Hei­mat­lie­be auf den zwei­ten Blick

Rheinische Post Hilden - - Düsseldorf­er Wirtschaft -

Ge­bo­ren wur­de Patrik Fich­te in Düsseldorf, spä­ter dreh­te er zwei Jah­re lang für die in Düsseldorf spie­len­de Soap „Ver­bo­te­ne Lie­be“– und doch hat­te der Schau­spie­ler nie ei­nen rich­ti­gen Be­zug zur Lan­des­haupt­stadt, da er den größ­ten Teil sei­nes Le­bens in Nord­deutsch­land ver­brach­te. Das än­der­te sich erst durch ei­nen Fern­seh­auf­tritt im ZDF.

Fich­tes Schau­spiel­kar­rie­re be­gann zu­nächst am Thea­ter, wo er zwölf Jah­re lang spiel­te. Es folg­ten ei­ni­ge Auf­trit­te im Fern­se­hen und schließ­lich zu Be­ginn des neu­en Jahr­tau­sends das An­ge­bot, in der ARD-Se­rie „Ver­bo­te­ne Lie­be“mit­zu­spie­len. Zwei Jah­re wirk­te er dort mit, be­vor er die Se­rie ver­ließ – auf ei­ge­nen Wunsch. „Mich lang­weilt es, im­mer das­sel­be zu ma­chen“, sagt er. Zwei Jahr­zehn­te in der Pro­duk­ti­on mit­zu­spie­len, wie es ei­ni­ge sei­ner Kol­le­gen mach­ten, wä­re für ihn nie in­fra­ge ge­kom­men. Doch nach sei­nem Aus­stieg bei „Ver­bo­te­ne Lie­be“blie­ben die Rol­len­an­ge­bo­te zu­nächst über­schau­bar. In Deutsch­land ge­be es noch ein gro­ßes Schub­la­den-Den­ken, er­zählt er. Soap-Darstel­ler hät­ten es da nicht leicht. „Nach Ver­bo­te­ne Lie­be war ich im Sau­re-Gur­ken-Glas.“

Ent­spre­chend zu­rück­hal­tend war sei­ne Be­geis­te­rung, als das ZDF ihn ei­ni­ge Jah­re spä­ter an­frag­te, in der Te­le­no­ve­la „Bi­an­ca – We­ge zum Glück“die Haupt­rol­le zu über­neh­men. „Ich hat­te Sor­ge vor der Zeit da­nach.“Doch der TV-Sen­der über­zeug­te ihn schluss­end­lich mit dem Ver­spre­chen, ihn an­schlie­ßend in wei­te­ren TV-Pro­duk­tio­nen wie Fil­men aus der Rei­he von Ro­sa­mun­de Pil­cher zu be­set­zen, so­dass Patrik Fich­te schließ­lich zu­sag­te. Ei­ne Ent­schei­dung, die er nicht be­reu­te. „Bi­an­ca war ein Aben­teu­er und auch die schöns­te Zeit in mei­nem Le­ben.“Und das, ob­wohl das Pro­jekt mit rund 14 St­un­den lan­gen Dreh­ta­gen viel Ar­beit in An­spruch nahm. Denn die Se­rie war nicht nur die ers­te deut­sche Te­le­no­ve­la, son­dern auch die ers­te täg­li­che Se­rie mit ei­ner Län­ge von 45 Mi­nu­ten pro Fol­ge, was ei­nen gro­ßen Auf­wand

für das Pro­duk­ti­ons­team be­deu­te­te. Doch der Er­folg der Se­rie ent­schä­dig­te für den Auf­wand.

In die­ser Zeit ent­deck­te er auch sei­ne bis da­hin un­be­kann­te Hei­mat­stadt. Im Al­ter von zwei Jah­ren wa­ren sei­ne El­tern aus Düsseldorf

weg­ge­zo­gen und ob­wohl die Soap „Ver­bo­te­ne Lie­be“in der Lan­des­haupt­stadt spiel­te, fan­den die Dreh­ar­bei­ten in und um Köln statt, so­dass Patrik Fich­te nie so rich­tig mit Düsseldorf in Be­rüh­rung kam. Als er je­doch für ei­nen Auf­tritt in der ZDF-Sen­dung „Vol­le Kan­ne“nach Düsseldorf reis­te, nutz­te er die Chan­ce, sich ein­mal in sei­ner Ge­burts­stadt um­zu­schau­en – und war so be­geis­tert, dass er so­gar noch ei­nen Tag län­ger als ge­plant blieb. Die Ar­chi­tek­tur im Me­di­en­ha­fen ge­fiel ihm da­bei am bes­ten an der Stadt und müs­se sich nicht hin­ter an­de­ren Städ­te wie bei­spiels­wei­se Hamburg ver­ste­cken. Aber er fand auch an der be­leb­ten Alt­stadt und vor al­lem den Men­schen ge­fal­len: „Mich hat die Um­gäng­lich­keit der Leu­te hier be­geis­tert.“In­zwi­schen ist der 54-Jäh­ri­ge öf­ters am Rhein, da so­wohl ein gu­ter Freund als auch zwei sei­ner Tan­ten in und um Düsseldorf woh­nen.

Aber auch be­ruf­lich hat Patrik Fich­te Neu­es ent­deckt. Denn ak­tu­ell ar­bei­tet er nicht vor, son­dern hin­ter der Ka­me­ra. Nach­dem er von 2013 bis 2014 in der ARD-Te­le­no­ve­la „Ro­te Ro­sen“– sei­nem drit­ten Se­ri­en­en­ga­ge­ment – mit­ge­spielt hat­te, be­kam er die Mög­lich­keit, sich als Re­gis­seur zu ver­su­chen. Ei­gent­lich woll­te er aus der Se­rie aus­stei­gen, doch die Ver­ant­wort­li­chen woll­ten ihn un­be­dingt hal­ten. „Dann ha­be ich ge­sagt: ‚Lasst mich die Se­rie doch in­sze­nie­ren.‘“Zu sei­ner Über­ra­schung nah­men ihn die Pro­du­zen­ten beim Wort, so­dass er be­reits we­nig spä­ter sei­ne Re­gie-Kol­le­gen bei der Ar­beit be­glei­te­te, be­vor er schließ­lich selbst das Zep­ter in die Hand nahm. In­zwi­schen hat er sich gut in sei­ne neue Rol­le ein­ge­fügt, zu­dem hel­fe ihm die jah­re­lan­ge Er­fah­rung als Schau­spie­ler. „Für mich ist es ein gro­ßes Ge­schenk mei­nes Le­bens“, sagt er über sei­ne zwei­te Kar­rie­re. Doch so ganz will er sich von der Ar­beit vor der Ka­me­ra nicht ver­ab­schie­den, wie er ver­rät. So sei­en in die­sem Jahr be­reits ei­ni­ge Pro­jek­te in Pla­nung, auch wenn er ak­tu­ell noch nichts ver­ra­ten dür­fe.

Da­ni­el Schra­der

FO­TO: M. HLOUSCHEK

Der Schau­spie­ler Patrik Fich­te wur­de in Düsseldorf ge­bo­ren, lern­te sei­ne Hei­mat aber erst durch ei­ne TVShow ken­nen und schät­zen.

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