De­rya Schnel­ler und Scot­ty ret­ten Ver­miss­ten

Bei der Su­che nach ei­nem 84-Jäh­ri­gen setz­te die Po­li­zei auch ei­nen Hund ein. Als der Man­trai­ler aus Haan ihn auf­spür­te, war er be­reits stark un­ter­kühlt.

Rheinische Post Hilden - - Haan - VON CHRIS­TOPH SCHMIDT

HAAN Es war Ret­tung in buch­stäb­lich letz­ter Mi­nu­te, sagt die Po­li­zei: Der 84-Jäh­ri­ge war be­reits stark un­ter­kühlt, als De­rya Schnel­ler und ihr Spür­hund „Scot­ty“am Frei­tag, 7. Fe­bru­ar, ge­gen 21.30 Uhr den Mann in ei­nem Ge­büsch in der Nä­he sei­nes Se­nio­ren­heims in Mon­heim fan­den. „Die Toch­ter des al­ten Herrn hat vor Freu­de und Er­leich­te­rung ge­weint, dass ihr Va­ter wie­der da war“, er­zählt die Hun­de­füh­re­rin der DLRG Haan. Der De­menz­kran­ke kam so­fort ins Kran­ken­haus.

Auch die Kreis­po­li­zei Mett­mann ist er­leich­tert: „Wir be­dan­ken uns noch ein­mal aus­drück­lich für die tat­kräf­ti­ge Hil­fe (...) bei dem eng­li­schen Co­cker-Spa­ni­el Scot­ty so­wie sei­ner Hun­de­füh­re­rin De­rya Schnel­ler.“Die Be­am­ten hat­ten mit gro­ßem Auf­wand be­reits mehr als zwei­ein­halb St­un­den nach dem ver­miss­ten Se­ni­or ge­sucht (Ver­wand­te und Heim­be­leg­schaft vier­ein­halb St­un­den), auch mit Un­ter­stüt­zung ei­nes Po­li­zei­hub­schrau­bers, der un­ter an­de­rem ei­ne Wär­me­bild­ka­me­ra an Bord hat­te.

Trotz aus­ge­feil­ter Tech­nik hat­te Scot­ty wie­der mal die Na­se vorn. Im dop­pel­ten Wort­sinn: Sei­ne Na­se hat bis zu 300 Mil­lio­nen Riech­zel­len – und da­mit bis zu 60 Mal mehr Re­zep­to­ren als der Mensch. Die Flä­che der Riech­schleim­haut des Hun­des ist mit 200 Qua­drat­zen­ti­me­tern zehn­mal so groß wie die ei­nes Men­schen. Hun­de kön­nen mehr als drei Me­ter tief in den Bo­den und et­wa acht Me­ter in ei­ne ge­schlos­se­ne Schnee­de­cken hin­ein rie­chen.

„Ich woll­te Scot­ty art­ge­recht be­schäf­ti­gen“, er­zählt die Tier­freun­din. So ent­deck­te sie schon früh die be­son­ders fei­ne Na­se ih­res Co­cker-Spa­ni­els: „Er hat schon im­mer ger­ne Spu­ren ver­folgt. Das ha­ben wir dann spie­le­risch aus­ge­baut.“

Die Deut­schen Le­bens­ret­tungs­ge­sell­schaft (DLRG) Haan hat ei­ne Grup­pe für Ret­tungs­hun­de. „Wir sind un­ge­fähr 15 Hun­de­hal­ter und trai­nie­ren zwei­mal die Wo­che“, be­rich­tet die In­for­ma­ti­ke­rin: „Im­mer an ver­schie­de­nen Or­ten, da­mit die Hun­de ver­schie­de­ne Ge­ge­ben­hei­ten ken­nen ler­nen.“Bis zum ers­ten Ein­satz sei es ein lan­ger Weg: „Wir Hun­de­füh­rer und un­se­re Tie­re müs­sen vie­le Prü­fun­gen ab­le­gen. Wir müs­sen Kar­ten le­sen kön­nen, um uns zu ori­en­tie­ren, fun­ken ler­nen und den Ret­tungs­schwim­mer ab­le­gen.“

Die aus­ge­bil­de­ten Teams nimmt die Lan­des­leit­stel­le der Po­li­zei in Duis­burg dann in ih­re Kar­tei auf. „Wenn ein Mensch ver­misst wird, schaut man dort nach, ob ein Such­hund-Team in der Nä­he ist und Zeit hat.“Ein­sät­ze ge­be es zu je­der Ta­ges

und Nacht­zeit. Da­bei ar­bei­ten De­rya Schnel­ler und ih­re Ka­me­ra­den eh­ren­amt­lich.

Scot­ty hat schon ei­ne Su­perna­se. Aber wenn die Ge­such­ten in ei­nen Bus oder ei­ne Bahn ein­stei­gen, kann auch er ih­re Spur nicht mehr ver­fol­gen. „Das pas­siert in der Stadt häu­fig“, er­zählt die en­ga­gier­te Hun­de­füh­re­rin: „Erst am Sams­tag ist uns das in Vel­bert pas­siert. Der Ge­such­te ist in den Zug nach Dort­mund ge­stie­gen, dort zum Glück aber ge­fun­den wor­den.“

Ganz wich­tig: Nach je­der Such­ak­ti­on muss Scot­ty be­lohnt wer­den – da­mit er nicht die Lust ver­liert. Ei­ni­ge Hun­de­füh­rer spie­len dann in­ten­siv mit ih­ren Vier­bei­nern.

Scot­ty da­ge­gen steht auf Le­cker­li. „Lachs, Kä­se oder Fleisch­wurst – er mag ei­gent­lich al­les“, lacht De­rya Schnel­ler.

Die Er­kra­the­rin be­kommt viel Lob und Mo­ti­va­ti­on von ih­rer Fa­mi­lie und ih­ren Freun­den: „Sie fin­den mei­ne Ar­beit toll und un­ter­stüt­zen mich. Wir ma­chen das wirk­lich sehr gern.“Ihr Sohn De­mi­an (18) en­ga­giert sich auch eh­ren­amt­lich im Ret­tungs­dienst und macht ge­ra­de ei­ne Aus­bil­dung zum Not­fall­sa­ni­tä­ter. „De­mi­an hat mich be­glei­tet, als wir am Frei­tag nach dem ver­miss­ten 84-Jäh­ri­gen ge­sucht ha­ben“, er­zählt De­rya Schnel­ler: „Er hat Ers­te Hil­fe ge­leis­tet.“Und dann spürt man, wie stolz sie auf ih­ren Sohn ist.

FO­TO: DLRG HAAN

Hun­de­füh­re­rin De­rya Schnel­ler mit ih­rem eng­li­schen Co­cker-Spa­ni­el „Scot­ty“. Er kann den In­di­vi­dual­ge­ruch von Men­schen auf­neh­men und die Ver­miss­ten auf­spü­ren.

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