IT-Fach­kräf­te im Rhein­land ge­sucht

Die Zahl der Job-Anzeigen, in de­nen nach Ex­per­ten ge­sucht wird, steigt ra­sant. Das hängt mit dem gro­ßen Be­darf in eta­blier­ten Un­ter­neh­men zu­sam­men – aber auch mit ei­ner wach­sen­den Grün­der­sze­ne.

Rheinische Post Hilden - - Wirtschaft - VON FLO­RI­AN RIN­KE

DÜSSELDORF In zwölf Wo­chen den Fach­kräf­te­man­gel be­he­ben – das kann man als äu­ßerst am­bi­tio­niert be­zeich­nen oder sch­licht als ein­gän­gi­ge Wer­be­bot­schaft. So oder so: Seit Mon­tag wer­den in der fu­tu­ris­ti­schen Um­ge­bung des Köl­ner Grün­der­zen­trums „The Ship“in ei­nem In­ten­siv­kurs Webent­wick­ler aus­ge­bil­det. Die Spiced Aca­de­my, die hin­ter die­sem Kurs steht, hat hier ei­ne Nie­der­las­sung er­öff­net – es ist erst die zwei­te ne­ben dem Stand­ort in Berlin. „Deutsch­land braucht mehr IT-Ta­len­te“, sagt Spiced-Ge­schäfts­füh­rer Fre­de­rik Al­d­ag, des­sen An­ge­bot sich ex­pli­zit an Quer­ein­stei­ger rich­tet.

Wie groß der Be­darf an Fach­kräf­ten

„Es braucht kein Berlin, um er­folg­reich zu grün­den“

Frank The­len In­ves­tor

vor al­lem im Rhein­land ist, zei­gen auch Da­ten der Job-Platt­form In­de­ed. Die Zahl der Stel­len­an­zei­gen ist dem­nach in den ver­gan­ge­nen Jah­ren in Städ­ten wie Aa­chen, Köln, Bonn oder Düsseldorf in den Be­rei­chen Cy­ber­si­cher­heit, Cloud-Ex­per­ten, Webent­wick­lung oder Da­ta Sci­en­tists ra­sant ge­stie­gen (sie­he Gra­fik). Der Be­darf ist nicht nur bei eta­blier­ten Un­ter­neh­men groß, son­dern auch in der sich im­mer stär­ker ent­wi­ckeln­den Grün­der­sze­ne.

Die prä­sen­tiert sich auch am heu­ti­gen Don­ners­tag beim Di­gi­tal De­mo Day in Düsseldorf, ei­ner der wich­tigs­ten Start-up-Ver­an­stal­tun­gen in NRW. Knapp 4000 Teil­neh­mer wer­den er­war­tet, dar­un­ter auch

Gäs­te aus In­di­en, Un­garn oder Is­ra­el. Ziel der Ver­an­stal­tung ist es, Mit­tel­stand und Kon­zer­ne mit Start-ups in Kon­takt zu brin­gen. Die Ma­cher um Kle­mens Gai­da, Chef des Star­t­up-Netz­werks Di­gi­hub, sind über­zeugt, dass dar­in ei­ne Stär­ke der Re­gi­on liegt: „NRW hat sich zu ei­nem er­folg­rei­chen Start-up-Land spe­zi­ell im Be­reich B2B und In­dus­trie ent­wi­ckelt“, sagt Gai­da. B2B, da­mit ist das Ge­schäft zwi­schen Fir­men­kun­den (“Bu­si­ness-to-Bu­si­ness“) ge­meint.

Auch füh­ren­de Köp­fe in der deut­schen Grün­der­sze­ne se­hen das Po­ten­zi­al der Re­gi­on. „NRW ist durch sei­ne geo­gra­fi­schen Ge­ge­ben­hei­ten, sein her­vor­ra­gen­des Netz­werk und nicht zu­letzt auch durch die po­li­ti­sche Füh­rung durch Andre­as Pink­wart und Ar­min La­schet (den NRW-Wirt­schafts­mi­nis­ter und den Mi­nis­ter­prä­si­den­ten, Anm. d. Redaktion) ein at­trak­ti­ver Stand­ort für jun­ge Un­ter­neh­men ge­wor­den“, sagt der Bon­ner In­ves­tor Frank The­len, der die Lan­des­re­gie­rung bei Di­gi­talthe­men be­rät. Es ge­be vie­le Hid­den Cham­pi­ons und Fa­mi­ly Of­fices in NRW, die sich der In­no­va­ti­ons­kraft von Start-ups be­wusst sei­en und hier ak­tiv un­ter­stüt­zen woll­ten: „Ich wie der Di­gi­tal De­mo Day hel­fen da­bei, wert­vol­le Kon­tak­te auf­zu­bau­en. Ich freue mich sehr über die­se Ent­wick­lung. Da ich selbst al­le mei­ne Fir­men aus Bonn auf­ge­baut ha­be, kann ich sa­gen: Es braucht kein Berlin, um er­folg­reich zu grün­den.“

Auch ein an­de­rer Bon­ner, der Ge­schäfts­füh­rer des In­ves­tors High­tech-Grün­der­fonds, Alex­an­der von Fran­ken­berg, sieht die La­ge po­si­tiv: Es ge­be ei­ne wach­sen­de Zahl von In­ves­to­ren und sehr er­folg­rei­che Grün­dun­gen, sagt er: „In Sum­me gibt es im Rhein­land ei­nen Cock­tail an Zu­ta­ten für ei­ne Hei­mat wei­te­rer

Uni­corns.“Als Uni­corns, al­so Ein­hör­ner, wer­den Start-ups be­zeich­net, die vor dem Ver­kauf oder Bör­sen­gang auf ei­ne Be­wer­tung von min­des­tens ei­ner Mil­li­ar­de Dol­lar kom­men. Bis­lang ist die­se Spe­zi­es in NRW rar ge­sät, um nicht zu sa­gen: Sie fehlt. Berlin und Mün­chen kön­nen dank Au­to1 („Wir­kau­fend­einAu­to“), der Di­gi­tal-Bank N26 (bei­de Berlin) oder den Mo­bi­li­täts­an­bie­ter Flix­bus (Mün­chen) gleich meh­re­re die­ser Ein­hör­ner auf­wei­sen.

Aus Sicht von Ma­rie-He­le­ne Amets­rei­ter gibt es da­her wei­ter­hin Nach­hol­be­darf. In NRW hät­ten zwar im Län­der­ver­gleich die meis­ten Fir­men ih­ren Sitz, sagt die Part­ne­rin beim Ri­si­ko­ka­pi­tal­ge­ber Spee­din­vest, doch spe­zi­ell bei der Fi­nan­zie­rung von Start-ups hät­ten an­de­re Re­gio­nen wie Berlin oder Mün­chen noch die Na­se vorn. „Dies zeigt, dass die Re­gi­on noch ein gro­ßes, der­zeit un­ge­nutz­tes Po­ten­zi­al hat, so­bald eta­blier­te Un­ter­neh­men Start-ups mehr als mög­li­che In­no­va­ti­ons­quel­le se­hen und mit die­sen kol­la­bo­rie­ren, die­se fi­nan­zie­ren oder spä­ter even­tu­ell ak­qui­rie­ren“, sagt Amets­rei­ter.

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