Trai­ning mit dem Groß­meis­ter

Der Ukrai­ner Alex­an­der Be­re­lo­witsch übt zwei­mal mo­nat­lich mit den Ju­gend­li­chen des Düs­sel­dor­fer Schach­klubs, für den er auch in den Bun­des­li­gen spielt.

Rheinische Post Hilden - - Sport Lokal - VON MAN­FRED JO­HANN

Ir­gend­wo im Pfarr­zen­trum St. Adol­fus an der Kai­sers­wer­t­her Stra­ße klin­gelt ziem­lich laut ein Han­dy und un­ter­bricht hef­tig die kon­zen­trier­te Stil­le, die im Trai­nings­raum für die Ju­gend­li­chen des Düs­sel­dor­fer Schach­klubs herrscht. Die Teil­neh­mer der Trai­nings­grup­pe mit den Fort­ge­schrit­te­nen las­sen sich durch das Ge­bim­mel in ih­rer Kon­zen­tra­ti­on nicht stö­ren. Sie sind ver­tieft in ih­rer Su­che nach ei­ner Ant­wort auf das Rät­sel, das Alex­an­der Be­re­lo­witsch ih­nen auf­ge­ge­ben hat.

Der in der Ukrai­ne ge­bo­re­ne Schach­pro­fi trägt seit 1997 den Ti­tel des Groß­meis­ters, hat zahl­rei­che na­tio­na­le und in­ter­na­tio­na­le Ti­tel ge­won­nen. Er spielt nicht nur für den Düs­sel­dor­fer Schach­klub in der 1. und 2. Bun­des­li­ga. Er ist auch in den Meis­ter­klas­sen in den Nie­der­lan­den, Bel­gi­en und Lu­xem­burg ak­tiv. „In Zu­kunft will ich mich mehr auf die Tä­tig­keit als Schach­trai­ner kon­zen­trie­ren“, sagt der 54-Jäh­ri­ge: „Denn je äl­ter man wird, des­to schwie­ri­ger wird es, auf höchs­tem Ni­veau Schach zu spie­len.“Frü­her sei er rich­tig be­ses­sen ge­we­sen, ha­be je­den Tag vier bis sechs St­un­den trai­niert. „Jetzt be­rei­te ich mich auf die Auf­ga­be vor, an­de­ren zu mehr Kön­nen zu ver­hel­fen.“Das be­ginnt im Un­ter­richt da­mit, dass er sei­nen Schütz­lin­gen ele­men­ta­re Prin­zi­pi­en des kö­nig­li­chen Spiels bei­brin­gen möch­te. „Am ein­fachs­ten ist oft das End­spiel. Da­mit fan­ge ich zu­meist an.“Mit der Trai­nings­grup­pe der fort­ge­schrit­te­nen Ju­gend­li­chen aus dem Düs­sel­dor­fer Schach­klub spricht er das The­ma po­si­tio­nel­les Trai­ning durch und be­ginnt mit Kon­trol­le der Lö­sungs­we­ge, die Haus­auf­ga­be war. Der Groß­meis­ter ver­teilt kei­ne No­ten. Den er­dach­ten Zü­gen von Ju­dith hät­te er aber die Höchst­no­te ge­ge­ben, wie er sagt. Kein Wun­der, denn die an­ge­hen­de Abitu­ri­en­tin vom Düs­sel­dor­fer Leib­niz-Gym­na­si­um war 2019 NRW-Meis­te­rin ih­rer Al­ters­klas­se und ge­hört schon zur 3. Mann­schaft des DSK in der Ver­bands­li­ga. Ih­re Lie­be zum Schach be­gann mit acht Jah­ren – „aus Lan­ge­wei­le“, wie sie ge­steht. „Da bin ich ein­fach mit ei­ner Freun­din zum Schach­klub mit­ge­gan­gen, ha­be dort zum ers­ten Mal ge­spielt und bis heu­te nicht mehr da­mit auf­ge­hört.“Ih­ren be­mer­kens­wer­ten No­ten-Durch­schnitt von 0,8 in der Schu­le führt die an­ge­hen­de Me­di­zin-Stu­den­tin auch auf das Schach­spie­len zu­rück. „Schach übt das struk­tu­rel­le Den­ken. Das kommt ei­nem gera­de in so Fä­chern wie Ma­the­ma­tik und Phy­sik zu­gu­te.“Sie spielt auch Vol­ley­ball, Tennis und macht Ju­do.

Im Un­ter­richt mit dem Groß­meis­ter geht es für Ju­dith aus­schließ­lich ums Den­ken und Grü­beln. „Wir be­spre­chen jetzt ei­ne Par­tie von Ex-Welt­meis­ter Ana­to­li Kar­pov aus dem Jah­re 1972“, kün­digt der Lehr­rer an. „Kar­pov war ein raf­fi­nier­ter po­si­tio­nel­ler Spie­ler und star­ker Pro­phy­lak­ti­ker.“Der Schach­pro­fi zählt den Ju­gend­li­chen im Trai­ning mit un­glaub­li­cher Ge­schwin­dig­keit Dut­zen­de von mög­li­chen Zü­gen zur Kar­pov-Par­tie auf und be­wer­tet sie.

Ob er län­ge­re Zeit oh­ne Schach le­ben kön­ne? „Ein, zwei Wo­chen be­stimmt“, sagt er schnell. „Aber bei drei Wo­chen könn­te es all­mäh­lich knapp wer­den.“

Der Düs­sel­dor­fer Schach­klub

hat et­wa 150 ju­gend­li­che Mit­glie­der. Es gibt drei Trai­nings­grup­pen für Ju­gend­li­che. www.du­es­sel­dor­fer-schach­klub.de

HORSTMÜLLE­R FO­TO:

Groß­meis­ter Alex­an­der Be­re­lo­witsch beim Trai­ning.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.