Merz stellt die Macht­fra­ge

Der Traum der CDU, den Par­tei­vor­sitz in Ru­he zu klä­ren, ist schon ge­platzt. Mer­kels Wi­der­sa­cher ist zur Kampf­kan­di­da­tur be­reit.

Rheinische Post Hilden - - Politik -

zu be­gnü­gen. Ei­ni­ge St­un­den zu­vor steht Spahn vor Mi­kro­fo­nen. Als Ge­sund­heits­mi­nis­ter. Aber na­tür­lich wird er nach sei­nen Am­bi­tio­nen in der CDU ge­fragt.

Spahn war bei der Kampf­kan­di­da­tur 2018 der Drit­te im Bun­de. Ge­nervt von dem Druck der Me­di­en sagt er am Mitt­woch, er ha­be im­mer ge­sagt, dass er be­reit sei, Ver­ant­wor­tung zu über­neh­men. „In wel­cher Kom­bi­na­ti­on das aber ge­schieht, dar­über re­den wir jetzt in den nächs­ten Ta­gen.“Er fin­de, es müss­ten doch al­le mal ak­zep­tie­ren, dass es ein paar Ta­ge dau­ern dür­fe, um die Din­ge ein­fach in Ru­he zu be­spre­chen. Ein from­mer Wunsch. Mit der Ru­he ist es schnell vor­bei, auch wenn von La­schet zu­nächst nichts zu hö­ren ist.

Vie­les deu­tet dar­auf hin, dass es schnell ge­hen soll mit der Ent­schei­dung. Kramp-Kar­ren­bau­er will in der nächs­ten Wo­che Ge­sprä­che mit dem oder den mög­li­chen Kan­di­da­ten füh­ren. Am Wo­che­n­en­de könn­te sie sich mit CSU-Chef Mar­kus Sö­der am Ran­de der Münch­ner Si­cher­heits­kon­fe­renz tref­fen. Mög­lich sei ein Son­der­par­tei­tag im Mai für die Wahl des neu­en star­ken Man­nes der CDU – Frau­en sind je­den­falls nicht in Sicht. In­wie­weit Kramp-Kar­ren­bau­er aber wirk­lich noch die Fä­den in der Hand hat, ist frag­lich, wenn Merz schon jetzt deut­lich macht, dass er so oder so kan­di­die­ren will.

Ent­schei­dend wer­de es auf Kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel an­kom­men, heißt es im CDU-Prä­si­di­um. Als pro­ble­ma­tisch wird die Kon­stel­la­ti­on ei­nes neu­en Par­tei­vor­sit­zen­den und Kanz­ler­kan­di­da­ten so­zu­sa­gen un­ter Mer­kel für ei­nen der­art lan­gen Zei­t­raum

wie bis zur re­gu­lä­ren Bun­des­tags­wahl im Herbst 2021 an­ge­se­hen. Wür­de die Wahl auf Merz fal­len sei die gro­ße Ko­ali­ti­on in Ge­fahr, heißt es in der Bun­des­tags­uni­ons­frak­ti­on. Denn Merz wür­de ver­su­chen, Mer­kel aus dem Amt zu drän­gen und wo­mög­lich ei­ne Min­der­heits­re­gie­rung zu bil­den. Das wür­de Mer­kel, die un­ter an­de­rem in­ten­siv die deut­sche EU-Rats­prä­si­dent­schaft im zwei­ten Halb­jahr die­ses Jah­res vor­be­rei­tet, zu ver­hin­dern su­chen. Wie­der­um könn­te nach Kramp-Kar­ren­bau­er auch der Nach­fol­ger schei­tern,

wenn er sich 18 Mo­na­te so­zu­sa­gen un­ter Mer­kel pro­fi­lie­ren soll.

Wo­mög­lich wird noch ein an­de­rer Na­me bei der Su­che nach ei­ner Lö­sung fal­len, noch ein Mann und eben­falls aus NRW: Ralph Brink­haus, Bun­des­tags­frak­ti­ons­chef von CDU und CSU. Er ha­be der­art kämp­fe­ri­sche Re­den in jüngs­ter Zeit ge­hal­ten, dass es sich mit­un­ter wie ei­ne Be­wer­bung um grö­ße­re Auf­ga­ben an­ge­hört ha­be. Nun mahnt Brink­haus, dass nicht nur über Per­so­nen ent­schie­den wer­den müs­se. Die neue Füh­rungs­fi­gur müs­se vor al­lem zum ge­wünsch­ten Pro­fil der Uni­on als „Volks­par­tei der Mit­te“pas­sen. Um schnell Sta­bi­li­tät in die Uni­on zu be­kom­men, be­stün­de die Kunst im Ein­ver­neh­men. Die po­ten­zi­el­len Kan­di­da­ten müss­ten sich ei­ni­gen, wer es ma­chen soll.

Das er­scheint jetzt erst ein­mal wie­der schwie­ri­ger. Für die CDU geht es nicht nur um ei­ne neue Füh­rungs­kraft, son­dern auch um de­ren Kurs, die künf­ti­gen In­hal­te, die wich­tigs­ten The­men. Aus dem Prä­si­di­um ver­lau­tet, noch sei Mer­kel die be­lieb­tes­te CDU-Po­li­ti­ke­rin. Wür­de sie aus dem Amt ge­drängt, könn­te der mög­li­che „Kö­ni­gin­mör­der“bei der nächs­ten Bun­des­tags­wahl das Nach­se­hen ha­ben. Der Kö­nigs­weg ge­he nur mit ihr – und nur, wenn sie sich aus Über­zeu­gung zu­rück­zö­ge, oh­ne sie.

FO­TO: BUTZMANN/LAIF

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.