein­füll­ge­häu­se. Der Ab­stand zum Haus be­trägt 21,5 Me­ter. In­wie­weit die An­la­ge zum Zeit­punkt des Kaufs zu se­hen war, konn­te nicht ge­klärt wer­den. Sie war im Bau oder be­reits fer­tig.

Der Vor­wurf

Das Ehe­paar for­der­te zu­nächst die Stadt auf, die An­la­ge zu ver­le­gen. Als dies nicht ge­schah, zo­gen die Leu­te vor das Land­ge­richt. Das Paar sprach in sei­ner Kla­ge von arg­lis­ti­ger Täu­schung. Die Graf­en­tal Gm­bH ha­be auf die Con­tai­ner beim Kauf nicht hin­ge­wie­sen. Durch Lärm beim Gla­sein­wurf so­wie Ab­ga­se durch hal­ten­de Au­tos sei der Wert der Woh­nung nun­mehr ge­min­dert.

Ein Gut­ach­ten, an dem sich an­de­re Ei­gen­tü­mer des Hau­ses fi­nan­zi­ell be­tei­lig­ten, be­zif­fer­te die Min­de­rung auf 30.000 Eu­ro. In der Kla­ge soll­te zu­nächst nur ein Teil die­ser Sum­me, näm­lich 10.000 Eu­ro, erstrit­ten wer­den.

Die Ur­tei­le

Schon das Land­ge­richt lehn­te die Kla­ge der Woh­nungs­ei­gen­tü­mer

ab. Auch der 21. Zi­vil­se­nat des Ober­lan­des­ge­richts ent­schied in der Be­ru­fungs­ver­hand­lung, die öko­lo­gisch sinn­vol­le Ab­fall­ent­sor­gung ge­hö­re zum ur­ba­nen Le­ben, für das die Ehe­leu­te sich mit der Stand­ort­wahl ih­rer Ei­gen­tums­woh­nung ent­schie­den hät­ten. Die da­mit ein­her­ge­hen­den Be­ein­träch­ti­gun­gen sei­en un­ver­meid­bar und hin­zu­neh­men.

Aus der Hö­he des von den Ehe­leu­ten ge­zahl­ten Kauf­prei­ses er­ge­be sich kein an­de­rer Maß­stab: Auch in Wohn­vier­teln mit ge­ho­be­nen Qua­drat­me­ter­prei­sen müs­se die Ab­fall­ent­sor­gung si­cher­ge­stellt sein. Die Be­ein­träch­ti­gung der Bür­ger sei „so­zi­al­ad­äquat“.

Die Kos­ten

Die Re­vi­si­on zum Bun­des­ge­richts­hof hat das OLG nicht zu­ge­las­sen. Die Klä­ger müs­sen die Ver­fah­rens­kos­ten tra­gen. Laut Kos­ten­rech­ner der NRW-Jus­tiz sind dies für bei­de Ver­fah­ren rund 8800 Eu­ro, al­so fast so viel, wie das Paar er­strei­ten woll­te.

Kommt so et­was öf­ter vor?

Andre­as Maus­ka, Ge­schäfts­füh­rer der Graf­en­tal Gm­bH, spricht von ei­nem Ein­zel­fall. Al­ler­dings gibt es ei­nen pro­mi­nen­ten Vor­gän­ger: Be­woh­ner an der Rhein­ufer­pro­me­na­de for­der­ten in den neun­zi­ger Jah­ren Scha­den­er­satz, da ih­nen die Lüf­ter­bau­wer­ke des Tun­nels an­geb­lich den Pan­ora­ma­blick ver­sperr­ten. Auch sie hat­ten kei­nen Er­folg.

RP-FO­TO: ANDRE­AS BRETZ

Die­se Con­tai­ner­an­la­ge für Alt­glas und Pa­pier im Graf­en­tal an der Ne­u­mann­stra­ße be­schäf­tig­te jetzt das Ober­lan­des­ge­richt. Das Ur­teil lau­tet: Die An­woh­ner müs­sen mit der An­la­ge le­ben.

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